Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 21 (19.5.1885)
- Article
- Der Thora endlicher Sieg
- Date
- 1885-05-19
- Page
- 323 (sequence 3)
- Language
- German
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323 zur Huldigung Gottes und zur wahrhaften Ancrkenntniß seiner Herrschaft gelangen, wie einst Israel, als es das אשדה empfing. ״Bedeckt auch jetzt schon Sein Glanz den Himmel und ist Seines Ruhms die Erde voll, so wird doch erst dann, was jetzt nur noch Abglanz ist, zum Hellen Lichte und ihm Strahlen von Seiner Allmacht werden — darin liegt das Geheinmiß Seiner Alles überwältigenden Majestät." Mit der Offen-.- barung am Sinai zog für die Menschheit die Morgenröthe der Sonne herauf, die erst am Ende der Jahrtausende in voller Mittagshöhe stehen wird. Das אשדה erkämpft sich die Menschheit, eS durchläutert sie mit seines Feuers Gluth, es erleuchtet sie mit seiner Strahlen Licht. Aller Schrecken, den die Gegenwart mit sich bringt, hat nur die Läuterung und Erleuchtung zum Ziele, ihm folgt als Förderer dieses Ziels selbst die vernichtende Gewalt. Und wenn vor Gottes Gerechtigkeit die Erde nicht bestehen kann, und es seiner Weisheit gefällt, das Gefüge der Staaten zu lösen und der vermeintlich für die Ewigkeit errichtete stolze Bau in Atome zu zerstieben — so vollziehen sich in diesem Allen die Bahnen, aus welchen Gott, dem blöden Auge der Menschen vcrborgen, diese selbst zu dem ihnen verhüllten GotteSziele hinleitet. In allen Strömungen der Zeiten lenkt der barmherzige Gott seine Menschheit, in allen Unwettern, die. sie zu vernichten drohen, zeigt sich dem Gott schauenden Auge sichtbar das gnadenvolle Zeichen seiner Liebe, die nicht den Untergang will, und ״die den Stämmen Israels zugesicherten Verheißungen bleiben ein ewig unverrückbares Wort." In allen die Welt bewegenden und sie in ihren Grundvesten erbeben machenden Ereignissen gewahrt eS die GotteSspur, erkennt es einen steten Fortschritt zu dem Heile, zu dessen Verkünder Gott Israel erkoren und dereinst Seinen Gesalbten entsenden wird. Die dem Gottcsreiche Widerstrebenden werden durch ihre eigenen Mittel der Gewalt vernichtet, während sie in! Triumphgeschrei dahinstürmen zur Vcrtilgung der Schwachen. Wenn darum auch alle Be׳ dingungen des irdischen Wohlseins geschwunden zu sein scheinen, inmitten einer in Noth und Verzweiflung vcrgehenden Welt, wissen wir die innere Nahe und den lauten Jubel zu sindcn in Gott, den wir als den Herrn und Richter, aber auch als den allliebcnden Vater der Menschheit erkennen, in dessen Dienst wir uns zu jeder Zeit gerufen wissen, der uns zur Höhe emporhebt, uns in dem Höhenflug unseres Geistes den Sieg verleiht über alles Trübsal der Zeiten. So weichet auch auS unserer Brust der Zweifel, so bleibt auch unser Blick klar, so erfüllt auch unser Herz ewiger Jubel, so bewegen auch wir uns stets auf der Höhe, wohin die Verzweiflung nicht dringt, so erfaßt auch uns die Gottcsbegeisterang, und wir jauchzen Ihm stets aufs Neue zu, der uns zum Herold seines der Menschheit gcoffenöarren Gesetzes bestellt Hst und wir erneuern Ihm das Gelöbniß der Vater: כל אשר דגר ד׳ געשה, Fanatismus. (Fortsetzung.) Ein anderes Beispiel auS dem Gemcindclcben. Einige neuerungssüchtige Gerneindcmitgtiedcr regen eine Revision der althergebrachten Liturgie an und sindcn mit dieser gerade nicht mehr sehr neuen glücklichen Idee Auklang, sowohl bei den Herren Vorstehern und Repräsentanten, wie auch bei dem thateudurstigeu Herrn Rabbiner. Vergebens erheben die Gemeindemitglicder A., B. und C. ihre Stimme gegen diese sogenannte Hebung und Reinigung der Gottcsverchrung. Vcrgcbens machen sie auf die Ungesetzlichkeit einer solchen Reform aufmerksam. Vergebens weisen sie auch die Thorheit nach, die einem derartigen Vorhaben inncwohnt, da kein Vernünftiger und für unsere Liturgie das nöthigc Verständniß Besitzender ernstlich behaupten kann, daß die Ausmerzung einiger Gcbettheile eine Läuterung und Hebung des Gottesdienstes involvirt. Sie legen freimüthig diese ihre von der Mehrheit der Gcmeindemitglieder allerdings abweichende Ansicht dar, sie greifen damit Niemand au, beleidigen Niemands sie sprechen lediglich ihre religiöse Ueberzcugung aus. Im Grunde befinden sie sich ja auch in der günstigeren Position. Sie verlangen nichts Neues, sondern nur die Erhaltung des seit jeher in der Gemeinde Bestandenem. Aber es erhebt sich ein Sturm von Anklagen und Verunglimpfungen gegen die kleine Minderheit. Sie wird als fanatisch und intolerant ftigmatifirt und kann vom Glücke sagen, daß man sic nicht in Acht und Bann erklärt. Selbstverständlich wird die geplante Reform vorgeuommeu. Was geschieht' von Seiten der Herren A., B. und C.? Brechen sie jeden Verkehr mit den Anderen ab? Kündigen sie ihren Klienten, welche den umgewandelten Gottesdienst besuchen, den Kredit auf? Fluchen sie den ncuerungssüchtigen Mitbrüdcrn, schelten sie mit ihnen, häufen sie Schmähungen auf deren Haupt? Gott bewahre. Nachdem sie das ungesetzliche und thörichtc Beginnen nicht zu hindern vermochten, haben sie sich in das Unvermeidliche gefunden und sich lediglich darauf beschränkt, am Sabbath und au Festtagen in ihren: Hause sich zu vereinigen, um nach altgewohnter Weise zu beten. Nun aber läuft das Maß ihrer Sünde über. Wer in der Gemeinde noch bis jetzt ein mildes Urtheil für 'sie hatte, ist nun vollständig von ihrem wüthenden Fanatismus und ihrer alle Grenzen über-