Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1885)
- Article
- Die fünf Thatsachen des siebzehnten Tamus
- Date
- 1885-06-25
- Page
- 402 (sequence 2)
- Language
- German
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402 besonderen Bestimmungen des Gottesgesetzcs in schrift-!icher nnd mündlicher Lehre zu übergeben. Sein freudiges Einporsteigen ist ein Beweis, daß er sich am Ziele glaubt, daß er das heilige Werk in der Mitte seines Volkes schon vollendet wähnt; daruu! ויבא משה ״ בתוך הענן ויעל אל ההר ויהי נשה נהרtrat Mose in das Gewölks das den Berg oben umgab, stieg auf die Spitze desselben, ja, er befand sich auf dem Gipfel des Sinai." Es war aber MoseS, der Führer, der sich also erhob, er war cs, der sich in jenen Höhen ganz in die Offenbarung versenken konnte, er, der mit Entzücken sich von den Strahlen der ihm zukommenden Lehre beleuchten ließ. Folgte ihm aber sein Volk auf diesen Gipfel? Stieg während seiner Abwesenheit auch Israel von Stufe zu Stufe empor und näherte sich seiner Vollendung? Vielleicht glaubte sich das Volk durch seinen Führer genügend vertreten, banitl zufrieden, das; Moses für sie sich dem Ewigen näherte. Das hinderte sie daran, sich an Selbständigkeit zu gewöhnen, deshalb die hcrvortrttende Vermnlhung, Moses sei nicht mehr, der Vertreter Israels sei aus diesem Leben geschieden, folglich.... Nicht folgerten unsere Vorfahren: ״folglich müssen wir uns mit um so größerer Entschiedenheit dem Ewigen nähern, um uns nicht zu verlicrcn, sondern: ״auf, machet uns Götter," riesen sie. Welch ein herber Schlag für den Führer, der, mit den beiden Gesetzestafeln in der Hand, hcrniedersteigt! ויהי כאשר קרי אל הנהנה וירא את העגל ומחולות ויהר אף נשה וישלך נ ידיד את הלוחות וישכר אותם ״ תהת ההרAls er sich dem Lager näherte," ' als es ihm möglich war, klar die Verhältnisse zu überblicken, ״da bemerkte er den Götzen und nahm den Reigentanz wahr." Was that er nun? Suchte er weiter die schmeichelnden Hoffnungen auf eine schnelle Vollendung seines Werkes zu nähren? War es ihm schwer, sich von diesen berechtigten Empfindungen loSzureißen? Suchte er vielleicht ״seine Gemeinde" vor sich selbst zu entschuldigen, um nicht als ein Führer von ״Abgefallenen" zu gelten? Flüsterte ihm eine falsche Weisheit cs vielleicht ins Ohr, daß unter diesen Umständen zunächst ein weises Nachgeben uothwendig sei. um nicht Alles zu verlieren? Nein, und nochmals nein! rief es in MoseS' Innern; das wäre eine Verfälschuug des BnndesgedankenS selbst, ein Ueberkleisttrn dcö Gegensatzes zwischen Gesetzestrcuc und Zügellosigkeit. ״Sein Zorn entbrannte, er warf die Tafeln aus seinen Händen und zerbrach sie am Fuße des Berges." War das eine That des blinden Zornes oder der klaren Uebcrzeugung? MoseS m u ß t e dem sich selbst täuschenden Volke mit aller Entschiedenheit die Thalsache unerbittlich vors Auge führen, daß der Bund durch diesen Abfall bereits gebrochen sei. Keinem Führer Israels ist eS gegeben, für sich allein einen Bund mit Gott zu schließen und 2ls Vertreter seines Volkes zu gelten! Die Tafeln in des Führers Hand werden zur nichtigen Lüge, wenn indessen die Gemeinde sich vom Gesetze abgemandt. Indem er die Tafeln ans der Hand wirst, gicbt er der Thatsache den kräftigsten und entschiedensten Ausdruck, deren Erkenntniß zu allen Zeiten die Abgefallenen mit Schrecken erfüllte. Gerade die Offenheit, mit der Moses dies vollzog, war das Heilmittel; der Arzt schmeichelt dem Kranken nicht, sondern zeigt ihm das entsetzliche Leiden sofort, woran er, wenn keine kräftige Arzenei angewandt würde, zu Grunde gehen ntüssc. Darum fand jenes ני לה' אלי bald rechtes Gehör, die Anhänger des Gesetzes fanden Muth, hervorzutreten, und יישר כחך ששכרת konnte der Ewige anerkennend dem Mose zurufcn. Wenn die erste Erinnernng des siebzehnten Taurus zum Theil eine herbe und niederschmetternde ist, da wir unsere Vorfahren in solcher Verirrung sehen, so muß uns andererseits die Entschiedenheit erheben, mit der Moses das Volk über die Tragweite des Abfalls ausklärt und dadurch die Wunde heilt. ״ בטל התניד והעניד צלם כהיכלAm siebzehnten Tamus hörte das tägliche Opfer auf und stellte man das Götzenbild in den Tempel." In ein anderes Zeitalter werden wir geführt. Wir sehen Israel im heiligen Lande, von eigenen Herrschern geleitet, der Tempel thronte als Mittelpunkt aus der Zionshöhe, von da sollte alles israelitische Leben ausgehen, sollte sich nach allen Seiten dem israelitischen Volkskörper mittheilen und wiederum in Zion seinen Einigungspunkt finden. Aber wieder wurde Israel seiner Bestimmung untreu, selbst die Anhänger des davidischen Könighauses wahrten die Lehre nicht rein in ihrer Mitte, sie verfielen gleichfalls in die Gräuel, welche das Zehnstämmereich unter dem ephraimitischen Königshause übte. Selbst die Wirksamkeit der gesetzestreuen Könige, welche das Gotteshaus und die Gottesstadt wirklich zum lebenansstrahlenden Mittelpunkte des Staates zu machen verstanden, wurde durch zügellose Nachfolger um ihre Früchte gebracht. Wie kam es, daß die Stimme der Propheten nicht durchdrang, daß Israel sich aus dem . Schlummer der Gleichgültigkeit nicht wecken ließ? Alle Zeichen deuten uns darauf hin, daß das Volk sich nicht für abgefallen ansah, daß es die Verzweiflung der Gotteöboten nicht verstand, den heutigen Tag im Sinne des gestrigen betrachtete und vom morgigen den gleichen Zustand mit Sicherheit erwartete. ״Wird nicht der Ewige in Zion angebetet? Ist nicht das Heiligthum von Götzen frei? Wird nicht alle Tage in Jerusalem unsertwegen das Opfer dargebracht? Unser Tempel, unsere Priester vertreten uns; was wir außerhalb dieser heiligen Mauern, was wir in unserm Hause treiben, sollte das den Bestand