Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 21 (19.5.1885)
- Article
- Der Thora endlicher Sieg
- Date
- 1885-05-19
- Page
- 322 (sequence 2)
- Language
- German
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322 tage der Sinaioffenbarung die תפלה לחבקוק הנביא על שנינות stets von Neuem vor die Seele führen. Dem Propheten war die kommende babylonische Weltherrschaft gezeigt worden in ihrer allen Mächten hohnsprcchenden, rücksichtloscn Gewalt, und er hatte sich an Gott gewendet mit dem Aufschrei seiner Seele'): ״Wie lange denn, o Gott, habe ich gefleht und du hörst nicht; ich schreie zu dir empor ob der Gewalt, du giebst kein Heil. — — Warum lassest du mich eine schrankenlose, kein Gesetz achtende. Gewalt schauen und ein erfolgloses Mühen der Menschen; Raub und Unrecht starrt mir entgegen, und es ist schon Interessenstreit und Widerpart geworden was trägt; darum büßt das Gottesgesctz seine Kraft ein und das Recht tritt nicht zum Siege heraus; wenn der das Gottesgesetz Verachtende dem Gerechten die Krone zu reichen hat, dann muß der NechtSspruch in sein Gegcntheil verkehrt werden." Soll denn der Inhalt der Weltgeschichte nichts anderes sein als ein steter Wechsel der Gewalt und des Unrechts, soll die Erde nur eine Schaubühne der Wiukürycrrschafi bleiben und Gottes Gesetz nimmer zur Aucrkennung gelangen? Dann erzeugt das von den Machthabern geübte Unrecht auch im bürgerlichen Leben Streit und Willkür, und die Menschen verlieren den Maßstab für das Rechte und Wahre, für diejenige Potenz, die der sichere Grund für den Aufbau des Heiles sein will. In Elend und Jammer und Mühsal krümnien sich die Völker unter der eisernen Faust der Mächtigen; die Wahrheit und das Recht gelangen nicht zur Geltung, weil die allem Göttlichen hohnsprechende Bosheit die Kränze auf Erden zu verthcileu hat und dem Gottesgcsetz keinen Raum gönnt in dem Gebiete ihrer Machtsphäre. Da ward ihm Gottes Antwort''): ״Schreibe nieder das Geschaute, klar und deutlich auf die Tafeln, damit ein Jeglicher cs leicht lesen kann. Denn für die längst im Voraus bestimmte Zukunft gilt noch die Prophezcihung; — wenn sie auch das endliche Ziel nur in Umrissen andcutct, so täuscht sie nimmer; — wenn cs zu zögern scheint, harre sein, denn ganz bestimmt wird es kommcn und nicht Zurückbleiben." Was vernichtet wird, trägt den Keim des Untergangs in sich; ״der Gerechte aber gewinnt stets Leben in dem unbedingten Vertrauen auf Gott." Auch die drohend aufsteigende Weltmacht verfällt dem Untergänge, und an ihrem Sturze hebt sich das Nechtsbewußtscin der Menschen und ihre Werthschätznng der Menschcngrößc zur reineren Erkcnntniß empor. AuS dem Wirrsal der Geschichte tönt doch der Gottesrnf: ״Wehe dem, der Unrechten Gewinnst erstrebt — er bringt Unglück seinem Hause; ') Habakuk 1. --) Kapitel 2> er meint damit in unerreichbarer Höhe sein Nest gebaut und es entrückt zu haben der Hand des Unglücks — wehe dem, der glaubt, eine Stadt mit blutiger Schuld erbauen und eine Burg durch Gewaltthat befestigen zu können-wehe dem, der seinen Nächsten trunken macht, der du deine Leidenschaft und deinen Rausch auf Andere überträgst, um hinzuschanen auf ihre Blößen — — wehe dem, der dem Holze zuruft: erwache, dem stummen Gestein: wache auf-" Die eigene Schuldenlast häuft der Gewaltthätige; die auf Unrecht sich aufbauende Macht endet im gänzlichen Bankrott, — des Einzelnen sowohl wie der Staaten; und wer die Leidenschaften der Menschen entfesselt, um über die im Sinncstaumel Entnervten leichter herrschen zu können, wer ihnen das Bewußtsein der Sittlichkeit raubt und dm Adel ihrer Menschenwürde in ihrer Brust ertödlet, um Sklaven für seines Ruhmes Ban zu erzielen, der gräbt seiner eigenen Größe das Grab, und an ihm selber, seinem eigenen schmählichen Ende, rächt sich die Entartung der Menschen. Und die Vergotterung to'Dtcr irdischer Gewalten rächt sich ebenso. Der gottentfremdete und Gott aus seinem Leben verbannende McnschcnkreiS geht in trostloser Verzweiflung unter. Der Wahn, die Verblendung, die Gewalt, die Lüge, die Entartuug, der Stolz, die NnhmeSsucht — tragen ihr Korrektiv in sich. Die Menschheit, welche es versuchen will, ohne Gott und sein Gesetz, im Gegensatz zu dein von Gott geforderten Rechte und der von Gott gebotenen Sittlichkcit zum Heile zu gelangen, wird endlich in dem Zusammenstürze aller ihrer selbstgeschaffenen Größen ihres JrrthumS inne; — Gott aber thront noch in der Machtstätte seines HeiligthumS, erhaben über das Getriebe der Erde, über die Nichtigkeit aller scheinbar mächtigen Menschengewalten. Das war dem Propheten zur klaren Erkenntniß gebracht worden und hatte den Jrrthum seiner Auschauung berichtigt und den Zweifel seiner Brust beschwichtigt. תפלה — על שנינות. Er spricht es aus*): Du bist 'ד, der in Liebe waltende, die Zukunft gestaltende Gott, der daS Ziel seiner Waltung nimmer verändert, in dessen starker Hand allein das Heil der Welt ruht. Du hast mir gezeigt, wie das Trübsal, und der Irrwahn der Gegenwart dieses Heil in seinem Schoße trägt. ״Im Laufe der Jahre zeitige dein Werk, bringe es im Laufe der Jahre zur Erkenntniß; inmitten aller Unruhe, allen Zürncns gedenkest du liebevollen Erbarmens." Nicht der Vergangenheit gehört deine Offenbarung an, sondern der am Ziele der MenschheitScrziehung winkenden herrlichen Zukunft. ״Gott wird erst noch kommen von Teman und der Heilige von Parans Bergen", Esau und Jsmael werden endlich *) Kapitel 3.