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Jeschurun · 1885-04-09 · Heft 14-15 (9.4.1885) · p. 229

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 14-15 (9.4.1885)
Article
[Rezension] / R.....l.
Date
1885-04-09
Page
229 (sequence 2)
Language
German
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Schlachtsrage". Zunächst erklärt Verfasser, daß die Frage nach einem möglichsr schmerzlosen Schlachtverfahren trotz der von teilen der Thicrschntzvereine seit einer Reihe von wahren gepflogenen eifrigsten Diskussionen dieans den heutigen Tag noch unbeantwortet gcdlicdcn sei. da einerseits die sachkundigeit Mitglieder der Thicrschntzvereine, von denen ja die Frage angeregt — um von km GroS der Mitglieder ganz zu schweigen — nicht kompetent seien, dieselbe definitiv zu entscheiden, andererseits nicht die größere oder geringere Qual des SchlachlthiereS, sondern vor Allem das religiöse Moment, worüber doch die Thierschntzvereiue gewiß tlicht zu nrtheilen im Stande seien, bei der Lösung der Frage in Betracht kontme. Wenn also trotzdem und alledem die Thicrschntzvereine ihr Votum in der Frage abgegeben, und vor Allem sich mit Entschiedenheit gegen das Schächten wenkit, so wären die von verschiedenen Seiten gegen diesen Thier-- schntzeifcr ansgcfprochcnen Verdächtigungen berechtigt, nnd zwar dies um so mehr, als eben die Thierschutzcifcrcr — wie. dies in der Schrift sehr richtig des Weiteren auseinander gesetzt wird — sich die größten Jiikonscqncnzcn zu schulden kommen lasseit, so daß ihr ganzes Verfahren kaum mehr als für sentimentale Redseligkeit nnd ein bischen Hetzerei zn erklären sei. Rach der Ansicht des Autors habe die Agitation gegen das Schächten ihren Ursprung in der Berslimninng und Verbitterung der Thierschntzvcreine über die vielen erfolglosen Gesuche und Petitionen, welche dieselben seit ihrem Bestehen den Regierungen, Behörden nnd Parlamenten unterbreiteten. Man hoffe nun wenigstens noch vom Allcrwelrs-Prügclknabcn, dem Juden, Lorbeeren zu holen. Den Beweis für diese letztere Be- Häuptling erbringt Verfasser im zweiten Abschnitt, ״Die Agitation gegen das Schächten" ans der Thatsache, daß die Anti Schächt-Apostel, nachdem ihnen durch die Gutachten der ersten Autoritäten der Veterinärkünde und Physiologie der ohnehin schon fadenscheinig gewordene Vorwand des ThicrschutzcS genommen, cs mit dürren Worten erklärten, daß für sie der Angelpunkt der ganzen Frage darin bestände, ob den Israeliten auch hierin eine AnSnahmssiellnug eingeräumt werden solle, die sie auS ihrer׳ Religion hcrlciten. So geschah cS zunächst in der Schweiz, dem Verde der ganzen.Bewegung, wo obige Parole der in Bern erscheinende .,Bund" ausgab; ijjm folgten Der־ schicdcnc Zeitungen in der Schweiz und in Deutschland. — Darauf gicbt Verfasser folgendes kurze Rejnrrm über die wissenschaftliche Beleuchtung, welche die Schächlsragc bis jetzt erfahren hat: ״Die verschiedenen Thierschntzvcreine stellen nun schon seil einer Reihe von Jahren das Schächten als | eine Thicrguälcrei hin, nnd suchen ein Verbot desselben i zu erwirken. Daraufhin haben die größten Physiologen! und Veterinäre Europas bereits 1887 in eingehend moNvirtcn Gutachten erklärt:! daß das Schächten ebenso gut ist als alle anderen Schlachtmethoden «Gamgec, Bonley), daß das Schächten dem Thierc iin Allgemeinen nicht mehr Schmerzen verursacht, als die meisten bei den Christen übliche׳.! Schlachtnrethoden, aber dm großen Vorthcil der Sicherheit für sich hat, trotzdem es weniger Gewandtheit nnd Körpcrstärke von Seiten des Schächters beansprucht (Probstmayr, Gerlach, . Zanggcr, Leiser in g, Hanbner), daß das Schächten weniger schmerzhaft ist, als die übrigen Schlachtmcthoden (Lnndberg, Kinberg, Baggc, Hannover, Panum, Adam, Steerstrupp), daß das Schächten besser ist, als 'Kopfschlag und irgend eine andere Tödtnngsart (Thierncssc, Birchow, Ercolani nnd zum Thcil auch Adam), daß das Schächten zur humansten, am wenigsten qualvollen Schlachtmethode gehört, die allgemein eingcsührt zu werden verdient (Gerlach), daß, darin stimmen Alle überein, beim rituellen Schlachten mit irgend einem Scheine des Rechts von Thiergnälerei keine Diebe sein kann." Die Wirkung dieser Gutachten war jedoch nur eine vorübergehende. Die Erfindung der Bonterole forderte zn ernenteni Kampfe gegen die Schcchita auf. Wiederum mußte indcß der Mund der Schcchita- Gegner verstummen durch die theilS von denselben Fachmännern, theils von neu hinzngctretenen in den Jahren ר S75 und 187.8 zn U 110,1111 [ten der Bonterole nnd zn Gunsten des Schächtens abgegebenen Gutachten. Erst in neuerer Zeit gab die Erfindung der Schußm aske einen neuen Borwand, die Agitation gegen daö Schächten mit erneuter Energie anfzunchmen. Man war dabei so vermessen, die wisscnschastlichen Gutachten so gut wie zu ignorircn. Selbst die abschlägige Bescheidung einer vom Vorsitzenden des Dresdener Thicrjthutzvercinö an das königlich sächsische Ministerium gerichrcten Petition um Abschaffung dcS Schächtens machte nicht nur keinen Eindruck, sondern gab sogar, wie dies die Rede des Dclcgirten Schäfer (Dresden) ans dem Wiener Thierschntzkongreß im Jahre 1883 bewies, zu den schlimntstcn Verläniildnttgen und böswilligsten - Jnsinnationen Veranlassung. — — — . ES folgt nun in den Kapiteln IN, IV und V eine eingehende Besprechung und Widerlegung sünnntlichcr bisher gegen daS Schächten gemachten Bedenken an der Hand von Buuwcrkcr's General-Bericht über die Verhandlungen des 'IX. internationalen Thierschuh- Kongresses in Wien, wo ja natnrgeruäß die Hauptpunkte zur Sprache gebracht worden sind.

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