Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 1 (7.1.1886)
- Article
- Lenzeshoffnung im Winter
- Date
- 1886-01-07
- Page
- 2 (sequence 2)
- Language
- German
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0 ■ ba steigt es langsam auf und!lieber, da reckt cs sich!,ach allen Leiten behutsam und geräuschlos. Niemand;gewährt es, Niemand weiß es. Der allgewaltige Thrann Niat keine Ahnung von der revolutionären Bewegung Uw seinem Neiche. Ader die von ihm gefesselten und 1;׳,m Tode oder ewiger Kerkernacht verurtheilten Niesen gewahren dieses leise, schüchterne, gcheimnißvolle Negcn.; Das weckt sie ans ihrer Erstarrung, das erfüllt sie mit süßem Ahnen, das gaukelt sic in den Traum von einem neuen Dasein, von einer Wiedergeburt zu frühlichcm Leben, von einem neuen Frühling und Sommer. Sie!vagen zu hoffen, daß ihre Aesle wiederum in saftigem Grün prangen, in ihren Wipfeln wiederum die Vogel spielen, daß über ihnen wiederum der A;nr sich wölbt, und sic wiederum der Zephire linder Hauch umkost. Und sie lächeln ob des rauhen Winters Grollen; ׳sie wissen seine Tage gezählt. Le.-zcs Hoffnung ist in ihnen erstanden. Nur eine kurze Weile noch, der rauhe Schewat zieht vorüber und der Adar, daun sprengt der linde Lenz des eisigen Winters Veste, und Jubel und Freude und frisches Leben entfaltet sich unter seinem;milden Szepter. באהד בשבט ר׳ה׳ לאילן ובו׳ שבבר עבר רוב ימות הגשטים ובו׳ ועלה השרף באילנות; : Sobald der Winter seinen Höhepunkt erreicht hat, in dem Zenilh seiner Macht beginnt schon die Herrschaft des Frühlings. Dasselbe Gesetz aber, das die Entwickelung der ׳Natur regelt, waltet auch in der Entwickelung des Menschenlebens und der Menschengeschichte. Ist es ja dieselbe Hand, die beide lenkt und leitet. Derselbe Gott, welcher in Aeonen!valtet und der Sphären Bahn vorgezeiehnct, er führt auch die Gänge der Menschen- Welt zu dein von ihm gewollten Ziele. Er, der in Frost . und Sturm des Lebenskeims in des geringsten Pflänzchens; Hülle wartet und ihn zum verjüngten Dasein ruft er > wacht über die Kräfte und Säfte und Keime in Seiner Menschenivelt und erlöset sie ans der eisigen Umarmung finsterer Gewalten und weckt sie ans ihrer Erstarrung zu neuem irischen Leben. Noch herrscht der grimme Winter, noch ist der holde Lenz nicht eingezogen, noch regen sich nicht die gefesselten Kräfte unter der wuchtigen Faust eiserner Gewalt, und diese glaubt ihre Macht ewig und nn bezwingbar. Doch leise und schwach, aber mit der Unwiderstehlichkeit göttlicher Kraft, regt es sich im Innern. Mag sie trinmphiren, die Gewalt, mag sic mit verächtlichem Hohn herabblicken auf die zu ihren Füßen in Banden liegenden Genien deS Rechtes und der Wahrheit, — der Sieg ist schon entschieden, das 111011(11־ längst gesprochen. Jener Untergang ist längst beschlossen. Dieser Trinniph längst verheißen, und was von Gott beschlossen und verheißen ist, dem wandelt unaufhaltsam und bestimmt die Menschheit entgegen. Ewiger Preis und Dank ihm, der uns, dem Jakobsvolke, dieses Geheimniß Seiner Wallung enthüllt, Preis und Dank den großen Männern mit dem Hellen Auge, die dieses Volkes Lehrer und Meister gewesen und seinen Sinn geöffnet haben für die Gänge Gottes in der Geschichte und in der Natur, die ihm gelehrt, im Winter den Keim des Lenzes zu erkennen und in dem Todesstarren des Frostes das lebcnsfrische Fächeln des Frühlings zu gewahren. Denn wenn diese Erkenntniß einem Volkskreisc ganz besonders von ׳Nöthen ist, um ihn nicht erliegen zu lassen unter dem herbsten Geschicke, so ist es der jüdische, welcher wie kein anderer den schwierigsten Kamps zu bestehen hat, den tausendjährigen. Kampf mit einer ganzen ihm feindlich gefilmten Mitwelt und den nicht leichtern ebenso lange währenden Kamps in seinem eigenen Innern. Und diesen doppelten Kampf hat er in der Gegenwart ebenso wohl zu bestehen, wie in vergangenen Tagen. Die ihn! feindliche Gesinnung der Pharaonen ist noch nicht überall der Liebe gewichen und sucht nach denselben Argumenten zur Vernichtung und Unterdrückung des israelitischen Stammes. Ebenso ist aber auch ans Israels Lager noch nicht der Kleinmnth und der Z!veifel geschwunden, um dem unbedingten Vertrauen auf Gott, der unerschütterliche!! Ucberzeugung von der ewigen Verpflichtungskraft des von Ihm dem jüdischen Volke crtheilten Gesetzes und der stets opferbereiten, begeisterungsvolleu Hingebung in der unverbrüchlichen Erfüllung dieses Gesetzes Nanm zu geben, Noch ist der Frühling über Israel nicht hereingezogen noch ist die Sonne des längst verheißenen ewigen Bölkerlcnzes nicht anfgegangen, noch stürmen die Winde, noch lagern graue Schueeivolken am Firmamente und versagen dem sonnigen Strahle den Eintritt zu den Stätten der Menschen, noch ist es Winter um Israels Zelte, und eisiger Frosthauch durchzieht auch seine Kreise. Trotzdem aber אע״פ שרוב הקופה מבחוץ, obalcich die Winterzeit noch nicht zu Ende und es noch lange währen wird bis sie überivunden, wissen!vir, daß eS sich zu regen begonnen in! Innersten der Menschenwclt und sic allinülig aber sicher sich befreien wird ans des Winters Umgarnung. daß außerhalb und inner halb des jüdischen Kreises die Keime doch sich entfalten für die herrlichen Früchte, die dereinst unter dem Glanze des Lenzes ihrer Steife cntgegensehen. Wir lassen nnS in dieser trostreichen, hoffnungsvollen Ueberzeugnng nicht beirren durch die dichten Schneeflocken, welche hin und wieder die Luft erfüllen, durch die scharfen Nord- und Dstwinde, welche von Zeit zu Zeit durch Wald und Flur rasen, durch die Eiszapfen, welche an unser» Fenstern hangen. Freilich sind wir nicht so thöricht,