Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1886)
- Article
- Manna und Sabbath
- Date
- 1886-01-21
- Page
- 35 (sequence 3)
- Language
- German
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35 gedeiht, keine Quelle sprudelt, hatte Israel vierzig Jahre zu weilen, ein Volk von zwei Mal zehn Hunderttausenden. Und für einen Jeglichen dieser Hundert׳ tausende send.ctc Gott mit jeglichem Morgen das ihm gebührende Maß an Manna für jeden Tag, ein Omer für jeden Kops, nicht mehr und nicht minder. Sie hatten cS zusamnicnzulesen, aber ״der viel gesammelt, hatte nichts übrig, und der wenig gesammelt, nicht zu wenig, Jeder hatte nach Bedürsuiß seine Nahrung gesammelt:" Emsige Arbeit war die unerläßliche Bcdiugnng, Gott aber gewährte nur so viel, wie das NahrnngSbcdürfniß jedes Einzelnen war. Nichts davon durfte bis zum Morgen übrig gelassen werden. ES galt, von dem Segen heiter und glücklich zu genießen und des morgigen gleichen göttlichen Segens zuversichtlich cntgcgcnzu harren. Zu diesem Mannawunder aber das die wcrkthätige Arbeit zu einen! Gottesdienste adelnde Sabbathgcbot. Den in der Schöpfung herrschenden Sabbath cingeführt in den Kreis des menschlichen Strcbcns und Wirkens. Nur daun und nur so zu arbeiten, wie Gott eS gebietet und gestattet, nur dann und nur so die die Erde beherrschende Meuschenthätigkcit geübt, wie Gott cs gewollt, sich und die Erde als GottcS Schöpfung bctrachtet und- Ihm die Huldigung als Herrn der gesammteu Schöpfung dargebracht, das ist die Sühnung dcS ParadiescSfchlS, das führt die Menschheit zum Eden zurück- Aus daß dieses große Maunawunder mit seiner die Menschheit von Sorge und Noth erlösenden und die Pforten dcS verlorenen Paradieses wiederum erschließenden Lehre dem israelitischen Volke in der ihm bereiteten staatlichen Selbständigkeit in nngeschwächtcr Lebendigkeit stets gegenwärtig bleibe und cS den ihm auf eigener Flur reifenden reichen Segen nur alo ״Man", als das ihm von Gott Gespendete und Zugemessene genieße, und dadurch dieses Segens erst würdig werde und stets bleibe — frei von Kleinmuth, frei von Vergötterung der Meuscheukraft, frei von Selbstüberhebung, getreu deS McnschcnbcrufS und treu seiner besonderen Ausgabe —- darum gebot Gott- ״ein Omer davon bleibe für eure Nachkommen zur Bewahrung" und dafür ruhte dieses Omer vor der ״Lade deS Zeugnisses" in dem Hciligthume dcS GottcSgcsetzcS vor den Tafeln des Bundes. Nach dem liessinnigen Midraschwvrt *) wies der Prophet Jirmijahu ans dieses in dem Allcrheiligstcn bewahrte Omer Mauna hin, als er seinen Zeitgenossen das mahnende: הדור אתם ראו דבר ד**) zurics. Er hatte ihnen die Ent- *)*חנהוביא z. St. in בשלח. frcmdung deS Geistes und Lebens von dein GottcSgcsctze vorgehaltcn. Sie aber hatten erwidert, wenn wie uns der Thora hingcben, wie könnten wir uns dann ernähren'? Da hielt er ihnen den Mannakrug entgegen und sprach: Schaut her, sehet hier das Wort GottcS, ihr spätes Geschlecht, bin ich denn für Israel eine Wüste gewesen, ein von Finsternis; erfülltes Land'? Warum sprickt mein Volk:!vir sind gesunken, wir kommen' nimmer zu Dir? Eure Väter, die sich der GottcSlehrc Hingaben, seht hier, wovon sic sich nährten. Haltet auch ihr scst an de!u Gesetze, so sorge Ich auch für eure Erhaltung. Derselbe Gott, der das Leben gicbt, ist cS. der Sein Gesetz den Menschen gegeben, wie sie dieses Leben führen sollen. Er gewährt den Ihm Treuen die Nahrung. Er speist sie immer mit Manna. Er wandelt ihnen die trostloseste Einöde zu einer glücklichcn Wohnstätte, Er erhellt ihnen den dunkeln Pfad des Lebens, Er nimmt ihnen die Sorge vom Herzen und die Bürde von der Schulter, Er gestaltet ihnen das schauerlichste Düster zur wonnevollsten Freude, Er ist ihnen nahe in jeglichem Augenblicke mit seiner bc׳ glückenden Liebe und Huld, — הרבה שלוהין יש. לו למקום להכין סזון ליריאיו. Das hatte Israel erst zu beherzigen, das sollte zuvor sich ihm tief cinprägcn. Manna und Sabbath mußten voranSgcheu, bevor eS der großen Offenbarung am Sinai gewürdigt und Empfänger dcS GottcSgcsetzcS werden konnte, zu dessen Herold cS erkoren. Israel vergaß diese Manna-Lehre. IirmijahnS Mahnung . fand keinen Eingang in sein Herz. Der König Ioschijahu, in der Voraussicht der kommenden Galuthzcit, ließ die heilige Lade verbergen und mit ihr das Omer Manna, die Zeugen der unnnttelbaren GottcSlcnknng anS der frühesten ErziehnngSzcit des Volkes, um sie zu bewahren für die einstige, wahrhastige Erlösung Israels und der Menschheit, לימות המשיח, da die Erziehung des Menschengeschlechts vollendet und die ganze Erde wiederum zu einem Eden geworden ist, und der Mensch seines hohen Berufs als erster Gottcodicncr in unverbrüchlicher Treue auf Erden waltet. Aber die Thora selbst ist unS geblieben, und der Sabbath mahnt uns stets an die hehre Mannalehre. In jedem jüdischen Hanse wird sic mit jeglichem Sabbath erneuert. Die beiden Sabbathbrödc sind das Symbol für jene HiininclSspcise, die Gott den Vätern auf ihrer vierzigjährigen Wüstenwandcrnng gereicht. Die ärmlichste Stube, in welcher der Jude seinen Sabbathtisch hcrrichtct, wird zu einem Eden, der gedrücktcstc, elendeste Jude fühlt sich im Paradiese. Sorge und Noth sind von ihm gewichen, er gewahrt die Nähe Gottes in seinem kümmerlichen Dasein. Jedes Stückchen Brod, das er den Seinen bricht, ist ihnt das Manna von Gott gereicht. — Ihn umfächeln ParadieseSgrüße, **) Kap. 2,;31.