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Jeschurun · 1885-07-02 · Heft 27 (2.7.1885) · p. 418

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 27 (2.7.1885)
Article
Die fünf Thatsachen des siebzehnten Tamus
Date
1885-07-02
Page
418 (sequence 2)
Language
German
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418 Mauern sind Thatsachcn, die gewaltiger reden, als jene graue Thorarollc: unser begeisterter Kampfcsmuth ist ein besseres Judenthum als jene uns stets gepredigte GcsetzcStreue! Vor diesen Kampsrusen konnte die Stimme des Goitcrlcnchtclen nicht zur Geltung kommen. Er mußte ruhig Zusehen, wie Israel, die Grundlage seines ewigen Bestandes verkennend, da mit dem Babylonier sich messen wollte, wo dieser, als Werkzeug der Gottheit, ihnen unendlich überlegen war, wie Israel die einzige Wasse verächtlich fortwarf, die cö mit Ueberlcgcnheit zu führen bestimmt war, die Thora! Er mußte eS ruhig mit mischen, daß sie ein bloßes Kraftgcfühl, ein Ringen für die eigene Größe, für den eigenen Ruhm für eigentliches Judenthnm ansahen, sich darin über ihr Judenthnm beruhigten und gerade deshalb vergaßen, daß Israel zu ganz anderen Zwecken, zu Kämpfen auf edleren Gebieten bestimmt war. Wiederum kam der Monat TanmS heran, die. Zeit, die von jeher dazu bestimmt schien, Halbheiten aus der Mitte Israels zu bannen, ihm in schroffer Weise hohle, schmeichelnde Träume zu nehmen und es zur Erkcnntniß der nackten Wahrheit zu bringen. Der TodcSkampf hatte schon Monate lang um Jerusalem getobt, — immer hatte inan noch Hoffnungen genährt, inlmcr noch sich wie an einen Strohhalm, an die Machtmittel, die Juda zu Gebote standen, geklammert. Endlich הובקעה העיר drangen die Feinde in die Stadt ein, die Waffen, wie die Mauern hatten sich, da der Ewige nicht Kampfgenosse seines Volkes war, als machtlos erwiesen vor der Wucht geschichtlicher Thatsuchen — cs war ein grelles Licht, was an diesem Tage Israel aufging, ein plötzlich aufftammender Schein, der ihren Angen Schmerzen bereitete, ehe sie sich daran gewöhnten, der Wirklichkeit, nachdem sic ihren leeren Trüutnen schwer entsagt, klar ins Auge zu blicken. Entsetzlich, aber heilsam war die Erfahrung, welche der TamnS damals dem israelitischen Volke gebracht. Beschämt und gcdchmnthigt mußten die Geschlagenen, die Vcrbannten, die Wahrheit der Prophctenworte anerkennen; in Gestalt eines Jcremia, eines Ezechiel folgten ihnen weiterhin die Erlenchtcr; anderen Gegnständen mußte ihr Sinn sich znwenden, auf andere Ziele mußte ihr Streben gerichtet sein. Zurückgedrüngt ans der Mitte der Völkerkämpfe, ohne jede Hoffnung, sich in Kurzem daran bctheiligen zu können, erkannten sie ihr wahres Bollwerk, die ewige Waffe, die ihnen Niemand entringen konnte, um welche sie Niemand beneidete. Israel wurde, nachdem eS die Unzulänglichkeit äußerer Kanrpfesmittel wiederholt erkannt hatte, in Wirklichkeit das Volk des Gesetzes. ״ ושרף אפוסטוטום את חתורהAm siebzehnten TamnS verbrannte der Feind die Thora." Hier läßt uns die talmudische Quelle im Stiche, wir wissen, der bloßen Bemerkung גמרא gemäß, nicht, in welche Zeit wir dieses Ereigniß verlegen, nicht einmal, ob wir einen Apostomos griechischen Blutes oder einen Römer Posthnmus vor uns haben. Würde in diesen Nebensragen für unsere Betrachtungsweise etwas Wichtigeres enthalten sein, so wäre uns eine genauere Angabe der begleitenden Umstande gewiß nicht vorenthalten worden. Weshalb mußte an jenem vcrhängnißvollen Tage das heilige Pfand vom Sinai den Flammen übergeben werden'? Welche nothwmdige Thatsache wurde ihnen damals kund? Vielleicht gelingt eS uns, von den Folgen auf die Ursachen zu schliießen, auS der unsern Vorfahren auferlegten Strafe das- Berbrechen zu erkennen, dessen Israel an jenem Tage sich bewußt werden mußte? Vielleicht verlor sich zu Zeiten die Liebe und Begeisterung, der Drang, das Gesetz mit seinem Geiste zu umspannen, aus der Mitte des Volkes; man fühlte sich im Besitze der Lehre, hielt es aber nicht für eine Hauptsache, an diesem Lebensquell sich zu erquicken. Führt doch kein müheloser Pfad von der mündlichen zur schriftlichen Lehre, gehört doch Selbstverleugnung zur Erkcnntniß eines jeden Thules derselben, augenblickliche Vortheile sind dabei nicht ersichtlich, und selbst der verhältnißmäßig treue Anhänger der Lehre beginnt sich mit der Ausübung derselben ohne ihre Durchdringung zu begnügen. Man wird da von der Hoffnung geleitet, daß der Quell der Erkemttniß nie versiegen wird, daß man nie ba^it gelangen wird, die Satzungen der Thora mißznver stehen. Neidlos überläßt man Anderen das Nachdenken! über den Sinn jener Folianten, und mit der Zeit wird das Wissen weit zurückgedrängt. Da muß sich endlich auch die bloße Empfänglichkeit dafür verlieren,, man wird das Wissen zu unterschätzen beginnen, und die Ehrfurcht vor der Thora muß anfangen eine äußerliche zu werden. Was thut der ewige Vater nun. um sein Kind von dem hohen Werthe der Himmelsgabe zu überzeugen? Er läßt Angreifer des Gesetzes von außen nahen, ein Scheiterhaufen wird der Thora errichtet, entsetzt erkennt der Beraubte den Werth der Himmelsgäbe, die er, so lange er sich in ihrem ungestörten Besitze befunden, unterschätzt hat. Wenn er nun klagend seine Stimme erhebt, wird ihm nicht von jenen Höhen die strafende Antwort werden: Der Feind hat mit Bewußtsein an der Thora geübt, was Du. durch Vernachlässigung derselben ohne klare Absicht gethan? Wiederum wird an! siebzehnten TamnS eine ernste Wahrheit dem Israeliten kund: Es genügt nicht, bloß herkömmliche Ehrfurcht vor der Thora zu hegen und darin aller Pflichten sich enthoben zu glauben; es gilt, den ewigen Schatz vor Vernichtung zu wahren, ihn zu dertheidigen gegen feindliche Angriffe. Die Flamme darf in keinem Falle das Gesetz selbst treffen, es muß

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