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Jeschurun · 1886-04-01 · Heft 13 (1.4.1886) · p. 194

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 13 (1.4.1886)
Article
Die Vorbereitung zum Feste der Erlösung
Date
1886-04-01
Page
194 (sequence 2)
Language
German
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194 Befreiung von Sünde und Tod, Sieg über Sinnlichkcit, Erlösung aus dem Zustande der Gebundenheit, Gewinnung sittlicher Freiheit, das ist die Vorbedingung zu der Weihe, welche das Peßach an uns vollziehen will. Wenn Israel das Volk Gottes, wenn cs des Priester- und Hcroldamtcs des reinen Menschthnms würdig und fähig sein will, zu welchem Gott eS erkoren, da Er cs ans dem Stande der Sklaverei zu sich erhob und Seine allmächtige Wallung an ihn: knndgethan, so muß es die טומאה überwinden and die טהרה gewinnen lernen, so muß es an sich den Sieg des freien, göttlichen Meuschenwesens über׳ die sinnliche Gebundenheit errnngcn haben und als wahrhaft Freier in den Dienst des allmächtig und frei waltenden Gottes treten, frei von allen anderen Beziehungen, sich Ihm allein hingeben in sittlich freier Entschließung mit jeglicher Negung seiner Triebe, mit jeglichem Blutstropfen, mit sei nein ganzen ungetheiltcn Wesen als צאן טרעיתד, als ״das Lamm Seiner Weide", keiner andern Führung folgend als der Stimme seines Hirten. Nicht zur historischen Erinnerung ist die Verlesung der ParaschaLH-Para ungeordnet. Im Talntnd Ieruschaimi heiß! es ausdrücklich: אמר ר׳ הטא בדין הוא שיקרום ■החודש לפרשת פרה •בהרי באחד בניסן ד,וקם המשנן ושני לו נשרפה הפרה ומפני נזה הקדימוה שהיא טהרתן של ישראל. Wenn der Sabbath-Para lediglich zum Gedüchtniß der Einsetzung der Para- Admna-Institntion ungeordnet worden wäre, so hätte derselbe in den Monat Nissan fallen müssen. So aber hat derselbe dem Eintritt des Peßach-Monats, dein Monate der Befreiung ans irdischer Knechtschaft, voranfzngehen. Nachdem also am dritten Sabbath des Adar der Nnf zur Erhebung ans der sittlichen Gebundenheit als Vorbereitung znm Feste der Befreiung durch Israels Lager erschallt ist, tritt der vierte Sabbath, der Sabbath- Hachodesch, mit der Verlesung des inhaltreichen Abschnitts החדש היה לבם in seinen Kreis. . קידוש החדש, die Weihe des Neumondes, die Weihe der זמן בפרה לכל תולדותם, der zur stets wiederholten sittlichen Wiedergeburt ״im Lande Mizrcüm" vor der Erlösung aus Sklavcnfesjcln dem zu gründenden Gottes- Volke für alle dessen nachfolgende Geschlechter verliehenen Institution — dies der erste Gedanke, den der vierte Adar: Sabbath in uns wachrnsen will, Nicht der Zeit- Messung gilt die jüdische Nct:nt0ndsfcier, — דונמא ׳שלכם, in der ans dem Dunkel zum Lichte hinstrebenden Mondcssichc! erblicken wir das Wahrzeichen der uns verliehenen Fähigkeit und Aufgabe, die stete Wieder- Vereinigung mit dem Lichte der göttlichen Wahrheit, mit dem gcossenbartcn Gottcswillen, welcher unsere Sonne ist, zu suchen und zu finden. ״Das Wiederzusanuncnfinden des Mondes mit der Sonne ist nur Vorbild und Veranlassung unserS Wiederznsammcnfindcns mit Gott, die Erneuerung des Mondes Vorbild und Veranlassung unserer Erneuerung; Moüd ist buchstäblich: Konjnnktiom" *) Diese vollzogene ״Konjunktion", dieses Wiederznsammenfinden des Menschen mit Gott bewirkt ״ כפרהnicht nur die geistige und sittliche Wiedergeburt unseres Innern, sondern eben damit auch eine Neugestaltung unserer äußern, sozialen und geschichtlichen Beziehnngcn." **) Auf dem Grunde der טהרה erringen wir כפרה, nach Sabbath- Para Sabbath-Hachodesch als Vorbereitung für Peßach. Der Lenzesmonat, der Monat deS Erwachens der Natur aus der Winternacht, in welchem neues,Arisches Leben sich zu regen beginnt in Wald und Flur, der Monat Nissan eröffne die Zählung unserer Monate in dem Kreislauf des Jahres. Der Gedanke des Lenzes verlasse uns nimmer, stets sei eS Lenz in uns, in den wechselvollen Phasen unseres Ringens und Schaffens begleite uns stets das Bewußtsein, daß auf jede Nacht ein lichter Morgen folge, daß jeder Winter eine Borbereitung für bcn Frühling sei. ראשו; הוא לכם לחרשי השנה, die Einsetzung des Nissan als ersten Monat unter den Monaten des Jahres, die Einführung des Lenzes in unser von טהרה und כפרה getragenes irdisches Dasein ist der zweite Gedanke, den der vierte Sabbath des Adar in uns zum Bewußtsein bringen will. Und hieran schließt sich die große Lehre von der Gestaltung des menschengesellschaftlichen Verhältnisses in seiner doppelten Beziehung zu den Menjchengenosscn und zu Gott an. Jeder Einzelne in dem Bollwerthe seiner Menschenwürde und Selbständigkeit, das Haus, die Familie, die Gesellschaft in ihrer von Gott gewollten Gliederung — wie solches in dem Gebote des PeßachlammcS zum prägnanten Ausdruck gelangt. Alle aber, jede Menschenpcrjönlichkcit, jedes Haus, jede Familie, der gesammtc Menschcnverein das Lamm der Gottcsweide, die Heerde Gottes, von Ihm geleitet und behütet, sich Ihm hingebend in allen Bc- Ziehungen, Alles Ihm weihend und von Ihm den vollen Anthcil an dem Genüsse des Glückes empfangend durch diese Weihe, durch diese vollendete Hingebung.-״ Ein Menschcnkreis, der also sich gerüstet für ein Leben nach Gottes Willen, der also in freiem Entschlusse an sich die Weihe vollzogen, der fühlt sich frei und glücklich, selbst wenn noch der ägyptische Tyrann die Peitsche über ihn zu schwingen sich erkühnt. Er kann in sicherer Ruhe des rettenden Einschreitens seines Gottes entgegenharren und in Mitten der Todesschauer des GotteSrufeS gewärtig sein, der ihn zur Freiheit und glücklichen Selbständigkeit geleitet. *) Hirsch in seinem Kommentar zur Stelle. **) Daselbst.

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