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Jeschurun · 1886-02-18 · Heft 7 (18.2.1886) · p. 98

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 7 (18.2.1886)
Article
Die Egelsünde und die Reform
Date
1886-02-18
Page
98 (sequence 2)
Language
German
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er aber dem Lager näher gekommen war und das Ido! gewahrte und den Neigen, den sein Volk um dasselbe aufsührte, da zerschmetterte er die Tafeln des göttlichen Gesetzes, für welches keine Stätte ist. wo man Idolen in wahnsinniger Verirrung huldigt, da zerstörte er das Idol und ließ den Ruf erschallen: wer Gottes ist, her zu mir! Und er richtete die offenen Empörer, und Gott richtete die Anderen. Auf göttlichen Befehl kehrte er sodann nach der Sinaihöhe zurück, wo ihm die Waltungsweisen der göttlichen Mcnschhcitscrziehung enthüllt wurden in der Einheit ihrer Mannigfaltigkeit, und er zu der Erkcnntniß gelangte, daß Gott das Wunder der Sühne und Lergebuug noch oft üben werde, bis Israel Sein bleibendes Elgenthum geworden, וסלחת לעוננו ולהטאתנו ונחלתנו Fünfundcinhalb Jahrhunderte und mehr waren seitdem verflossen. Israel war wiederholt seiner Ausgabe untreu geworden und hatte stets wiederum die Bcrzeihnng seines Gottes gesucht und erhalten. Zu der Höhe seiner Bestimmung hatte es sich nur selten emporgerungen. Wohl erhob cs sich unter Davids Negierung, wohl erstand unter Salomo der hehre Bau des Heiligthums. Aber unter dessen Sohnes Nehabcam Negierung theilte sich der Staat. Fünfscchste! des Volkes sagte sich von dem Davidischcn Hanse und Jerusalem los nnd schaarte sich um Icrobeam als Reich Israel. Icrobeam gedachte seine Herrschaft durch die Künste der Politik zu befestigen und seiner Dynastie dadurch Dauer zu verleihen. An Stelle des GottcSwilleus trat eine vermeintliche, weitsichtige Staatsklugheit, deren wesentliches Bestreben darauf gerichtet war, das Volk an sich zu fesseln und durch eine zeitgemäße Reform des Gottesgcsetzes das Band zu lösen, welches die Unterlhauen mit den Brüdern des sudäischcn Reichs und dem Heiligthum auf Zion verknüpfte. O, cs war eine sehr kluge und überaus zeitgemäße Reform, diese Ierobcamitischc! Sic könnte noch heute allen unseren Reformhcldcn zum Muster dienen. Die Feste des siebten Monats verlegte er auf den achten Monat. Ucberall erhoben sich prächtige Stätten, der Ncligious- Verehrung und der Erbauung gewidmet. Bethel und Dau sind unser Jerusalem, predigten seine Pfaffen, und wir haben einen viel schöner« und würdigcrn Kultus eingeführt als in dem alten stabilen Jerusalem. Es beneiden uns darum alle Kulturvölker, Phönizier und Aegypter, von den anderen gar nicht zu reden. Aber schon sein Sohn Nadab ward von Bacsa gestürzt und getödtet, und dessen Sohn Ela von Simri, dieser aber von Omri. Unter Achab, Omris Sohn, nahm die Reform einen noch gewaltiger» Aufschwung, wozu die fromme Königin Jscbcl, Tochter des Königs Ethbaal von Sidon, wesentlich beitrug. Die Icrobcamitische Reform erwies sich als nicht radikal genug. Der phönizischc Kultus war das höchste Ideal, zu welchem das noch immer nicht ganz aufgeklärte Volk geführt werden sollte. Der königliche Hof ging mit dem guten Beispiele voran. Erst richtete Achab, wie es scheint, für sich einen Baalkult ein, dann aber erbaute er in seiner Haupt- und Residenzstadt Schomrou einen Baaltcmpel, und auch der Astarte wurde der Zoll der Anbetung nicht versagt. Die Königin'Isebel fuhr aber in der gründlichen Rcforni energisch -fort. Sie ließ auf die Verkünder des Gottcsworts fahnden und sie tödten. Dennoch schein! im Volke nicht gänzlich die Lehre. Gottes vergessen gewesen za sein, dennoch scheint das Bewußtsein von der besonder» Aufgabe, die Gott Israel ertheilt hatte, nicht bis auf die letzte Spur erstarben gewesen zu sein. Mahnte doch die öde Stätte, wo einst Jericho stand, an die wunderbare Führung Gottes nnd an die ausgezeichnete Stellung, welche Israel als Gottesstaat minittcn der Nationen einnehmen sollte. Nicht durch Schwertstreich war diese erste Stadt des verheißenen Landes, die Israel in Besitz genommen, gefallen; vor der heiligen Lade, die das Zcuguiß des Gottesgcsetzes umschloß, waren Iericho's Mauern gestürzt. Dieses Gottcsgesetz sollte das einzige Staatsgesctz sein, der Erfüllung dieses Gottcsgesetzcs sollte das ganze StaatSlcbcn dienen, und der Staat und das Volk sollte nur daun gedeihen auf diesem Boden, wenn hier nur diesem Gesetze Gehorsam geleistet würde. Zur steten Mahnung an diese Grundbediuguug des Staatswohls hatte Iosua darum wohl die Stätte, wo Jericho stand und dieses sichtbare Wunder der Gottesführung sich vollzog, für unantastbar erklärt und einen Fluch über den ausgesprochen, der cs wagen sollte, dieses mahnende Denkmal zu entweihen. ״Fluch treffe den Manu vor Gott," hatte er ausgesprochen, ״der es wagt, diese Stadt Jericho wieder ausznbanen. Mit seinen! Erstgebornen wird er den Grund legen und mit seinem Jüngsten ihre Thore ausstellcn." Aber auch dieses Denkmal sollte von! Erdboden und damit aus des Volkes Gedächtniß dessen Mahnung entschwinden. Ehicl aus Bethel wagte cs unter Achabs Negierung dem Fluche zu trotzen. Er baute Jericho wieder auf. ״Aber mit seinem erstgebornen Sohne Abiram legte er den Grundstein und mit seinem Jüngsten Segub stellte er die Thore ans: ganz nach dem Worte Gottes, das er gesprochen durch Jchoschna, den Sohn NunS." Dieses bedeutsame Ereigniß, die sichtbare Bekundung der Thatsachc, daß Gott noch waltend und richtend auf das Land und das Volk hinabblickte, mochte doch im Volke nicht ganz ohne Wirkung geblieben sein und Viele stutzig gemacht haben. Wie, wenn es doch

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