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Jeschurun · 1886-02-18 · Heft 7 (18.2.1886) · p. 99

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 7 (18.2.1886)
Article
Die Egelsünde und die Reform
Date
1886-02-18
Page
99 (sequence 3)
Language
German
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99 eine Wahrheit sein sollte, was aus grauer Vorzeit be- | richtet wird, daß Gott Israel wunderbar geleitet und! ihm dieses Land nur unter der Bedingung zugewiesen, i daß es Ihn als seinen alleinigen Herrn 1mb Sein Gesetz als die einzige Norm seines Lebens verehre, daß aber mit der Auflehnung gegen diesen Herrn und Sein Gebot die Axt gelegt werde an den Bestand dieses Staats, die Selbständigkeit des Volkes, dem Exil und Knechtschaft bevorstäude, wie es ehedem die Sklavenketten Mizarims getragen? — Achali 1111 b die vierhundertfunfzig Propheten des ״modernen und geläuterten" Baalkultus, ebenso wie ihre Kollegen, die vierhundert für ״die erhebende und zur wahren Andacht stimmende" Astarte-Nesorm!virkenden Propheten — alle ans der Privatschatulle der aufgeklärten und tief religiösen Königin reich dotirt — mochten wohl dieser bedenklich zur Orthodoxie hinneigenden Strömung entgegcngetreten sein: wie thöricht und abgeschmackt, wie abergläubisch und vernunftwidrig! Der Kausalnexus zwischen Abirams und SegubS Tode und des Vaters Ehie! großem patriotischem Werke, dem Wiederaufbau Jerichos, muß doch erst erwiesen sein! Ein vor fünfhundert Jahren angeblich dem Josna zngeschriebener Ausspruch sollte eine solche Wirkung haben? Lächerlich. Wird doch auch in dem alten Urknndeubuche, das man dem Moses znschreibt, mit dem Flnche gedroht, daß kein Regen diesen Boden netzen würde, falls der alte Gottesdienst nicht mehr unverändert daselbst geübt und eine den Bedürfnissen der Zeit und der vorangeschrittencn Bildüng und Aufklärung entsprechende Reform eingeführt werde. Nun, wie lange stehen schon die Heiligthümer in Dan und Bethel? hat es seitdem etwa nicht geregnet? Da trat Elijahu der Thisbi, von den Beisassen Gileads, vor Achab hin und sprach: ״So wahr Gott, der Gott Israels lebt, vor dem ich stche, — e8 wird in diesen Jahren kein Than und kein Regen sein — es sei denn auf mein Wort!" Und also geschah es. Der nach belebendem Naß lechzende dürre Boden und der wolkenlose Himmel waren die Zeugen von der allmächtigen Wallung Gottes auf Erden. Im dritten Jahre aber ward das Wort Gottes an Elijahu: geh, zeige dich Achab, ich will dem Erdboden wieder Regen geben. Und Elijahu ging, sich Achab zu zeigen. Als Achab ihn sah, herrschte er ihn an: bist du endlich wieder da, der über Israel solche Trübsal gebracht? — ״Nicht ich habe Israel Trübsal gebracht, sondern du und deines Vaters Haus, indem ihr das Gesetz Gottes verlassen und den Baalgöttern nachgewandelt seid," antwortete Elijahu. ״Und nun," so fuhr er fort, ״entbiete zn mir ganz Israel an den Berg Karmel, und auch die Propheten des Baal, vierhundertfunfzig, und die Propheten der Astarte, vierhundert, die von JsebelS Tisch Unterhaltenen." Als sie Alle versammelt waren, das Volk und die Pfaffen, trat Elijahu vor das ganze Volk hin und sprach: ״Wie lange hinkt ihr ans beiden Seiten? Ist Gott in Wahrheit Gott, so folgt ihm nach, ist es aber der Baal, so folgt ihm!" In dieser großen, ewig denkwürdigen Stunde, in welcher Gottes Allgegenwart und Allmacht die Nichtigkeit 'nnd Thorheit des Götterknlts, die Wahrhaftigkeit der Sendung Elijahus und der Trug der königlichen Pfaffen sich auch dem blödesten Auge knndgaben, zog durch das Volk ein Strahl der alten Begeisterung der die Offenbarung am Sinai schauenden Ahnen, und es brach in den huldigenden Ruf aus: Gott allein ist Gott, Gott allein ist Gott! — — — Sechsundzwanzig Jahrhunderte sind seit diesem großen Tage dahingerauscht; das Reich Israel ist untergegangen und von den ״zehn Stämmen" keine Spur mehr in der Gegenwart vorhanden. Auch das Reich Inda ist untergegaugen. Die Nachkommen desselben sind weit hingestrent über den ganzen Erdball, die Saat Gottes für der Menschheit HeileSzukuuft. Und immer wieder und wieder hat Israel zn Gott bittend hinaufzuschauen gehabt, daß Er in Seiner Gnade Sein ״ סלחתיIch habe vergebe" spreche, immer wieder und wieder hat es sich vor Ihn hingeworsen und den Glanbensruf!״ ד׳ הוא אלוקי׳Gott allein ist Gott!" erschallen lassen. Ist die alte Egel-Verirrnng endlich gründlich überwunden, die jerobeamitische und achabitische Täuschung endlich gänzlich gewichen ans seinem Kreise?? Sind wir, das Israel der Gegenwart, ganz zurückgekehrt zu Gott und Seinem Gesetze in Wahrheit und Aufrichtigkeit? Huldigt man nicht auch unter uns dem Wahne, als gelte es, uns einen Mittler selbst zn schaffen, um des göttlichen Wohlgefallens, des Schutzes und der Gnade Gottes theilhaftig zu werden? Sind keine Pfaffen unter uns ausgestanden, wie zn Jerobeams und AchabS Zeiten, um eine Reform deS göttlichen Gesetzes vorzunehmen, um der Schwäche und der Sinnlichkeit des Volkes zu schmeicheln? Predigt man nicht auch heute noch in Israels Kreisen den Abfall und täuscht das Volk über die Wahrheit des Jndenthnms?? Wo ist aber der Moses, der den Ruf ergehen läßt: ״Wer Gottes ist, her zu mir!" wo der Elijahu mit seiner Mahnung: ״Wie lauge wollt ihr auf beiden Seiten hinken?" Und wenn ein MoseS und ein Elijahu also unter uns anfständen, würden die Irregegangenen, Getäuschten und Verblendeten ihrem Ruse und ihrer Mahnung folgen, würden sie des Jrrthums und Fehls innewerden, würden sie begreifen, daß Gott dienen heißt, seine Gebote erfüllen, Gottesfurcht nichts Anderes ist, als Gott allein Gehorsam leisten, vollbringen, was Er geboten, unterlassen, was Er untersagt hat, ganz so wie Er es gewollt, wie es ausgesprochen

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