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Jeschurun · 1885-12-31 · Heft 53 (31.12.1885) · p. 837

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 53 (31.12.1885)
Article
Moses Mendelssohn
Date
1885-12-31
Page
837 (sequence 5)
Language
German
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837 ändern, aber mir hat der Schöpfer selbst Gesetze vorgeschrieben; sollte ich schwaches Geschöpf nrich erdreisten, nach meinem Dünkel diese göttlichen Gesetze abzuändern?" ..Jene göttliche Religion, in welcher ich geboren bin, lehrt nrich, daß alle Völker der Erde selig werden, wenn sie nach der?! Gesetze der Vernunft leben, d. i. die Tugend ausüben, und daß Gott nur meiner Nation aus besonderen Absichten gewisse besondere Glaubens- und HandlungSpflichtcn ausgelcgt, davon er den Ucbcrrest dcS menschlichen Geschlechtes losgesprochen. Diese Lehre ist göttlich, ist der Weisheit, der Gerechtigkeit nud der Allgütigkcit jenes anbetungswürdigen Wesens würdig das voller Erbarmen ist, und den verächtlichsten Wurm nicht zum Elend erschaffen hat." Mit einem bewunderungswürdigen Freimuthe spricht er ferner eS den! christlichen Geistlichen gegenüber, welcher ihm einen Wechsel seiner Religion zngemuthet hatte, aus: ״Vor diesem allcrgercchtesten Richter der Welt bezeuge ich hiermit aufrichtig, daß ich keinen einzigen von diesen angeführten Sätzen (des christlichen Glaubens) annehmcn kann, daß ich glaube, meine Vernunft abschwören, und alles, was mir von den ersten Grundsätzen der menschlichen Erkcnntniß bekannt ist, verleugnen zu müssen, wenn ich diese Sätze für wahr halten sollte. Sie scheinen mir schnurstracks allen! zuwider zu sein, was mich die gesunde Vernunft, daS natürliche Nachdenken und die heilige Schrift gelehrt, die?vir alle für göttlich erkennen, und meine ganze Seele müßte verändert werden, wenn ich jemals hierüber anderes Sinnes werden könnte. Diese meine Ucbcrzcugung vorausgesetzt: so kann ich den Stifter eines Glaubens für keinen göttlichen Gesandten halten, der diese Lehren verkündigt. Ich kann seinen Versicherungen von einer glückseligen Zukunft nicht den geringsten Glauben bcimeffcn, da die Göttlichkcit seiner Sendung auch nothwendig die Wahrheit jener Lehre nach sich ziehen würde, die ich verwerfen muß. — Er hat seine Sendung durch Wunder bestätigt? — Was können mir Wunder beweisen? Und wenn dieser NeligionSstistcr vor!!!einen Augen alle Tvdten erweckte, die seit Jahrhunderten gestorben sind, so würde ich sagen, der NctigionSstlfter hat Wunder gcthan, aber seine Lehren konnte ich nicht annehmen." ״Was die Gesetze MoseS betrifft, so glauben wir, daß sie in Absicht aus uns in dem strengsten Verstände verbindlich sind, so lange sic Gott nicht mit eben der öffentlichen Feierlichkeit widerruft, n׳.it welcher sie von ihn! gegeben worden sind." ״Ich habe schon mchrmalen angeführt, daß, nach der Meinung aller unserer Rabbinen, die mosaischer! Gesetze nur die jüdische Nation verbinden, alle übrigen Völker aber angewiesen sind, sich -an das Gesetz der Natur und an die Religion der Patriarchen zu halten." Das war in der Thal eine Verherrlichung des IudcnthumS und des jüdischen NamenS in einem solchen Maße, daß die ganze Welt — und Diejenigen, gegen welche Mendelssohn sich wenden mußte, zuerst — vor dem Berliner jüdischen Weisen das Haupt rhrfnrchisvslk neigten. Und diese dem in seiner bescheidenen Stellung so großen Inden bezeigte Hochachtung trug nicht rvcnig dazu bei, die Welt des Unrechts bewußt werden zu lassen, welches sie in der Versagung der bürgerlichen Rechte den Juden - .zugefügt. Lessing schrieb seinen ״Nathan" und ״Die Inden", Dohm trat für die Befreiung der Inden auf. So sind die Inden Mendelssohn auch für die ihnen später gewährte Besserung ihrer ׳.bürgerlichen- und politischen Stellung zu bleibendem Danke verschuldet. UebrigeuS führte Mendelssohn direkt die Sache seiner gedrückten Glaubensgenossen. Er rief LavatcrS großen Einfluß für Lie Inden der Schweiz an und trat entschieden gegen Michaelis auf. — Für die heutige Kampfesweise der Antisemiten ist der folgende Satz aus seiner Schrift gegen Michaelis sehr interessant: ״Anstatt Christen und Juden, bedient sich Herr Michaelis beständig deö Ausdrucks Deutsche und Juden. Er entstehet sich wohl, den Unterschied bloß in NeligionSmeinungcn zu setzen, und will uns lieber! als Fremde betrachtet wissen, die sich die Bedingungen gefallen lassen müssen, welche ihnen von den Landeigenthümern eingcraumt werden. Mein erstlich ist dieses ja die vorliegende Frage: ob den Landeigcnthümcrn nicht besser gcrathen ist, wenn sie diese Geduldeten als Bürger aufnehmen, als daß sie mit schweren Kosten andere Fremde ins Land ziehen? — Sodann möchte ich auch erörtert wissen, wie lange, wie viel Jahrtausende dieses Verhältniß. als Landeigenthümer und Fremdling fortbauern soll? Ob eS nicht zum Vesten der Menschheit und ihrer Kultur gereiche, diesen Unterschied in Vergessenheit kominen zu lassen?" Moses Mendelssohn verlangte die Anerkennung der Rechte seiner Glaubensbrüder in! Namen der Gerechtigkeit und Billigkeit, im Namen Gottes. .Er verschmähte den elenden Schacher und die Selbsterniedrigung, welche Spätere um der Emanzipation willen anboten. Er verlangte die Rechte für die Juden mit ihrem vollen ungeschmälerten Gesetze in der Ausübung und treuen Befolgnng aller Satzungen ihrer Religion. Ihm lag der Gedanke ferne, daß man zeitliche Güter sich erwerben dürfe um den Preis der ewigen Wahrheit, daß. mar! die Wahrheit verleugnen dürfe um irdischer Vortheile willen. Und das ganze Zudenthum war-ihm die Wahrheit, galt ihm als unantastbar und unverletzlich. Es

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