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Jeschurun · 1885-12-24 · Heft 52 (24.12.1885) · p. 819

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 52 (24.12.1885)
Article
Israels Leidenserziehung
Date
1885-12-24
Page
819 (sequence 3)
Language
German
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819 ziemt eS Euch, auf uns herahzublicken, und Eure Feindfdjaft ist Sünde. Euer Hohn und Spott, Eure Berachtuug und Herabwürdigung machen uns nicht schlechter, erniedrigen uns nicht. Euer Fußtritt und Faustschlag streckt uns nicht nieder. Gott ist unser Schirm und Netter, Er, der an Pharao den an uns bethätigtcn Mißbrauch der Gewalt geahndet. Er fordert auch von Euch Rechenschaft für jede an uns verübte Unbill. KeinerkuilM ju den MMdlMgm und AkWsskn der Ruddlueruersuiinulnug in Keriin. (Schluß.) Die Argumentation aus dem peinlichen OrdnungSsinne der -Herren Rabbiner, der es für durchaus unstatthaft findet, daß die Versammlung die Erklärung zu Gunsten der Sabbathgcsctzbcobachtung der Schüler bei dieser Gelegenheit abgicbt, ist dennoch ein äußerst schwächliches Ding. Weit stärker aber tritt die Begründung zu d. auf, daß der Antrag Werner auch schädlich sei, weil: I) das darin Geforderte ״in den Nahmen der Beschlüsse nicht hincingehört;" 2) ״ein Beschluß an Unrechter Stelle eine Demonstration gegen Viele ist;" 3) man diese Vielen ״leichter gewinnt, wenn man nicht demonstrirt;" 4) das, ״was in dem Anträge berechtigt und praktisch ist, schon als gesetzliche Norm besteht;" 5) ״es sich dadurch erledigt;" 6) Herr Di׳. Joel ״das Kunststück sehen möchte," wie sie einen Later, der die Dispensation seines Kindes vom Schreiben am Sabbath nicht nachsuchen will, ״dazu zwingen wollen;" 7) sie auch den Schein meiden müssen, als wollten sie durch äußern Druck Frömmigkeit erpressen;" 8) ״sie glücklich sind zu wissen, daß, wer sich an ihre Gebote hält, cs nicht thut, weil er muß, sondern weil er es will;" 9) ״sie nicht die Wünsche der Frömmigkeit in fromme Wünsche verwandeln wollen;" 10) Herr Di׳. Joel darum bittet, ״Alles, was demonstrativen Charakter hat, ohne daß etwas Praktisches dabei herausschaut, wegzulassen." Also nicht weniger als zehn Gründe dafür, daß eS schädlich sei, wenn achtundsechzig Rabbiner den höchst bedeutsamen Ausspruch thnn: zur Fruchtbarmachung des Religionsunterrichts und religiösen Erhebung der Jugend halten wir es für wünschenswert!), auch dahin zu wirken, daß die jüdischen Knaben, welche Gymnasien, Real- und höhere Bürgerschulen besuchen, vom Schreiben am Sabbath und an Festtagen diöpensirt werden!! Für die Schädlichkeit einer solchen Wunschäußcrung ist nicht nur ein Grund, sondern sind sogar wohlgezahlte zehn Gründe in den weisen Häuptern der ehrwürdigen Rabbiner vorhanden!! Das hätte unsereins nimmer gedacht, — freilich, es wäre auch vermessen, sein Bischen Mutterwitz mit der tiefen Einsicht und Weisheit so großer Männer vergleichen zu wollen. — Ja wir müssen uns bescheiden, die Herren müssen es ja wissen, eine solche positive Forderung, wie, daß die Kinder nicht schon in der Schule an Verletzung des heiligen Sabbathgcsetzcs gewöhnt werden, paßt nicht ״in den Rahmen der Beschlüsse" dieser Rabbiner und ist eine ״Demonstration gegen Viele", die sie ״ge׳ winncn" möchten. Die Herren sind aber Diener der Reform und wollen im Dienste der Reform wirken, so erklärt sich diese räthselhafre Begründung. Wären sie nämlich Lehrer und Vertreter des einzig wahren Judenthums, dann wäre eS ihnen darum zu thun, den Anforderungen des JudenthumS Gehorsam und Anerkennung im Kreise der von ihnen geführten- Gemeinden zu verschaffen, dann paßte die Forderung der Sabbathheiligung durchaus in den Nahmen ihrer Beschlüsse, dann scheuten sie sich nicht, für Gott und das Judenthum in aufrichtigem Ernst einzustehen und die Aufforderung und Mahnung au alle Väter und Mütter zu richten, ihre Kinder vor Entweihung des Sabbaths zu hüten. Sie aber, die Priester der Reform haben nicht aus die Beobachtung der von Gott gegeben ״allemöglichen" ״TharjagMizwoth", wie ihr Meister sich in höchst bezeichnender und seines rabbinatlichen Amtes durchaus würdigen Weise auszudrückcn beliebt, zu dringen, sondern fein zu lauschen, was denn dem Herrn Vorsteher oder Repräsentant N. N. wohl passen könnte. Wenn ein solcher Herr seine Kinder am Sabbath schreiben läßt, dann könnte er ja eine derartige Erklärung gar als eine Demonstration auffassen und den Herrn Rabbiner, welcher sich derselben angeschlossen hätte, bei der nächsten Soiree von der Liste der Eingeladenen streichen. Oder aber auch gar manchen ehrwürdigen Kollegen möchte eine solche Erklärung als arge Demonstration gelten, da er selbst für sich und seine Kinder daS Sabbathgesetz nicht so penibel nimmt, oder endlich möchte eS auch als eine Demonstration gegen viele der hier anwesenden Kollegen gelten können, weil diese, wenn auch vielleicht nicht gerade am Sabbath schreiben, doch in anderer Weise daS Sabbathgesetz verletzen. Indem die Versammlung durch Veifallbezeugung und Ablehnung des Antrag Werner die Ausführungen ihres Präsidenten zu den ihrigen machte, hat sie sich das Siegel der Reform aufgedrückt und in unzweifel- Hafter Weise bekundet, daß nicht die Förderung acht jüdischer Frömmigkeit, acht jüdischer Gesinnung und ächt jüdischen Lebens daS Ziel ihrer Bestrebungen ist,, sondern die Kräftigung der ganzen und halben Reform

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