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Jeschurun · 1886-04-15 · Heft 15-16 (15.4.1886) · p. 226

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 15-16 (15.4.1886)
Article
Die vier Entwicklungsstufen Israels
Date
1886-04-15
Page
226 (sequence 2)
Language
German
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tröstlicher Anschauungen sich in da» oft dürre nnd wüste Gebiet des von äußerem Drucke niedergebengten ifrac■־ litischeu Gebens ergossen, .Kein Wunder, wenn der äußeren Knechtsgestalt Israels das innere Treiben keines- Wegs entsprach, wenn unsere Vorfahren vielmehr reicher von glanbenskräftigen und sceleuslärkenden Einflüssen umgebe» waren, als wir. Schließen auch wir uns versuchsweise an die große und unübersehbare Reihe jener glaubeusinnigeu Erklärer au und wenden nur uns einmal der Betrachtung der 7112ארבע 2,״ zu; suchen nur an der -Vaud der überlieferten Erklärungen die Gründe ans, welche die Weisen zur Anordnung der vier Becher Weines für den Peßachabend veranlaßt haben mögen. Ist doch im letzten Abschnitte des Talrnndtraktates Peßachim die ganze Ordnung der Abendfeier an die Folge jener vier Becher geknüpft. Um den eigenen Bermnthnngen nicht zu viel Raum zu lassen, greifen!vir die Midrascherklärnug heraus, welcher Naschi und Naschbam unter den andern Deutungen am angegebenen Orte die höchste Wichtigkeit zngestanden haben: אמר ר׳ הונא בשם ר׳ בניד. כנגד ארבע גאולות ״ .שנאמרו במצרים והוצאת׳ והצלת׳ וגאלתי ולקחתיRab Huna im Namen des Rab Venajah sprach: Die vier Becher des Peßachabeuds entsprechen den vier Berbeißnngen der Erlösung, welche in Egypten ausgesprochen worden sind?׳ Es ist dies keine willkürliche Anlehnung, vielmehr finden wir hier die Deutung eines unseren Weisen dunkel erschienenen Schrislverses: והוצאתי אתכם מתחת סכלות מצרים והצלתי אתכם מעבודתם וגאלתי אתכם כזרוע נטויה וכשפמים גדולים ולקחתי אתכם לי לעם והייתי לכם לאלהים וידעתם כי אני ה׳ אלקינם rv*■ .המוציא אתכם מתחת ס: ,Ich werde Euch herausfichrcn von den Lasturbciten Egyptens, ich werde Ench retten von ihrer Sklaverei, ich werde Euch mit ansgestrecktem Arme und mit großen Strafgeriehten erlösen nnd ich werde Euch mir zum Volke nehmen nnd ich werde Euch znm C^ott sein, nnd ihr werdet erkennen, daß ich, der Ewige, Euer Gott bin, der Euch heransführt ans der Mitte der Vaftarbcitcu Egyptens." Weshalb, so fragten sie sich, folgt die Anlündignng der Strafgerichte erst, nachdem von der Besreinng ans Egypten die;)rede gewesen, während sie doch der geschichtlichen Folge gemäß die Ursachen der Erlösung gewesen? Sie fanden an dieser Stelle weit mehr, als die bloße Ankündigung dieses Ereignisses, sie sahen in diesen Worten den Entwickelnngsgang Israels von dein Augenblicke der Befreiung והוצאתי bis zur wahren Gotteserkenntniß וידעתם angedentet. Wenn wir unter dem Kelche das Loos eines Menschen oder einer Gesammtheit verstehen, so gaben uns unsere Weisen hiermit zu verstehen, daß Israel noch manchen Kelch würde leeren müssen, ehe cs znm höchsten Gipfel seiner Entwickelung ange'langt sein würde. Vier Zeiträiunc geschichtlichen Fortschreitens kennzeichnen sich in diesen vier Bechern, ja. wir werden auf diesem Wege vielleicht einen Einblick gewinnen in die Ordnung unserer Peßachhagada ״ .והוצאתי אתכם מתחת סכלותIch werde Euch heransführen ans den Fesseln egyptischcr Lastarbciten." so lautet die erste Verheißung an Moses. Wie konnte Israel überhaupt empfänglich werden für weitere göttliehe Einflüsse, so tauge es äußerlich von den Sklavenfesseln gedrückt wurde? Sie mußten erst Zeit gewinnen, um freien Athen! zu schöpfen, um dem Boten des Allmächtigen überhaupt Verständnis; entgegenznbringen. Wie sollte Gott seine Ziele inmitten eines Stammes verwirklichen können, dem die freie Selbstbestimmung, dieses angeborne Recht des Menschen, die Vorbedingung jedes selbständigen Entschlusses genommen war? Wie der erste Becher des Peßachabmds mit dem Festscgcn uns ans dem Banne des Werktages zunächst in die Vor- Halle des Feiertages führt, wie wir noch nicht ganz durchdrungen sein können von festlichen Eindrücken und heiligen Stimmungen., da noch etwas vom Werktage an uns haftet, so schwanden mit jener äußerlichen Besreinng, mit der räumlichen Entsernnng des Volkes ans der Botmäßigkeit ihrer Bedrücker keineswegs die Spuren der Sklaverei. Die סכלות, das Joch der Lastarbeiten, war wohl von ihnen genommen, aber sic konnten sich keineswegs so schnell losmachcn von der עבודה, von der Sklaverei selbst. Dem entspricht auch der Anfang der eigentlichen Hagada, in welchem uns von dem Brode des Elends, von der Schwere der Bedrücktingen Egyptens erzählt wird. מתחיל כגנות beginnen soll diese Erzählung mit den finsteren Verhältnisscn des geknechteten Israels, ומסיים כשבה schließen soll sie mit den! Inbelrnfe des Befreiten, der es noch jetzt empfindet, wie dem plötzlich den schweren Banden Entkommenen zu Mnthe gewesen. Je mehr wir uns dem כוס שני nähern, desto mehr verliert sich diese Schilderung des Elends. Es wird beim Beginn des Hallet gezeigt, wie Israel bereits seiner Freiheit und Selbständigkeit sich zu freuen beginnt, wie bereits der ruhige Vergleich augcstellt wird zwischen den! Zustande des Elends und der Befreiung. ״ והוצאתי אתכםNachdem ich Euch aus jenen Fesseln geführt habe,״ והצלתי אתכם מעבודתם ״Dann werde ich Euch ans der Sklaverei erretten." Nicht diese äußere Befreiung war das Ziel des Ewigen. Oft sinden!vir es ja in der Geschichte, daß vermittelst einer voraugegangeueu Gährnng Plötzlich die Kette von der Schulter des Sklaven fällt. Aeußere Lösung von den Lasten, erhöhter Lebensgenuß ist da das einzige Ziel, und cs konnnt schließlich dazu, daß eine derartig errungene Freiheit sich nicht wahren läßt. — Bald wechselt der Sklave seinen Herrn, und durch Maß-

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