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Jeschurun · 1886-03-03 · Heft 9 (3.3.1886) · p. 130

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 9 (3.3.1886)
Article
Der Kampf gegen das Judenthum
Date
1886-03-03
Page
130 (sequence 2)
Language
German
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180 sic nichts gelassen, der das Härteste erduldet, was die ausgesuchteste Bosheit der Menschen über ihren Neben- Menschen verhängen können. Wenn aber dieses Heiligste und Höchste nicht nur das Heiligste und Höchste des Gemißhandelten, Berhöhnten und Verfolgten allein ist, wenn es nicht ein von Menschemvahn erklügeltes Kleinod, wenn cS das göttliche Gesetz und die göttliche Lehre ist, wenn somit der Spott und Hohn, der Lug und Trug das Heilig--- thum der Menschheit schändet, dann darf der Elende der Zuversicht leben, daß Gott seine Sache führen und die Lästerung des LügcnmundeS in ihrer verbrecherischen Erbärmlichkeit vor aller Welt offenbar lassen wird. Ein Stamm wandelt unter den Menschen, in seinen Gliedern zerstreut, wenig au Zahl, doch überall bekannt, machtlos, schwach, unterdrückt, verfolgt, verhöhnt und mißachtet. Sein Dasein zählt nach Jahrtausenden. Er führt auf allen seinen Wanderungen das Kleinod der Menschheit mit sich, die Lehre Gottes. Er ist der Verkünder dieser Lehre, nicht durch Rede und Predigt, sondern durch das Beispiel des Gehörsams, den er dem Gesetze Gottes zollt. Und nicht umsonst waltet er dieses Priester- und Heroldsamts. Millionen haben von ihm gelernt, Millionen haben aus dieser Lehre Einiges geschöpft und es zur Grund-׳ läge ihres Glaubens genommen, Millionen haben ans ihr daS Prinzip entnommen für die Gestaltung ihrer menschengescllschaftlichen Verhältnisse, Millionen haben Trost und Erhebung in den Schätzen gefunden, als deren treuer Hüter dieser Stamm sich bewährt. Trotzdem, trotz dieser scgeusvollcn Wirksamkeit dieses Stammes, ist der jüdische Stamm das Aschenbrödel unter seinen Geschwistern, die Alles, was ihnen wcrth und theuer ist, ihm verdanken, trotzdem wird er als Unebenbürtiger und Ausgestoßener geachtet und behandelt, und seine Wehklage hallet durch der Jahrhunderte Nacht zum Himmel empor ob der Ungerechtigkeit und Lieblosigkeit, ob der Bedrückung und Schmach: ״ רעה ישראל האזינהIsraels Hirte, neige Dein Ohr." höre mein Flehen, vernimm meinen Seufzer, schaue mein Elend! Die Brüder mißhandeln und schmähen mich, weil ich Dein bin,' nicht von Dir lassen will; sie tasten Dein Hciligthum an. ״Sie haben die Leiche Deiner Diener dem Geflügel dcS Himmels zum Fraß hingeworfcn, den Leib Deiner Getreuen dein Gethier der Erde, haben ihr Blut wie Wasser vergossen;- zur Schmach sind wir unfern Anwohnern geworden, Hohn und Uebcrhebung unserer Umgebung"- (Psalm 79, 2—4). Nicht der Vergangenheit hört diese Klage an, noch heute rotten sie sich zusammen und ziehen gegen Israel aus, auch heute noch verbünden sich Bosheit und Aberwitz, Lüge und Vorurtheil, Haß und Neid, nicht nur um Israel zu bedrücken, verfolgen, berauben und zu vernichten, sondern auch in Verblendung und Wahnsinn sein Hciligthcim zu verunglimpfen und zu besudeln und es als Fratze dem Abscheu und dem Gespotte der Welt preiszugebcu. Es ist tief betrübend, aber wahr. Das Antlitz der Gegenwart ist durch den häßlichen Inden- und Iudcuthumshaß entstellt. Neben den erhabenen und verehrungswürdigen Gestalten, welche unserm Jahrhundert als Signum dienen, erscheinen auch mit nicht minderem Rechte die Rohling und Stöcker als die Träger einer Bewegung, die ihm ebenfalls sein Gepräge giebt. Das Jahrhundert der Aufklärung ist auch dasjenige des krassesten Vorurtheils, es hat aus seinen Blättern allerdings die siegreiche Entwickelung der Ideen des Rechtes und der Humanität zu verzeichnen, aber auch das Wicdcrerwachen eines sinslern Wahnes, die Ausgeburt blind wülhender Leidenschast, die kein Recht und keine Liebe kennt. Dem Herrn sei Preis und Dank! Er hat sich uns in diesem Trübsal als der treue Hirte sichtbar erwiesen. Er hat uns erhört, da wir zu ihm flehten, Er hat nicht unserer Fehler gedacht, Sein Erbarmen ist nnö nicht vorcnthalten worden. Er ist eingetreten für ״ צאן נירעיו/וfür die Heerde Seiner Weide", für das Seiner Wallung und Leitung vertrauende und Seiner Huld harrende Israel, und hat die Bosheit der Feinde zu Schanden gemacht. Das gewahren wir in den Ereignissen der Gegenwart an jeglichem Tage, in Tisza-Eßlar und Neustettin, in Brimans Entlarvung und Rohlings Untergang. Seit Eisenmenger und Pfefferkorn hat Niemand so gründlich das Judenthum gehaßt wie August Rohling. Er aber, der Professor der katholisch-theologischen Fakultät der Prager Universität, übertrisft den alten Johann Andreas Eisenmenger, welcher vor hnndertfünfundachtzig Jahren sein Schandwcrk ״Entdecktes Judenthum" als Professor der orientalischen Sprachen in Heidelberg hcransgab, jenes umfangreiche Buch, das allen Ver-- lcnmdern als Fundgrube ihrer Lügen dient, an Gehässigkeit und Frechheit der Entstellungökunst. Was Eisenmenger nicht gewagt seiner Zeit zu bieten, das hatte Rohling die Stirn, der Gegenwart anzutragen. Er verbreitete die unglaublichsten imb schändlichsten Unwahrheiten über das Jndenthum und stellte sich den Gerichten unaufgefordert zur Verfügung, diese entschlichen Erdichtungen, die Gebilde einer von der Leidenschaft erhitzten Phantasie, durch ״einen heiligen Eid" zu erhärten. Ör. Bloch, Rabbiner zu FloridSdors, einem Vororte Wiens, erachtete eS als seine Pflicht, ״gegen diese stets drohende Gefahr eines Meineids auf Verlangen" die Juden und das Judenthnm zu schützen. Er erhob deshalb in der zu Wien erscheinenden Zeitung ״Die Morgcnpost" gegen Rohling

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