Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1886)
- Article
- Manna und Sabbath
- Date
- 1886-01-21
- Page
- 34 (sequence 2)
- Language
- German
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34 Jegliches an seinem Posten. — Wonne und Friede! und selige Harmonie.! Der Mensch aber verkannte seine Stellung, und , wo er erster Diener sein sollte, wollte er der Herr ן sein. Nicht Gottes Willen, sein eigenes Gelüste sollte ihm die Richtschnur für sein Wirken sein. Die entstickende Harmonie lvurde von ihm gestört, ein greller Mißton erfüllte die Schöpfung. Das Eden entschwand. Gottes Barmherzigkeit wollte ihr liebstes Geschöpf, den Menschen, in die Schule der eigenen Erfahrung senden, auf daß er seines Irrthnins inne werde und zu seiner Pflicht zurnckkehrend sich seiner hohen Aufgabe reif und würdig zeige. Dem sich gegen seinen Herrn auflehnenden Menschen versagten fortan die übrigen Wesen den freudigen Gehorsam, und mir unter Entfaltung aller seiner Kräfte kann eS ihm gelingen, der widerstrebenden Mitwelt die Bedingung seines irdischen Seins abzugcwinncn. Nur im Schweiße seines Angesichts vermag er sich die Fristnng seiner Existenz zu erringen, Entsagung und Aufopferung sind die Bedingungen für seinen Eintritt in die Welt, und sie begleiten ihn von der Wiege bis zum Grabe. *־ Durch diesen Kampf, der fortan sein LooS bildet, soll der Mcnfch erzogen werden. Er soll in ihm seiner Abhängigkeit von seinem Schöpfer inne werden, aber auch inne werden der Gnade und stiebe dieses seines väterlichen -Herrn, der ihn behütet und schützt und ihm in diesem Kampfe die Kraft gewährt, ihn zu bestehen. In jedem Augenblicke seines Daseins kann der Mensch diese sürscrgendc und helfende Wallung Gottes gewahren und sich geleitet fühlen von der Hand seines liebenden BaterS. Vertrauen aus Ihn soll die Frucht dieser unausgesetzten Erfahrung und dieses Vertrauen zugleich die Saat sein, ans welcher der Entschluß reift, wiederum ganz in den Dienst GoitcS anszugchcn und die Erfüllung Seines Gebotes die einzige Aufgabe seines stcbcns sein zu lassen. Das ist daS Ziel der Erziehung des Menschengeschlechts, das daS Gehcimniß der Geschichte; ihm geht die Menschheit trotz aller Irrungen und Wandelungen auf vcrschluugeneu Pfaden entgegen. Einen McuscheukcciS hat sich die Vorsehung erkoren, welcher auf diesen den Anderen vorauwaudcln soll, und hat seinen -Händen die stenchtc auvertraut, deren sticht den Weg erhellt, Und gerade dieser Menschenkreis ist in die schwerste Schule entsendet worden. Er hat mehr als die Anderen in dem Kampfe des Lebens die ganze Energie seiner Seele zu entfalten, um nicht zu erliegen. Er hat das Erdreich getränkt mit seinem edelsten Schweiße und Blute, um unter Entsagung und Entbehrung seinen Platz neben den Genossen zu Le׳ Haupte«. An ihm erweist sichtbarer als in der Anderen Geschicke sich die erziehende, liebende, strafende und segnende Hand Gottes von seinem Uranfange an bis zum gegenwärtigen Augenblicke. In eine ste'dcuSschule sonder gleichen ward die Wiege dieser Mcnschenfamilie gestellt. DaS Klirren der Sklaocnkcttcn lvar ihr Wiegenlied, der Vögte Peitsche ihrer Kindheit Gruß, Verachtung und Druck die Luft, die sie athmete. Der erste Mensch war außerhalb dcS Eden geschaffen und dann in das ihm bestimmte Paradies gestellt worden. Also sollte dieser zweite Adam, Israel, fern von der Stätte, die Gott ihm längst bestimmt hatte, um sie unter seiner -Hut und Wallung zu einem zweiten Eden zu gestalten, erst geformt und gebildet werden, bevor Gott ihn in dieses Land der Verheißung zur Selbständigkeit und Freiheit geleiten wollte. DaS in Mizrajim gelernte Pensum reichte aber nicht auö zur Vorbereitung für die ihm zugedachte hohe Aufgabe, daS Land seiner Väter, das der Emorite und Kenanite inuehatte, zu einem Mustcredm für die gesummte Menschheit zu gestalten, in welchem der freie Erdcusohn wandelt und nur seines GotteS Gebot zur Richtschnur scineS WaltcnS sich gellen läßt. Auch die wunderbaren Erlebnisse an des Meeres Gestade und in Mara genügten hierfür nicht. Sie vermochten nicht in das -Her; dieses Volkes die unerschütterliche Zuversicht ans GotteS stete fürsorgende Wallung-zu senken, nicht seinem Geiste die große Wahrheit cinzuprägen, deren Erkenntniß und Bethätigung daS von der gcsammteu Menschheit zu erreichende Ziel der Geschichte bildet, daß der Mensch nichts weiter braucht, als seinen Gott und den Ihm. zu leistenden unverbrüchlichen Gehorsam, um die Erde zu einem glücklichen Eden zu gestalten. Wohl hatte cs in den großen Ereignissen die allgewaltige -Hand Gottes erkannt, wohl war eS ihn! zum Bewußtsein geführt worden, wie Er eingreift in die Gänge der Natur und in die großen Phasen der Geschichte. Daß aber dieselbe allmächtige gütige -Hand auch an jeglichem Tage jeglichem Menschen die Fristuug seines Daseins bcscheert, daß Er, der große Dcltcnschöpfcr und Weltenlenkcr, in den Zelten der Menschen jedes 'Wesen zählt und keines vergißt, ihm die Nahrung für jeden Augenblick zu gewähren, diese Ueberzcugnng war noch nicht in allem Zweifel obsiegender Kraft in sein Herz eingezogen. Dazu bedurfte eS dcS alle bisherigen Ersahrnugcn au Wunderbarkeit ubertrcffcndcn Manna- Wunders in seiner vierzigjährigen Dauer, welches wie kein anderes mit jedem Tage dieser vierzig Jahre die Thatsache der unmittelbarsten vorschcnden und fürsorgenden Waltnng für die Erhaltung und das Gedcihcneiner jeden Menschenpersönlichkeit zur überzengendstcn Evidenz diesem Volke für alle Zeiten ein* prägen sollte. In öder Wüste, wo kein Acker grünt, kein Baum