Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1885)
- Article
- Israels Leidenserziehung
- Date
- 1885-12-24
- Page
- 818 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2932754-2933101-2933152-2963790--20655-2963848- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Das גלות מצרים. die erste Schule des israelitischen : Stammes, vollendete dessen Erziehung nicht. Wohl be-; wirkte cS jenen Läuterungsprozeß, der Israel befähigte,; am Sinai der großen Osfenbarung für die Menschheit theilhaftig und endlich cingefügt als Gottesstaat zu ׳ werden in den Kreis menschengescllschaftlicher Gestaltungen, um so die ersten Wurzclsasern anzusetzen, aus welchen dereinst der die ganze Menschheit unter seinen Schatten zu wahrer GotteSancrkenntniß und ungetrübtem Hei! ladende Riesenbaum erstehen wird, — zur Höhe seiner Aufgabe, zur vollendeten Reinheit war Israel aber noch nicht gelangt, und cS mußte mit seinen bis dahin ge׳ sammelten Erfahrungen und seiner bis dahin erreichten Erkenntniß zum zweiten Male die hohe Schule des גלות beziehen, deren Pensum es auch heute noch nicht inne, deren wiederholte und stets wiederholte Prüfungen es noch immer nicht ganz bestanden hat. Lisas die' cgyptische Leidensschule begonnen, soll durch die bis in die Gegenwart währende vollendet werden. Der flammende Cyoreb winkte Israel als Höhcuziel in der Jahrhunderte dauernden mizraitischen Nacht, der von Gottes Herrlichkeit umstrahlte Zionstempcl erhellt das Dunkel der Exilsjahrtausende. Die Erlösung aus Egypten verbürgt die Verwirklichung der Mcssiasoerhcißung; sie gewährt die trostreiche, nimmer zn erschütternde, von keinem Zweifel zu erstickende Zuvcrsicht auf die Botschaft der Heileszukunst, welche Gott in seiner Gnade durch seine Diener, die Propheten, verkünden Ließ; sie lehrt uns das Berständniß für diese Osfenbarung. Die ״starke Hand", die sich an dem mächtigen Pharaonenstaat und an dessen zicgclbrennender Pariakasrc kundgethan, lenkt und leitet in ungeminderter Allmacht. Gerechtigkeit und Liebe die Gänge der Geschichte zu dem längst gesteckten Ziele. ברם המר ענו לת, ruft Gott den Nachfolgern Pharaos zu. Peinigt, unterdrückt nur immerhin den Weinberg, welcher reise, auSgcgohrcne Beeren zeitigt! Ihr setzt Euch vor. daö schwache JakobSvolk durch Leiden, Druck, Zurücksetzung, Versagung zu läutern, Ihr werfet in blinder Selbstüberhebung ihm vor, daß cS noch nicht dem hohen Menschenideale ganz entspreche'? Stolze Thoren! Ihr seid selbst der Läuterung weit bedürftiger. Israel bedarf in weit geringerem Maße der durch die Kelter zu bewirkenden Klärung. Es steht dem Ideale bereits näher als Ihr, die Ihr Euch zu seinem Richter und strafenden Erzieher aufwerft. Ihr meint, cs unterdrücken und vernichten zu können? ,אני ד׳ נצרה לרגעים אש ק נ ר.. Ich, der Allmächtige, Alllievende und Allgerechte, bewahre es trotz Euerer Bedrückung, Ich reiche ihm von Zeit zu Zeit den erfrischenden, stärkenden Labetrunk, daß cs nicht zu Boden sinkt unter Euren Streichen, daß Ihr das von Euch geplante Berhängniß an ihm nicht vollziehen könnt. Und הבמבת מבתו תבהו, spricht Gott zu dem schwachen Israel, hat Gott Dich so heimgesucht, wie Deine Feinde von seinem Nichterarm getroffen sind? Wo ist der Pharaonen Macht, wo der Assyrer Name? Wo sind die Erben von Babels Größe, was zeugt von der Gräco-Syrer Gewalt, was von der Römer Welt- Herrschaft? Dir erwiesen sie sich als die Zucht» tthe von Gott gesandt. Gott zerbrach aber das Werkzeug seiner Dich strafenden Waltung, und ob ihrer eigenen Empörung gegen Seinen Willen zerschmetterte er den stolzm Bau ihrer sich selbst vergötternden Größe und löschte ihren Namen aus dem Buche der Lebenden. Sie., die בסאסה בשלהה תריבנה, die als Gott den jüdischen Staat in Trümmer gehen ließ, weil er nicht der von Ihm gewollte GotteSstaat war, im Uebermaß mit dem heimathlos gewordenen, in die Fremde hinaus-׳ irrenden Israel anfeindeten, sind untcrgcgangcn. הגה ברוחו הקשה ביום קדים לכן בזאת יכפר עון יער,ב über es aber hat Gott in bent schweren Sturme, den Er über es dahin brausen ließ, ausgesprochen: Der Zweck dieses harten Geschickes ist kein anderer, als die Sünden Jakobs zu sühnen, und das soll das ganze Ergcbniß des Gottesgerichts an Jakob sein, daß sein Fehl schwinde. Wenn Gott selbst nicht der heiligen Ihm geweihten Stätte schonte und alle Steine seines Altars wie Kieselgestcin dahin streute, dann werden nimmer Götzenhaine und Götzenbildnisse bestehen. Israel geht nicht unter, Israel wird nicht zcrmalmt von dem gewaltigen Zusammenbruch seines Staats; es stirbt nicht unter den Streichen seiner grimmigen Feinde, es geht nicht unter durch den Druck und den Haß seiner Bedränger. Gottes Werkzeuge sind sie zu, seiner schmerzlichen Erziehung, zur Vollendung seines Läuterungsprozesses, auf daß der Wein in der edlen Rebe sich kläre und Israel seine Mission erfülle int Kreise der Menschen, deren Vollendung in dem großen Schafarruf erreicht ist, der einst durch die Welt hallt an jenem großen Tage, da die Erziehung Israels und durch es der Menschheit Erziehung vollbracht sein wird-י.והיה ביום ההוא יתקע בשופר גדול- Sollen wir murren gegen die Vorsehung, die auch uns, dem heutigen Israel, den WermuthStropfen in dem Kelch unseres Geschickes nicht erspart? Sollen wir nicht in Dcmuth die Züchtigungen unseres Vaters und Herrn hiunehmen, um aus ihnen geläutert hervorzugehen und in ihnen die Sühne unseres Fehls uns erringen? Sollen wir aber auch nicht den ManneSsinn uns bewahren, dem Neid und dem Haß und der gleißnerischen Selbstüberhebung cntgegenzutreten und zu sprechen: Wohl, Ihr seid das Werkzeug in Gottes- Hand und wir empfangen Eure Streiche als göttliche Schickung. Aber nicht besser seid Ihr als wir, nicht