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Jeschurun · 1885-10-08 · Heft 40-41 (8.10.1885) · p. 644

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 40-41 (8.10.1885)
Article
Der Prozeß Ritter vor dem Schwurgerichte zu Krakau
Date
1885-10-08
Page
644 (sequence 4)
Language
German
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Hinsicht nicht kennen! — Zen ge: Es kann nicht sein, daß ich damals so cmSgesagt, vielleicht habe ich mich versprochen! Zeuge Dorfrichter Swinieki deponirt, L>tochlinski habe vor ihm eingestanden.— Wojcicch Wojcik sagt gleichfalls aus, Stochlinski habe vor ihm Alles freiwillig eingestanden. Die Frage, ob Stochlinski im Gefängnisse mit Ritter sich verständigen konnte, verneint der Zeuge. (Bezirksrichter Radwanski hat das Gegenthei! behauptet.) — Joseph Moskal, ebenfalls Haft-׳ ling, deponirt, Ritter beklagte sich über sein Schicksal; wenn er Katholik wäre, würde eS anders sein, die Juden verfolgt man. Stochlinski habe vor ihm ein׳- gestanden, ebenso vor Antoni Kozak, Jan Wrubel, Majer Fertig und Jan Domino. — Hierauf werden die Polizisten Maticj P׳ra und Joseph Podkal und mehrere andere Zeugen über das Benehmen StochlinSki'S und der Eheleute Ritter befragt und sagen wie in der vorigen Verhandlung aus. 24. September (sechster Verhandlungstag.) Mehrere der heute vernommenen Zeugen konnten sich auf ihre früheren Aussagen nicht erinnern. — Der GerichtSschreiber Joseph Hnnatowicz war beim Geständnisse S Loch linski'S vor dem Richter Radwanski zugegen. ES waren keine Gendarmen im Bureau, ob sie im Korridor waren, kann sich Zeuge nicht erinnern. — Jadwiga Korab (eine neue Zeugin) deponirt, Franziska TeleSzowa habe ihr gesagt, die Inden Hütten der Franziska den Kops abachanen und sie dann in die Schlucht geworfen. — Die Frage, ob ihr die TeleSzowa auch mitgethcilt habe, Franziska Mnich hätte ein Bcrhältuiß mit Stochlinski gehabt, verneinte Zeugin. — Hierauf erfolgt die Verlesung des Krakauer Nrthcils gegen Franziska TeleSzowa, die wegen falscher Zengenschajt (Stochlinski habe die Mnich verführt) zu neun Monaten Kerkers verurtheilt wurde. Auf Verlangen dcS VcrtheidigcrS ProsessorS Noscnblatt wird konstatirt, daß die verurthciltc TeleSzowa eine vom Staatsanwalt zitirte VclastnngSzeugin war und die inkciminirte Aussage nicht auf Befragen der Verthei-- diger deponirt hat. Von großer Bedeutung war das Verhör des Obduzenten Dr. BielinSki, der in der vorigen Vcr- Handlung nrcht anwesend war und zufolge oberstgericht- Uchcn Erkenntnissen jetzt vcrnomnicn wurde. Der Zeuge deponirte: Zwischen Kiefer und Korpus dcS Leichnams habe inan Koth wahrgenommen, in welchem der Chirurg Maidl Reste des Schlundes gefunden habe. Daß der Franziska Mnich der Hals durchschnitten worden sei, kann Zeuge nicht positiv bchanpten, da der Leichnam objektiv keine hinreichende Grundlage für diese Behauptung bot. Der Zeuge folgerte eS bloS aus den Umständen. Der Mnich seien zwei Hiebe gegeben worden, und zwar mit der stumpfen Seite der Hacke aufs Haupt und mit der scharfen Seite in die Kiefergegend. FranziSka Mnich sei wahrscheinlich erst einige Tage nach ihrer Ermordung in die Schlucht getragen worden und nicht gleich nach ihrer Ermordung. (Sensatian, weil dies ein frappanter Wicdcrspruch ist mit dem Gestandniste StochlinSki'S.) Auf Befragen des VerthcidigcrS, ob die am Halse wahrgcnommene Verletzung der Mnich vor oder nach dem Tode zugcfügt worden seien, kann Zeuge keine positive Antwort geben, weil dies durch die stark vorgeschrittene Fäulniß der Leiche nicht konftatirt werden konnte. — Vcrtheidiger Professor Rosenblatt (zum Zeugen): Wollen Sie mir sagen, auf welcher Grundlage Sie in Ihrem Gutachten erklärten, daß die Schnitte am Uterus von einem Diebe herrühren können? — Zeuge: Ich weiß ganz bestimmt, daß im Rzcszower Kreise der Aberglaube verbreitet ist, daß, wenn man einer Leiche die Frucht ausschneidet, daraus Talgkcrzcn macht und diese anzündet, man dadurch beim Diebstähle nicht ertappt werden kann. (Allgemeine Bewegnng.) In der Nachmittags-Verhandlung wurden die Doktoren Anton Mars und Johann RoSner verhört, welche auf der hiesigen medizinischen Fakultät den Uterus der Mnich als Präparat gesehen haben. Dieselben dcponirten wie in der vorigen Verhandlung. — Die neue Zeugin Kunigunde Telesz wird befragt, ob cS wahr sei, daß ihr im März verstorbener Mann, Jan Tclesz, im Sterben gesagt, er habe die Leiche der Mnich aus dem Hause Nitter's tragen gesehen. Die Zeugin deponirt unter Eid, sie habe das von ihrem sterbenden Manne nicht gehört. — Die neue Zeugin Katharina M niszonka sagt aus, sie sei am Tage des Aufsindens der Leiche der Gittel begegnet und habe ihr zugerufen: ״Ihr Juden habt Franziska ermordet!" Auf Befragen des Vorsitzenden, woher Zeugin das wußte, antwortete dieselbe: ״Ich weiß nicht warum, der heilige Geist hat eS mir gesagt." (Ge-!achter.) Hierauf deponirte Marianne Szopa, Anna SuSzonka und andere bäuerliche Zeugen über die Aeußerungen des Ehepaares Ritter vor und nach dem Aufsinden der Leiche. Bemcrkenswerth ist, daß der Dorfrichter Swincki auf Befragen dcS Vorsitzenden, woher Stochlinski Geld hatte, antwortet: Stochlinski habe dasselbe wahrscheinlich auf dem Jahrmarkt gestöhlen. — Morgen folgt die Fortsetzung des Zeugen- Verhöres. 25. September (siebenter Verhandlungstag.) Nach dem Verhöre einiger Zeugen, die JrrclevanteS anssagen, erschien der Zeuge Woiciech TeleSz, ein junger Bursche, und deponirte, er sei eines TageS, Abends, vor dem Hause Ritter's vorbeigegangen und horte in der Richtung des Kellers ein unbestimmtes-

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