Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 14-15 (9.4.1885)
- Article
- Das Verbot von basar be-chalav
- Date
- 1885-04-09
- Page
- 221 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2932754-2933101-2933116-2960507--18338-2960558- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
221 Ernährung und Fortpflanzung noch die Aktivität eines Linnen- und Bewegungs- (Nerven- und Muskel-) Leibes, so wird es: ein Thier. In der Thal treten auch bei den höheren Thicrcn diese beiden im Thier organismus verbundenem Systeme, das vegetative und das animalische, gleichsam in zwei gesonderten (gebieten hervor. Das Zwergfell scheidet den Thierleib in ein vegetatives Reich der Ernährung und Fortpflanzung und in ein rein animalisches Reich der Bewegung und der Sinne. Es steht jedoch beim Thierc das Animalische, es stehen die Sinne und die Bewegungen ganz im Dienste des Bcgatativen. Die vegetativen' Zwecke der Ernährung und der Fortpflanzung sind die einzigen Ziele, für welche der Thicrsinn tvahrnimmt, und die Bcwegnugsmuskel des Thieres strebt. Das Thier ist nichts als lebendig gewordene Pflanze. Der Stoff nun, in welcher die vegetative Seite des Thicrlcbens sich am prägnantesten karakterisirt, ist: Milch — - (sic ist ansgeschiedener Nahrungsstoff für den Fortpflanzungszweck)---, während Fleisch das Spezifisch-Animalische vcrgcgenwürtigt. Das Animalische und animalisch Bcgetalive in innigster Durchdringung, wie cs בשר מבושל נהלב barfteüt, ist: Thierheit, cs ist: Sinn und Bewcgnng in Unterordnung unter die Zwecke und Reize der Ernährung und des geschlechtlichen Lebens. -Diese physiologische Bedeutung, in welcher die beiden Stossc hier anftrcten, erklärt noch eingehender deren Bezeichnung als נדי und הלב אמו. Anders der Mensch. AuA in seinem Wesen treten beide Systeme zusammen, auch ihn! wurden die Ernährnngs- und geschlechtlichen Zwecke der Pflanze, Sinne und Bewegung, des Thieres, auch sein inneres Drganismns zerfällt in ein vegatatives und ein animalisches Reich; ihm aber ward noch ein drittes zugetheilt, das ihn eben als Menschen karakterisirt: es ward ihn: der Gotteshauch, der sich über die thierischcn Sinne als ...verstehender" und ״vernehmender" Geist, und über die thierische Bewegung als sittlich ״freie Willenskraft" erhebt, uitd beides, das Vegetative und das Animalische seines Wesens, ״menschlich" zu beherrschen fähig und bcstinlint ist. Im Menschen sollen Sinne und Bewegnng. nicht der Herrschaft der Ernährung und des geschlechtlichen Lebens verfallen. Wie in seiner ausgcrichtctcu Gestalt räuntlich das Vegetative dem Aniiualischen untergeordnet erscheint, und über Beiden sich das menschliche Haupt himntelwärts erhebt, also sollen auch seine animalischen Kräfte nicht ״abwärts" den vegetativen Zwecken und Reizen verfallen. In ihm soll das Vegetative dem Aniiualischen und beide sollen dem Mcnschcngciste sich nnterordnen, der sie und sich, mit göttlich freier Energie, im Dienste des freien einzigen GotteS, zu dessen Herrlichkeit sich sein -Haupt erhebt, und dessen Wollen zu verstehen und zu vernehmen er fähig ist, zu beherrschen und zu teitett berufen ist. In eine ganz andere Beziehung hat daher sowohl das Animalische: Fleisch, als das animalisch Vegetative: Milch, zu einander und zum Menschenorganismus bei ihrer Aufnahme in diesen zu treten, als sie im Thierorganismus inue hatten, dem sie. bis. dahin angehörtcn. Nicht sich gegenseitig zu durchdringen, sondern beide sich dem ״Humanen" unterzuordlien und sich voll dem geistig-sittlichen Menschenwesen durchdringen und leiten zu lassen, ist fortan ihre Bestimmung. Zur Ausnahme in den Menschen-Orga-. lüsmus geeignete Fleisch- und Milchstoffc. בשד בהמה טהורה und הלב בהמה מהודה, durch Kochen ineinander verbunden, sprächen sonlit das Gegcntheil der Menschenbestimmnng, die schärfste Höhnung des 1^^-GcsetzeS für den Menschen ans, indem eine solche Mischnng das sittlich freie Menschenwcsen ans die unfreie Stufe der Thierheit hcrabsetztc; eine solche Mischung darf daher nicht nur nicht hcrgestcttt werden, איפור בישול, sondern muß überhaupt außer der Existenz für Menschcngennß und Benutzung, איבוד אהילה והנאה, gebracht werden. Fassen wir den איסור בשר בחלב nunmehr im Zusammenhänge mit dem ihm im Satze vorangehenden ראשית ביכורי אדמתך הביא ונוי ans, jo spricht das Gesetz in diesem Znsatnmenhangc sich dahin ans: Alles, was auf dem Acker und im Felde für den Gennß des Menschen reift, soll in Unterordnung unter und in Hingebung an das göttliche Gesetz seine Bestimmung und Weihe finden, nicht aber sott umgekehrt der genießende Mensch an diesen Genuß sich hingcben, in ihm seine Bestimmung und Aufgabe jinden. Alles für den Genuß reifende Irdische soll zum Göttlich- Menschlichen gehoben werden, nicht aber das göttlich Menschliche zum thicrisch Genießenden hinabstcigen. Eine Warnung, die endlich in innigster Beziehung zu dem הג האסיף, zu dem Erntefeste, dem dritten der Wanderfeste, stehen dürste. Nicht darum hat Gott den Kreislauf des Jahres geleitet und schüttet nun seinen Segen in den Schooß des harrenden Menschen, daß diesen mm der Genuß thicrisch hinabziche, sondern daß das, was unter der physischen Sonne gereift und gcdiehen, nun einzieht in den Kreis des Menschenlebens, aus dem Gebiete des unfreien physischen Seins hincingehoben werde in die Sphäre der sittlich freien Menschenthal. Würde נדי, das durch den Segen der Natur erzeugte Animalische, auch in Händen des Menschen wieder מבושל בהלב אמו, wieder seine Bestimmung und Vollendung in der Dahingcbnng an das vegetative Ernährnngs- und Geschlechts-Leben finden, so würde der ganze Kreislauf des Jahres um seine Bestimmung gebracht, das ganze Erdenleben begönne und schlösse im unfreien physischen Zirkel, und es soll doch, wie die Altarhöhe und die Jakobsleiter, ans dem irdischen