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Jeschurun · 1885-11-26 · Heft 48 (26.11.1885) · p. 754

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 48 (26.11.1885)
Article
Das Gutachten des Herrn Rabbiner Dr. Ehrenfeld
Date
1885-11-26
Page
754 (sequence 2)
Language
German
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?54 auch Maim. 1. Hilch. Teph. XII, 1) ....שלא ישהו ג׳ ימים בלא שמיעת תודח. Also der einzige Grund der Einrichtung ist, daß das Volk nicht wieder drei Tage hinter einander ganz ohne דברי תוהה bleibe." So heißt es aber nicht. Herr 1)1׳ Ehrenscld hat in seiner Befangenheit nur eine Kleinigkeit übersehen. Dieses ist aber um so bedauerlicher, als gerade die von ihm sowohl in בבא קמא, wie in der מכילתא übersehene Kleinigkeit dasjenige Moment ist, welches den Zweck der Erbauung und Andacht in voller Prägnanz und kaum mißznvcrstehendcr Weise hervorheb!. Die Stellen lauten nämlich folgendermaßen: In Baba Kama 82a: כיון שהלכו ג׳ ימים בלא תורה נלאו" עמדו וכוי" und in der Mcchilta: לפי שפירשו מדברי תורה כ׳ ימים "לכך כריו ולכך" התקינו ובו׳. Diese von Herrn Di׳. Ehrenfeld in seinem Zitate auffallender Weise vergessenen oder übersehenen Worte נלאו und לפך מרדו geben Aufschluß über den Zweck der Anordnung der Thoravorlesung unseres öffentlichen Gottesdienstes und zwar so deutlich und kar, daß Herr 1)1׳. Ehrenscld, salls nicht ein unglückseliges Berhängniß ihn in ב׳ קמא das Wörtchen ״נלאו״ und in der מכילתא die Worte לכו׳ מרדו״" hätte übersehen lassen, ganz bestimmt daS durchaus Irrige seiner eidlichen Bekundung erkannt und, der Wahrheit die Ehre gebend, nunmehr öffentlich erklärt haben würde: ich bin meines IrrthumS inne geworden, ich widerrufe mein irrthumliches Gutachten und khne kund, daß die Thoravorlesung, zum Zweck der Erbauung und Andacht bestimmt und cingejührt, einen intcgrircnden Thcil des öffentlichen Gottesdienstes im Sinne des § 167 des deutschen Strasgesctzbuchcs bildet. Herr Di׳. Ehrenscld hätte dann den vollen Inhalt seiner vermeintlichen Beweisstelle also wiedergcbeu müssen: da die Israeliten drei Tage ohne תורה geblieben waren, "נלאו", waren sie schwach, ״moralisch schwach" geworden, hatten die Kraft verloren, die göttliche Prüfung zu bcstehe!;, oder wie cs in der מכילתא geradezu heißt, "״ "מרדוhatten sich gegen die göttliche Führung und Leitung ausgclchnt", ,״ולכך darum׳ ordneten die Propheten unter ihnen die Thoravorlesuug des öfsent- Uchcu Gottesdienstes an. Es heißt somit nicht: aus Mange! an קריאת התורה waren sie unwissend geworden, und um dieser Unwissenheit zu begegnen, ward die Vorlesung der Thora als dauernde Institution des Gottesdienstes eingesetzt, damit die Gemeinde einen Unterricht empfängt, sondern durch diese JnstitnLion der קריאת התורה wollten und wollen unsere נביאים uns die moralische Kraft und Ausdauer für alle unsere prüsungSvollen Gänge durch die Zeiten erhalten und uns vor Ungehorsam und Auflehnung gegen die göttliche Leitung und Führung schützen. Ist dieses aber nicht im vollsten Ausmaße ein Zweck, welcher mit der von dem Präsidenten des Landgerichts zu Gnesen dem Herrn vr. Ehrenfeld als Sinn des durch § 167 des deutschen Strafgesetzbuches geschützten ״Gottesdienstes״ und einer ״gottesdienstlichen Verrichtung" mitgetheiltcn Erläuterung: ״Erbauung und Andacht" vollkommen identisch ist? Giebt eS einen schlagenderen Beweis der Nichtigkeit seines Gutachtens als dieses נלאו״" und dieses לבך מחיץ״" an eben derjenigen Stelle, welche er zur Unterstützung seiner irrthümlichcn Aussassung heranzieht? Ist es nicht völlig unbegreiflich und zeugt es nicht von dem ganzlichen Mangel einer besonnenen, nur nach Wahrheit strebenden Forschung, wenn man die Urkunden vor sich aufgeschlagcn hat und in denselben gerade Dasjcnige in dem vollen Zusammenhänge des Textes übersehen kann, was für den Gegenstand der Forschung das Bedeutungsvollste ist? Herr Or. Ehrenfeld nahm die Urkunde zur Hand, um sich darüber Klarheit zu verschaffen, ob sein vor dem Gericht unter Eid abgegebenes Gutachten auch in der That auf völliger Notorietät beruhe. Es konnte nicht der Zweck dieser Forschung sein, sich zu überzeugen, ob die Thora- Vorlesung wirklich eine jüdische Institution fei. DaS wußte er, das stand ihm außer Zweifel. Er׳ wollte aber das Motiv kennen lernen, welches dieser Institution zu Grunde liegt. Da aber verläßt ihn sein Sehvermögen, und sein Blick überspringt in Baba Kama das entscheidende, mitten im Satze stehende Wörtchen נלאו und bald daraus in der Mechilta das dem נלאו in Baba Kama entsprechende לכך מררו — unglückseliges, verhängnißvolles Ueberschen! Gerade dasjenige, was er sucht, sieht er nicht, obgleich er es deutlich und klar vor Augen hat! Und merkwürdiger Weise enthalten die von ihm übersehenen Worte gerade den unwiderlegbaren Beweis seines Irrthums — unglückseliges, verhängnißvolles Ueberschen! Und so sehr ist er in dieses Labyrinth von Irrthum hineingerathcn, daß er diese sein Gutachten vernichtende ״Entstehungsgeschichte der ק׳ה׳ת׳" als Schutzzeugniß heranzieht, eine Abschrift davon nimmt, in welcher er die kritischen Worte zu kopiren vergißt, sie übersetzt und dabei die Wiedergabe dieser Worte abermals vergißt und so ״den Ankläger" statt ״des VerthcidigerS" vor das Forum der Oeffentlichkeit mitbringt — unglückseliges, verhängnißvolles Ueberschen! Hätte nicht eine unerklärliche Befangenheit seinen Blick getrübt, so würde ihm auch nicht möglich gewesen sein, die Forschung in der ״Entstehungsgeschichte der 'קיהית" plötzlich abzubrechen. Er hätte vielmehr noch einige Augenblicke Muße und das gehörige Verständniß für den sich seinem Zitate unmittelbar anschließenden Satz gehabt: מעיקרא תקנו חד נברא תלתא פסוקי אי נטי תלתא פסוקי כגנד נהנים לוים וישראלים

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