Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1885)
- Article
- Die fünf Thatsachen des siebzehnten Tamus
- Date
- 1885-06-25
- Page
- 403 (sequence 3)
- Language
- German
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403 unserer Gemeinschaft, die Festigkeit des GottcsglanbenS gefährden? Das Jndenthum wird nie vergehen, das tägliche Opfer wird nie anfhören, der Tempel wird nie zerstört, nie durch Götzenbilder entweiht werden!" WaS konnten die Gottesmänner auf solche Worte erwidern? WaS würde ihnen der Nachweis geholfen haben, daß die Thora, aus dem Hanse und von den Straßen vertrieben, im Tempel allein keineswegs belebt werden könne? — Aber dieser Halbheit sollte ein Ende gemacht werden. Manasse, der Sohn des frommen HiSkia, war dazu bernfen7--folgcrichtiger zu Werke zu gehen, als die götzendienerischen Vorgänger seines Vaters. Warum im Tempel das Götzenbild scheuen, da man doch überall sonst demselben huldigt, schon indem man dem eigenen Willen Altäre baut? Was soll die Lüge dcö täglichen Opfers, nachdem man längst anfgchört har, dem Gesetze auch nur die geringsten Opfer zu bringen? Am siebzehnten Tamus, der einst die Gesetzestafeln zerschmettert sah, ward Manasse unbewußt der Verkünder der Thatsachc, daß auch der äußere Zusammenhang Israels mit dem Gesetze schließlich geschwunden. Das Opfer wurde verboten und mir dem Götzenbilde hielt das Heidenthum offen seinen Einzug in die heiligen ZionShallen. לבן נאמר י.ומעת הוסר התמיד ולתת שיקוץ שומם Deshalb berichtet uns Daniel von der Gleichzeitigkeit beider Thalsachen. Entsetzt sah Israel das Schlimme vollendet, und wenn ein offener Widerstand auch nicht möglich war, so sagte sich doch ein Jeder, die Entscheidung würde nicht lange mehr auf sich warten lassen. אמר רבא תרי הוו ונפל היד על חבריה ותבריה ליה לידיה ״Zwei Götzen waren es eigentlich," wie Rawa lehrt, ״der Eine fiel auf den Andern und zerbrach ihm den Arm,ואשתבח דהוה כתיב אנת צבית להרובי ביתא ״ ״ ידך אשלימת ליהDa fand man die Worte geschrieben: Du wolltest das Haus zerstören, mit Deiner Hand selbst mußtest Du cs vollenden." Jedes offene Götzenthnm schließt eine Vielheit von Kräften ein, die man anbetet, während der Einhcitsglanbe die Gottheit über diese Kräfte erhebt. Wie Jcrobeam, so schützte sich auch Manasse vor allen Folgerungen der Einheitslchre, indem er die Götzen vervielfältigte. Die Götzen selbst aber bewiesen ihre Machtlosigkeit. Der Kriegsgott hatte Manasse im Stiche gelassen, damit war auch dem Gotte des Friedens jedes Vertrauen genommen. Durch eine schnelle Entscheidung wurde das Volk wieder dem Alleinen zugeführt. Ein entschiedener Geist regte sich in der Folge in Juda, die Bestrebungen eines Josia wuchsen auf diesem Boden, und man begann, mehr als je die Thora zur Grundlage alles Lebens zu machen, mehr als je um diesen Mittelpunkt sich zu bewegen. Der siebzehnte TamuS war eö wiederum gewesen, der dem Volke die entsetzliche Thatsache vors Auge führte, daß, ohne kräftige Selbsthülse, durch den Geist der Lauheit schließlich das Opfer weicht und der Götze einzicht, somit das ganze Judcnthnm, das ohnedies durch einen bloßen Tempclgottesdicnst mühsam genug das Dasein fristet, in Frage gestellt werden kann. (Schluß folgt.) Die Mittel {11r Abwehr. (Fortsetzung aus Nr. 24.) Wir haben uns deshalb die Frage zur ernsten Sclbstprüfung vorzulegen: ist der jüdische Stamm mit hassenswürdigen Gebrechen mehr als jede andere Menschenfamilie behaftet? Entspricht er weniger dem hohen Menschenideale als die Vrüderstämme, in deren Mitte er weilt? Finden die Genien des NechtS, der Liebe und der Sitte bei ihm keine so willkommene Stätte wie in den Zelten der anderen Adamssöhne? Ist sein Geist unempfänglicher für das Wahre und Schöne, tritt seiner Seele Hülle in ekelerregender Gestalt in die Erscheinung? Wir wollen unserm eigenen Urtheile mißtrauen und bitten uns zu widerlegen, wenn wir vermeinen, daß der Menschentreis, welcher der einzigen Offenbarung am Sinai gewürdigt worden ist, dessen edelste Söhne von Gott zu Propheten erkoren wurden, kein unedles Reis an dem Stamme der Menschheit sein kann. Und ebenso erwarten wir eine Widerlegung unserer Ansicht, daß ein Menschenkreis, der wie der jüdische seit Jahrhunderten, trotz aller Verirrungen und Fehler, im Großen und Ganzen sein ganzes Dasein in den Dienst des Gehorsams gegen das Gesetz Gottes gestellt, damit unzweideutig dokumentirt, daß er dem höchsten sittlichen Ideale zustrcbt, wie wir uns auch nicht scheuen, in Bezug auf den jüdischen Stamm das Urtheil herausznfordern hinsichtlich der Pflege deS Nechrsbewußtseins, der opferfühigsten Menschenliebe, der lautersten Familiensitte. Man zeige uns erst den MenschcnkreiS, der ein tieferes Gottesbewußsein, ein zarteres NechtSgefühl, eine innigere Nächstenliebe, ein keuscheres Familienleben bethätigt hat als der jüdische, und nian überzeuge uns erst von dem höheren Geistesfluge der andern Stämme der Menschheit. Und was der Juden körperliche Beschaffenheit anbelangt, so mag des Juden Nase etwas gebogener, seine Augenbrauen etwas schärfer gezeichnet sein; kein Jndogermane, Turanier oder Aethiopier wird behaupten können, daß der Hebräer eine das Menschengefühl beleidigende Erschcinung böte. Wir verneinen, daß der Judenhaß irgend welchen Anspruch aus Berechtigung haben kann. Das Alter desselben liefert keinen RechtSgrnnd, beweist nichts zu Lasten des jüdischen Stammes. Die Frage