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Jeschurun · 1885-10-08 · Heft 40-41 (8.10.1885) · p. 645

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 40-41 (8.10.1885)
Article
Der Prozeß Ritter vor dem Schwurgerichte zu Krakau
Date
1885-10-08
Page
645 (sequence 5)
Language
German
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645 Rufen, das ihm nicht vom Keller, sondern von! Felde hinterm Keller herzurühren schien. Nach Aussinden der Leiche erinnerte sich Zeuge an diesen Umstand, woranS er folgert, jenes Rufen sei von der gemordeten Mn ich ausgegangen. Die Anklage hatte diesen; Umstände Bedeutung beigclcat, weil seitens der Krakauer Gerichts-Kommission die int Keller Ritter's gemachten Stimmprovcn dasselbe Resultat ergaben. Zeuge ward in ein Kreuzfeuer von Fragen genommen, konnte aber keinen überzeugenden Grund anführcn, warum er erst nach vier Jahren seine Wahrnehmungen niittheitte. Auf Befragen des Vorsitzenden, ob ihm sein im März verstorbener Vater Jan Tclesz vor dem Tode Hinsichtlieh des Prozesses Ritter etwas mitgcthcilt hat, verucinte Zeuge entschieden, was auf Verlangen der Vertheidiger konstatirt wurde. Der zur Vernehmung gelaugte beeidigte BelastungSzeuge Stanislaw Nadamski, auf den die Anklage besonderes Gewicht legte, deponirt, er habe im März 1885 den nun verstorbenen Jan TeleSz, der in der vorigen (zweiten) Verhandlung hier einvcrnommcn worden war, während seiner Krankheit, sechs Tage vor dessen Tode, besucht, und Telesz habe ihm gesagt: ״Ich habe etwas auf dem Gewissen, weil ich im Prozesse Ritter nicht Alles auSsagtc. Ich habe gesehen, daß die Juden die Leiche in der Nacht getragen haben. Jetzt sterbe ich, ohne dies uütgctheilt zu haben, und ich habe meine Aussage beschworen!" — Vorsitzender: Hat Teleöz den Tag genannt, wann er das gesehen? — Zeuge: Telesz sagte, er habe sich nach Auffindung der Leiche erinnert, daß es am selben Tage war, an den» die Mnich verschwunden ist. — Vorsitzender: Warum habt Ihr das nicht gleich Jemandem initgethcilt? — Zeuge: Ich sagte es beut Geistlichen Ln Lutcza während der Beichte, dieser hieß n»ich, cs dem Gendarmen mittheilen, »vas ich auch gethan. — Votant Landesgerichtsrath Lnkaszewski: War noch Jemand in» Zimmer, als Tclesz Euch daS sagte? — Zeuge: Seine Frau war in der anstoßenden Stube. — Votant: Eben haben seine Frau und sein Sohn hier ausgesagt, daß sie das, »vas Ihr da auSgesagt, gar nicht gehört haben. Habt Ihr nicht benicrkt, ob Jan Tclesz damals vielleicht Hitze hatte? — Zeuge: Er hatte gar keine Hitze, war ga»»z ruhig und rauchte seine Pfeife dabei. Ein Geschworener: Hat Euch Telesz den Grund angegeben, »varu»n er das früher verheimlichte? — Zeuge (nach kurzen» Zögern): Tclesz sagte mir, er fürchtete die Juden. — Vorsitzender (zu Ritter): WaS habt Ihr gegen diese Aussage zu bemerken? — Ritter (mit traurige»!» Kopfschütte!!», bitter): Wenn das wahr wäre,׳ hätte cs Jan Telesz, der doch alles mögrichc Ungünstige gegen rnich anssagte, schon in Szcszow und Krakau ausgesagt. Warum hat TeleSz das gerade diesen» Zeugen und nicht seiner Frau, seinen» Sohne und vielen anderen Bekannten in» Dorfe gesagt? (Zustinrnmng in» Anditoriu»»».) — Staatsanwalt: So hat also dieser Zeuge falsch ausgesagt, falsch geschworen? — Ritter (die Hände ringend): Was weiß ich? ES kommen so viele Zeugen vom Dorfe, die doch für ihre Reise vergütet werden. DieVcrehcidigcrl)»׳. Noscnblatt und Vr. Machalski bitten um Konstatirung der Thatsache, daß Jan TeleSz füufmai in dieser Strafsache verhört, nieinalS daS, »vas Zeuge Radamsli deponirt, gesagt hat »nd sogar aus Befragen des Krakauer Untersuchungsrichters KalitowSki am 8. September 1883 laut Protokoll ausuriidlid} antwortete, daß er in dieser Strassache nichts mehr anzngcbeu hat. Hierauf erfolgt das Verhör der Zeugen Franziska Pitera, Wojcicch Gaborski, Jan Vicszad. Katharina Urban, Sophie Szaro und Franciszek Szurlcz über das Geständnis; Stochlinski'S n»n» die Reinigung in! Keller Nitter'S. Nachdem noch mehrere Zcllgcn, darunter die Ncche Nrrnberg, einvernommcn »vorder» waren, »vird daS Zcugcuvcrhör geschlossen. StaatSaruvaltS- Substitut Lozinski verlangt eine Abschrift der Anssagen der Ncche Nirnbcrg behufs Eiusichtnahnre und erforderlichenfalls Einleitung einer strasgcnchtlichen Uiltcrsnchung gegen diese Zeugin, deren frühere und jetzige Anssagen einander widersprechen. Es folgt dann die Verlesung von Schriftstücken. Die Verhandlung »vird auf morgen 9 Uhr Vormittags vertagt. 26. September (achter Verhandlungötag). Nach Verlesung verschiedener Aktenstücke erfolgte die Einvcrnahnre der sachverständigen Ingenieure Wrzesuowski und Marco in. Dieselben schilderten, auf eine an der Wand hängende Mappe zeigend, die Lage des Dorfes Lutca, der Häuser, der Schlucht und der zu derselben führenden Wege, der Wohnung im Hause Nitter'S und den inner!» Raum des Kellers. Vom Hause Stochlinski'S konnte inan das Tragen der Leiche gut sehen, von den» des Jan Tclesz jedoch nicht so deutlich. Aus Grund von vorgenommenen Stimmproben in» Keller Nitter'S zeigt sich die Behauptung des Zeugen Macicj Teleöz .bezüglich der von ihn» wahrgensnuneuen Ruse ans der Kellergegend entschieden unbegründet. Der Keller bietet für ungefähr acht bis zehn Personen Rann». Durch Anzündcn einer Kerze »vird der ganze Keller erhellt. Die Sachverständigen äußerten dann ihre Ansichten und Kombinationen, auf welche Weist die Hiebe der Mnich in: Keller versetzt werden konnten. - Der Antrag des LetthcrdigerS Professors Rosenblar-t, daß der Gerichtshof und die Geschwvrnen sich nach Lutcza behufs persönlicher Lolalschau begeben mögen, weil der aufgenommene Plan zur persönlichen Ueberl

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