Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1885)
- Article
- Das Gutachten des Herrn Rabbiner Dr. Ehrenfeld
- Date
- 1885-11-26
- Page
- 755 (sequence 3)
- Language
- German
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755 'רבו. Die ursprüngliche Anordnung beschränkte sich auf die Vorlesung von drei Sätzen, welche entweder von Einem gelesen wurden oder von Dreien, wovon jeder nur einen Satz zu lesen hatte. Ist es da nicht eine wahre Gedankenlosigkeit, hierin einen Unterricht zu erblicken? Vielmehr sollte offenbar die Gemeinde Einzelne ihrer Glieder aufrufen, sich und ihr Etwas aus der Thora vorzulcscn und damit die Beziehung und Hörigkeit Aller zur Thora als den gemeinsamen Nationalschatz für alles Wissen und Neben der Gesammtheit immer neu ins Bewußtsein rufen und in öffentlichem Bekcnntniß bekennen. (Fortsetzung folgt.) Die mrWe Zeiidüng Moses. Ein Essay von S. B. Rosenhain. (Nachdruck verboten.) Alle wahrhaft großen Geister haben mehr oder minder den Einfluß der großartigen. Erscheinung e!n- Pfunden, wie ein relativ kleiner Volksstamm den Irrweg einer ganzen großen Welt verläßt und einen Pfad einschlägt, der zu Idealen führt, welche selbst nach Jahrtausenden noch die edleren Naturen trösten, erheben und begeistern; wie dieser kleine Volksstamm, durch eigene oder göttliche Hülfe, sich von den Schlacken eines sittlich und geistig verwilderten Zustandes emanzipirt und zu dem Besitze eines ungezählten Diamantschatzcs an idealen Gütern sich durchringt, welche nach Jahrtausenden noch die Basis einer vorgeschrittenen humanen Gesellschaft bilden. Diese idealen Güter haben mit der ureigenen Kraft der Wahrheit im Laufe der Zeit eine umfassendste Universalität erlangt, und sie sind es, um welche, als um einen ewig anregenden. schafsenSkräftigen Kern, die Völker dasjenige aufbauten, was sie an Edlem und Schönem besitzen. Wie fremdartig immer und auseinandcrgehend diese Hervorbringungen auch sein mögen, so sind sie doch nichts Anderes, als die Hüllen eines und desselben bewcgenden Keimes. Das wissen Diejenigen, durch welche die ideale Entwickelung ihrer Nationen sich manifeftirt, und es ist nur natürlich, daß sie sich der Quelle ihrer eigenen moralischen Bedeutsamkeit und mittelbar auch jener der gesammten Menschheit zuwenden. Die Resultate dieses anregenden Einflusses sind entsprechend den jeweiligen subjektiven und sozialen Verhältnissen des Individuums flüchtiger oder dauernder, allgemein oder spezifisch jüdisch. Um von dem weiten Gebiete der eigentlichen Religionen und Gesetz gedungen abzusehen und um. blos die literarischen Produktionen der Völker ins Auge zu fassen, haben wir als direkte Folge dieses Einflusses eine ganze Reihe von Schriften und Werken entstehen sehen. So fällt die gesammte poetische Thätigkeit MiltonS und theilweise auch die Tassos und KlopstockS unter diesen Gesichtswinkel; so hat Byron die ״hebräische Poesien" gedichtet, Shakespeare den ״Kaufmann von Venedig", Lessing seine ״Juden" und Nathan" auf die Bühne gebracht. Die Beispiele ließen sich in einer stattlichen Menge anführen, aber wir wollen uns hier bescheiden, nur noch auf das Dioskurenpaar des deutschen Parnasses hinzuweisen: auf Goethe und Schiller. Goethe hatte sich nach eigenem Gcständniß zu einer Zeit viel mit jüdischer Sprache und Schrift besaßt, und die Frucht dieser Beschäftigung sind die theologischen Ab- Handlungen über ״zwei wichtige Fragen im alten Testament", dann die kleine ״Israel in der Wüste" betitelte Schrift und endlich die ästhetischen Würdigungen einiger Stücke der heiligen Literatur nebst noch andern hierher gehörenden Kleinigkeiten. Schiller, ein um vieles philosophischer beanlagter Geist als Goethe, gab auch hierin der philosophischen Untersuchung den Vorzug vor der Exegese und Kunstkritik und schrieb seine historische und religionS-philosophische Studie:. ״Die Sendung Moses." Was nun die Bedeutung Schillers als Historiker und Philosoph überhaupt anbelangt, so ist eS ein offenkundiges und berechtigtes Urthcil, daß er da lief unter jenen erhabenen Regionen steht, in welche als Poet der Sonnenflug seines Pegasus ihn erhebt. Und daran ist Schuld, daß er vergißt, um-, oder besser gesagt, abzusatteln; ja abzusatteln, denn die Weltweiscn pflegen sich überhaupt nicht des Neitersports zu befleißigen, sondern langsamen, bedachtsamen Schrittes dringen sie zollweis in ihrem dunklen Gebiete vor. Schiller thut es aber nicht ihnen gleich; frisch und froh stürmt er auf dem Rücken seines erprobten, flammenbeflügelten Nößleins in die hohen Hallen Klios und der Welt- Weisheit, und es ist nicht anders niöglich, als daß er hier einen beträchtlichen Schaden anrichtcte. Selbst wer sich nur flüchtig mit den wissenschaftlichen Arbeiten Schillers abgegeben hat, muß es iune werden, daß es ein Hauptvorzug dieser Arbeiten einerseits, aber auch ein Hauptfehler nach einer anderen Seite ist, daß sie unverkennbar aus der Gcisteswerkstatt eines Dichters herstammen, daß sie das allzu deutliche Gepräge eines stürmisch idealen Strebens, einer kühnen Phantasie und unerschöpflichen Kraft der Kombination tragen. Alle die letztgenannten Potenzen, welche zur Schaffung von Werken, denen die poetische Wahrheit genügt, vollauf hinreichend sind, langen aber nicht aus, ja sind geradezu hemmend, wo es sich darum handelt, .Resultate von absoluter Wahrheit zu gewinnen. Was wird an den großen geschichtlichen Werken Schillers gerühmt? Daß sie die ersten sind, in denen der steife Kathederton