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Jeschurun · 1885-12-03 · Heft 49 (3.12.1885) · p. 770

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 49 (3.12.1885)
Article
Das Gutachten der Herrn Rabbiner Dr. Ehrenfeld
Date
1885-12-03
Page
770 (sequence 2)
Language
German
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gedacht hätte über die einzige Thatsache der Porschrist einer גרפה für לימוד התורה, wahrlich, die Binde wäre ihm von den Augen gefallen und er wäre zu der Erkcnntuiß gelangt, daß auch das rechte Thoralcrnen, wie eS im Iudenthumc gemeint ist, ״Andacht" zur nothwendigen Voraussetzung und ״Erbauung" zum höchsten Zwecke hat. Denn was bekennt der diese מרמה, Sprechende anders, als daß Gott uns ״erwählt" hat um der Thora willen und sein heiliger Wille ״gefördert" werden solle durch unsere Erkenntniß desselben ans der Thora, die wir ja nur lernen, um ihren Inhalt zu verwirklichen durch unser ganzes im thätigen Dienste der Thora stehendes Leben. Jedes ״Lernen", wenn cS in dieser wahrhaftigen Andacht, in dieser מתה geschieht, hat die religiöse Erbauung zum höchsten Zweck. Wir ״lernen", um Gotteö Willen für unser Leben kennen zu lernen, um uns bewußt zu werden, daß es keine, auch nicht die sinnlichste Seite des leiblichen Lebens giebt, welcher Gott fern sei. und nicht durch seinen Willen und nach seinem Willen geregelt werden solle, leine Seite unseres geistigen und irdischen Wesens, deren Gestaltung nicht der Offenbarung des göttlichen Willens gewürdigt worden ist. In diesem Sinne haben wir auch פ׳ תזריע ומצורע, welche Herr Dr. Ehrcnfeld als einen ״trockenen" Theil im Gegensatz zu dem ״stimnlungSreichen" der פ׳ קריאת שמע bezeichnet, zu lernen. In diesem rechten Geiste des Thoralernens begriffen, wird diese vermeintlich ״trockene" Parascha in eminenter Weise zur wahrhaftigen Erbauung dienen. Man defindet sich bei den Ehrenfctd'schen Ausführungen einem unerklärlichen Röthsel gegenüber. Herr Dr. Ehrenselb hebt selbst die hohe Bedeuluug hervor, welche das Judenthum dem Thoralerncn zuerkennt, und doch will er behaupten, daß dasselbe nur ״unserem Verstände und nicht unserem Herzen diene", mithin keineswegs ״Erbauung" bezwecke. Wir möchten zunächst fragen: wie, wenn das Lernen, wie er richtig sagt, ״uns Unterricht für das praktische, gesetzestreue Leben crthcilen" will, würde eS da keine Erbauung, nicht vielmehr die höchste Erbauung zum Ziele haben? Wenn die Erkenntniß des göttlichen Willens in der Absicht geschöpft wird, daß wir denselben durch ein ״gesetzcstrcncs Leben" verwirklichen, dann wäre ein solches Lernen keine Erbauung? Und wenn Herr Dr. Ehrenfeld, anscheinend um sich dieser Erkenntniß zu entziehen, hinznfngt, daß ״wir schon durch die Veschäftignng mit bem heiligen Gesetze an sich als Selbst׳ zweck ein von Gott verlangtes und daher Ihm wohlgefälliges Werk üben", begreift er da nicht, daß dieses Lernen als Selbstzweck doch nur dann ein Gott wohlgefälliges Werk sein kann, wenn wir das heilige Gesctz als Gottes heilige Offenbarung in die Hand nehmen mit dem Entschlüsse, es zu vollführen, in der Absicht, den göttlichen Willen kennen zu lernen, unseren Geist auf das Göttliche zu lenken, ihn zu erfüllen mit der göttlichen Wahrheit — und das sollte nicht Erbauung sein?? Die Unterscheidung, welche Herr Dr. Ehrenfeld zwischen der Einwirkung auf den Verstand und das Herz für das Gott wohlgefällige Lernen, welchem das Iudenthnm einen so hohen Werth beimißt, statuiren will, ist durchaus hinfällig. Das rechte ״Lernen", לימור התורה, wie es das Iudenthnm will, bezweckt das richtige Wissen des göttlichen Willens und ist eine ״gottesdienstliche Verrichtung", die Jeder übt, welcher sich ihm in aufrichtigem Ernste, im Sinne der darüber zu sprechenden Vor-מרמה widmet, sowohl wegen deS Gegenstandes, dessen richtiges Wissen cs uns erschließen will, das ja nichts als den göttlichen Willen für unser ganzes inneres und äußeres Leben bedeutet, somit Geist, Herz und Sinnlichkeit in Anspruch nimmt und sic durch das rechte Wissen berichtigt und läutert, sondern auch noch ganz besonders durch die sittliche Gesinnung, die es von vornherein als unerläßlich für לימוד ליממה fordert, und die sittliche Wirkung, die das rechte Lernen übt. Wir gehen doch nicht zu לימוד התודה, ohne durch die מרמות, mit welchem es nach dem höchst geschmackvollen Ansdruck des Herrn Dr. Ehrenseld ״verbrämt" ist, uns zum Bewußtsein zu führen, wie die תורה der alleinige Grund und Zweck und das Ziel unserer Erwählung ist, wir sie daher nicht ״in nüchternster Weise", wie etwa ein mathematisches Exempel, sondern von vornherein für die Lösung unserer ganzen Ausgabe lernen sollen. Gewiß wendet sich die תורה überall an unseren nüchternen Verstand, denn nicht ans den Rausch trunkener Gefühlsduselei soll sich unser Geist, unser Herz, unsere Gesinnung und unser Wille er- und aufbauen, sondern durch den Verstand sott unser Herz gefaßt werden. Und nicht nur Ziel soll das Herz bei unserem Lernen sein, sondern das Herz muß vorangehen; Bedürfniß unseres Herzens soll das Lernen sein, dann erst wird es das rechte, ächte Gott wohlgefällige Lernen: לימוד לשמה, welches dahin führt לשמור ולעשות ולקים את כל דמדי תורתך באהמה, zu hüten, zu vollbringen und zu verwirklichen jede Wahrheit, die wir ans dem Lernen gewinnen. Um uns zu ״heiligen" gehen wir an das Studium der Gotleslehre, d. h. unser ganzes Wesen zu vercdlen und zu läutern, auf daß das Gotteswort uns das Köstlichste und Theuerste werde, uns und unfern Kindern und allen Folgegeschlechtern. (* מאי מברך אירי יהודה אמר שמואל אשר קדשנו וגו׳ לעסוק בדברי תורה ור׳ יוחנן מפייס בה הכי הערב נא ונו׳ יערבו עלינו לעסוק בהם מאהבה(** Das Bewußtsein, nur für die תודה der Erwählung theilhastig geworden zu sein, führt uns zum ״Lernen"; * ') רשי (** .ברכות יא zur Stelle.

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