Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 14-15 (9.4.1885)
- Article
- [Rezension] / R.....l.
- Date
- 1885-04-09
- Page
- 230 (sequence 3)
- Language
- German
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- spine
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230 Wir müssen cs uns versagen, an dieser Stelle eingehender ans jene Kapitel cinzugchen, in denen der Autor die gesammte gegnerische Literatur einer grüud׳ lichen Kritik unterzieht und sänimtliche gegen die Schechita geltend gemachten Argumente schlagend wider׳ legt. Wir verweisen die geehrten Vcfci* auf die Vcftüvc des Werkes selbst. — In den! Schlußkapitcl bespricht sodann der Herr Verfasser ״das religiöse Moment". Dcw Gleiche, welches schon einer der geehrten Herren Mitarbeiter des Ieschurnn" in Nr. l l dieses Jahrganges in einem kleineren Aufsätze ״'Noch ein Wort über die Schacht frage" betont hat, wird hier, nur in ausführlicherer Weise, insbesondere mit -Heranziehung des lichtvollen Kommentars von Samson Raphael -Hirsch zu!!. B. M. ±i, 3ח, l!l. B. RN. ll, 45. 4(>, sowie des herrlichen EHoreb Kap. <;8 dargelegt. Wir erlauben uns, von der eben erwähnten, auch vom Verfasser wörtlich wiedcrgegebcncn Stelle ans dem Ehorcb die Schlußworte anzuführcn, mit rvelchen Samson Raphael -Hirsch seine erhabene und herrliche Betrachtung über die Speisegcsetze beschließt: ״— Doch meine Kcmnnißarmuth muß sich wohl schämen, also — vielleicht zu träumen. -Hoch über solche Träume, auch des kcnntnißreicheren, ja -reichsten erhaben, steht aber unseres Lebens Thora-Gesetz, uu wandelbar, wie das (besetz, nach dem die Gestirne ziehen, wie das Gesetz, nach dem das Samenkorn sich entwickelt: denn es ist derselbe Gott, der dort das Gesetz zwingend setzte und hier unserem Veben das Gesetz zur freien Erfüllung schrieb. — So wie jene Gesetze unwandelbar bestehen, wie wandelbar auch der Mcnschen Ansicht zu ihrer Erfassung sein möge, also ist auch solches Streben hier nur Aufhellung des Gesetzes für unser Auge, und Miiaufnahinc desselben als Thatsache. Zur Erkenntniß der Natur und unserer selber, nimmer aber Begründung derselben; denn hier wie dort steht uns als Gründer — Gott!" ״Dieses Bewußtsein" — fährt dann der Verfasser vorliegender Schrift fort — ״daß Gott cs ist, der durch seine Gebote im Allgemeinen und durch die hier in Betracht komineudcn Vorschriften insbesondere uns zur- -Heiligung erziehen will, dieses Bewußtsein ist und bleibt für uns die einzige wahre Begründung des Schachtend. Dieses Bewußtsein war cs, welches uns den vcrtrauensvollen Muth gab. das Zeugniß der gefeiertsten Träger der Wissenschaft allezeit auzurufcn, sobald man diese fundamentale Institution unseres Gemeinde- und EinzcllcbcnS anzutasten versuchte. Dieses Bewußtsein aber ist es auch, welches jede Abweichung von unseren Vorschriften, jede Konzession an die Willkürlichkeiten dieses modernen Thierkultus als ein Attentat auf die göttliche Majestät unseres Gesctzeshciliglhunis vernrthcilcn würde. Unsere Rabbinen sind — wie ihr Name sagt — die Lehrer, nicht die Reformatoren dieses Gottesgcsctzes. Sie sind keine Priester, die Dispens von diesem Gesetze ertheileu und ein anderes an seine Stelle treten lassen könnten. Es gicbt für diese Gesetze Gottes, wie für diejenigen in der Natur, kein irdisches Tribunal, welches ihre Abrogirnng dekretiren könnte. Man kann den Juden, den Bekenner« der Muttcrrcligion aller monotheistischen Bekenntnisse die religiöse Duldung versagen, mau kann ihnen die religionsgcsetzlich vorgeschriebene Tödtung ihrer Thiere und damit jeden Flcischgcnuß verbieten, aber man kann nicht von ihnen verlangen, daß sic diesem Gewaltakt durch Fälschung ihres GotteSgesetzes einen trügerischen Schein von Legalität verleihen sollen. Dieser Insinuation machen sich aber alle Diejeuigen schuldig, welche unser treues Festhalten an unser» Neligionsgcsetzen mit Herrn Bauwerkcr ״einen starrsinnigen, einer Reform unzugänglichen Buchstabenkultus" zu schmähen die Stirne haben. — Doch die Unmöglichkeit, dieser Anmaßung gegenüber den Rücksichten des Anstandes und Verstandes irgend welche Würdigung zu sichern, ist bereits wiederholt betont worden. Wenn die Juden sich auf ihre Religion berufen, so sind sie Buchstabeukncchtc, verweisen sic auf die Aussprüche der Wissenschaften, so stützen sie sich aus dieselben, mit demselben Eifer, wie aus ihre Bibel, ihren Talmud." (Bauwerkcr, Seite 19.) Erst wem! die Juden den Forderungen der Neligiou und Wissenschaften Valet sagen und auf die Aussprüche des Herrn Bauwerkcr wie auf ihre Bibel, ihren Talmud schwören, werden sie auch Gnade bei Herrn Bauwerkcr und Konsorten finden. — Sic werden daher auf diese Gnade verzichten müssen. Möge cs das letzte Mal sein, daß Juden -die freie Ausübung ihrer Religion erst von der Approbation der Wissenschaft abhängig gemacht wird. Denn wenn auch das Jndcuthnm und seine religiösen Satzungen durch eine' so glänzende Approbation von so maßgebender Seite in der Bcnrtheiluug der nichtjüdischen Welt nur gewinnen können, so wiegt dieser Gewinn doch die Schmach nicht 'auf, welche die bloße Noth- Wendigkeit eines solchen Schrittes der ganzen Zeit an- - heftet, in der die Freiheit der Gewissen von derartigen Bedingungen, abhängig gemacht wird. Wunden schmerzen inimer, auch ans Seiten des Siegers. Diese Zeilen wollten durch eine frcimüthigc Würdiguug dieses verwerflichen GcbahrmS cs jedem Gebildeten ermöglichen, ihm entgegen zu treten; mögen sie diesen Zweck in ausgiebiger Weife erfüllen!" Auch wir schließen uns diesem Wunsche des Verc > fasscrs an. Möge die Schrift die ihr gebührend-