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Jeschurun · 1886-01-21 · Heft 3 (21.1.1886) · p. 36

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 3 (21.1.1886)
Article
Manna und Sabbath
Date
1886-01-21
Page
36 (sequence 4)
Language
German
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er empfindet die Wonne dcö endlichen Heils, des endlichen Eden, dem die Menschheit durch die verschlungencn Pfade der Geschichte entgegengeht. Die ivirltliche Akildun- Mes. Ein Essay von S. B. No sc »Hain. (Nachdruck verboten.) (Schluß.) So erwarten Kinder von dem Manncsaltcr die Erfüllung utopischer Wünsche, so betrachtet der Pöbel auch heute noch das meerferne Amerika für ein Arkadicn, wo das Gold schefsclwciS von der Gasse aasgelesen werden kann, und so pflegt man auch bei Benrtheilnng einer Begebenheit aus uralter Zeit die Schwierigkeiten zu übersehen und die komplizirtesten Aktionen, welche heutzutage nur bei einem Umsturz alter Ordnung geschehen könnten, für leichte Kinderspiele anznsehen. Achnlich könnte man auch geneigt sein, bei Benrtheilnng der Schwierigkeiten, welche Moses zu überwinden hatte, sich der Täuschung hinzugcben und mit Trnggründen zu blenden: antike Naivität und Beschränktheit.... abergläubische Furcht.... Redefünfte und spiritistische Wnnderstückchen u. s. w. Mau hüte sich aber wohl, diese Lächerlichkeit zu begehen, denn in an stellt sich damit, wie schon bemerkt worden, in den wenig rühmlichen Heerbann der geistig Unmündigen. Ei» einfacher Abenteurer hatte damals um nichts bessere Ehancen, als er heutzutage haben würde, und die Befreiung der Juden von ägyptischer -Herrschaft fällt unter denselben Gesichtspunkt, wie die der Iren von England, der Polen von Rußland, Deutschland und Oesterreich. Der ägyptische Staat stand damals auf dein Gipfel zeitgemäßer Entwickelung. Die Hunderttausende Erzschilder der Pharaonischen Söldlinge sind eine Thalsache, die sich durch die geistreichste Spekulation nicht wegdemonstriren läßt, und die zahllose Menge der Pfaffen, der geriebensten und verschlagensten Subjekte, ließ sich kaum durch die bloße Dreistigkeit eines großmauligcn Schwadroneurs ins Bockshorn jagen. Man denke sich die Nolle und das Schicksal eines Tollhäuslers, der vor den Thron des Ezaren als Abgesandter Gottes hintreten und in dessen Namen fordern würde, er solle die Inden cmanzipiren oder die Polen freigeben, lvidrigeufalls Heuschrecken, Frösche, Viehseuche und Pest ihn und sein Land heimsnchen würden, und man kann sich eine Vorstellung von dem jämmerlichen Fiasko machen, welches Moses bevorstand, wenn nicht eine göttliche Macht ihn wie ein eherner Panzer umgeben und unanlastbar gemacht hatte. Dort ein sibirisches Bleibcrawerk. hier aber ein schreckliches Staatsgefängniß, welches die meisterhaften Erbauer der Pyramiden gewiß - ebenso felsenfest zu errichten verstanden, wäre der nächste und einzige Erfolg des tollkühnen Schwärmers gewesen. Hier mußten leere Redensarten in der Lust verhallen und spiritistische Produktionen zur Lächerlichkeit führen; mußten, wenn etwas erreicht werden sollte, positive, grandiose Potenzen ins Treffen geführt werden. Wahrlich, ein Gott war gerade stark genug, um den ägyptischen Widerstand zu brechen! Das eine, in welchem wir Schiller rückhaltlos Recht geben können, ist die Thalsuche, daß Moses eine tiefe Geringschätzung seines׳ demoralisirten Volkes mit in die Wüste genommen habe. Die Schrift selbst gewährt uns iu dem: Ochen nauda hadowor (fürwahr, jetzt ist mir die Sache offenkundig), welches MoseS ans die kecke Abweisung jenes Hebräers, den er von der Züchtigung seines StammbrndcrS abhalteu will, ausruft, einen tiefen Blick in die Seele Moses. Ja, das schwere Schicksal des HcbräervolkcS begann ihn! offenkundig zu werden, er sing an, die Rechtfertigung ihres Unglückes in ihrer Unwnrdigkeit einznsehcn. Wie die Erklärer bemerken, soll es ein Hebräer gewesen sein, der seine That verrathcn und' ihn znm obdachlosen Flüchtling gemacht hatte. Schiller erblickt nun in dem Gespräch bei den! Dornbusch die symbolische Andeutung jener Kämpfe, die Moses innerlich dnrchznmachen gehabt, bis er sich zu seiner Martyvmission entschlossen hatte. Es ist einleuchtend, daß er solche Kümpfe in der That durchgelebt (Schiller nennt sie Zweifel), welches aber daS Motiv gewesen, welches ihn schließlich doch bewogen, für das gcriuggeschätztc, nuwerthc Volk die Nutze seines Lebens und dieses selbst cinzusctzen, darüber werden wir in völliger Unwissenheit gelassen. Wenn die Aufhellung dieses Punktes nothwcndig wäre, dann wäre es auch eine schwere, wenn nicht gar unlösbare Ausgabe. Wenn es ans den freien Entschluß des Moses angekommcn wäre, so hätte er wahrscheinlich die Hebräer thatlos ihrem Schicksal überlassen. Aber cs stand im Plane der Vorsehung, Laß Israel frei werden, dilrch ihn frei werden solle. Und darum mußte er, wenn auch widerstrebend, den Pfad betreten, ans welchen jene Macht ihn zwang, welche den leuchtenden Sternen ihren Platz anwcist. Er wurde nahezu gewaltsam hinanfgeschleudert in jene himmlische Sphäre, in welcher er, als die größte Sonne, die je am ntcnschlichen Himmel erschienen, daS gemeinsame Schicksal aller großen Geister thciltc: ״sich verzehrte, indem er der Welt leuchtete." Ungereimt erscheint die Motivirung, weshalb Moses sich veranlaßt sah, seinen Jao den Hebräern als einen Nationalgott vorznführen; er getraute sich nicht, ihnen seinen Gott unter seiner wahren, universellen Gestalt zu offenbaren, da die dummen Hebräer ihn so nicht hätten fassen können und kalt geblieben wären.

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