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Jeschurun · 1885-04-09 · Heft 14-15 (9.4.1885) · p. 222

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 14-15 (9.4.1885)
Article
Das Verbot von basar be-chalav
Date
1885-04-09
Page
222 (sequence 4)
Language
German
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222 Grunde zur freien Höhe sittlicher Menschenvollendung cmporblühen. Wem ein Verständniß für die Tiefe dieser Ausfassung nicht gänzlich mangelt, der wird davor zurückschrecken, dem göttlichen Gesetze mit frivolem und wohljeilcnt ־Spotte entgegenzntreten. Der wird aber auch bewundernd stehen bleiben vor dem gewissenhaften Ernste! des jüdischen Volkes, welches dieses "»-.;27״-Gesetz seines Gottes durch die Anordnung seiner großen Führer in alle Fugen des alltäglichsten Vcbnio getragen und sich von ihm ermahnen und leiten läßt in jedem Augen blicke dcS hienidigen Daseins. Nihilismus und Iudenthum. Von Friedrich R o t t. r'lllc :Hcittc i'ovbcbaltcn.) (Fortsetzung.! ״Das habe ich auch gedacht. Aber wohin soll er?" ״Vor Allem über die Grenze, in ganz Rußland giebt eS keilten Ort, an den! man;ihn sicher glauben könnte; wohin er sich dann wenden soll, das mag er später überlegen." ״Aber wie kann er über die Grenze? er hat keinen Auslandspaß und so rasch ist ein solcher - nicht zu erlangen." ״Das ist wahr, er hat keinen Auslandspaß — und ohne Paß? — daS wäre auch gewagt. — Lassen Sie mich die Sache überlegen, wir müssen ja doch einen AuSweg finden." LewinSki nickte zustimmend; ruhig tag er da. und blickte erwartlingSvoll aus den Schwiegersohn, der mit der Hand an der Stirn sinnend im Sessel lehnte. Er hatte unbegrenztes Vertrauen in die Einsicht in die kaltblütige Nahe des noch so jungen Mannes,. und dieser wußte das in ihm gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen. Schon nach wenigen Minuten ließ er die Hand sinken und hob das Haupt. ״Ich hab'S," sagte er, ״so wird'S gehen." LewinSki richtete sich halb auf und blickte in athemloser Spannung zu ihm empor. ״Sie wissen," fuhr Alexander fort, ״oder vielleicht wissen Sie'S nicht, daß der alte Person vorige Woche in einem kleinen Städtchen am Rhein gestorben ist. Er war schon längere Zeit leidend, und sein Sohn MoseS, der bei uns im Geschäfte ist, wollte deshalb zu ihm reisen. Auf MoseS' Ersuchen habe ich mich für ihn um einen Auslandspaß bemüht; doch bevor ich ihn erlangen konnte, kam die Nachricht vom Tode seines VaterS. Gestern erhielt ich den Baß, doch der junge Person denkt selbstverständlich nicht mehr daran, zu reisen. Auf diesen Paß könnte Ignaz, wenn er sich Haar und Haut dunkel färben würde, anstandslos über die Grenze gelangen, im Wuchs gleicht er dem jungen Person. Würde er seine französische Toilette mit der russisch-jüdischen vertauschen, so wäre er auch vor dem Erkanntwerden bei einer eventuellen Begegnung mit seinen bisherigen Freunden einigermaßen geschützt." LewinSki drückte seinem Schwiegersohn die Hand: ״Gott segne Dich, mein Sohn, in dieser Weise wird es mit Gottes Hülfe gelingen, ihn zu retten. Aber wann müßte er abreifen? und wohin?" ״Um 7 Uhr 45 Minuten geht ein Zug vou hier nach Eh...., diesen müßte Ignaz benutzen." ״So bald schon? ich weiß nicht, wie das möglich sein wird. 23ic könnte er auch nur so rasch sich unkenntlich machen?" ״Dafür lassen Sie mich sorgen. Eine Waschung mit verdünnter Jodtinktur färbt in wenigen Minuten seine Haut, eine dunkele Haarpomade eben so rasch sein Haar, einen Kaftan werde ich von dem jungen Person selbst entlehnen. Auch daS Reisegepäck, das nur sehr unbedeutend sein darf, und seiner Toilette entsprechen muß, werde ich besorgen, er muß es an der Grenze öffnen, deshalb ist Vorsicht bei demselben geboten." ״Wie Du so rasch an alles denkst," sagte LewinSki, die Hand an die Stirn pressend. ״Sie müssen ihn hier für längere Zeit mit Geld versehen," fuhr Alexander fort, ״doch würde ich empfehleu, ihm nur daS Reisegeld einznhändigen, größere Beträge etwa in Wechseln oder Banknoten könnte der alte Jankel ihm in den Kaftan einnähen." ״Ja, ja, Du hast Recht, in Allem Recht," entgegnete LewinSki hastig. ״Und nun ist auch die Stunde vorüber, die er sich als Bedenkzeit erbeten, nun muß er sich entschließen." Er erhob sich rasch und ohne jegliche Anstrengung,, und wie mit jugendlicher Raschheit verließ er das Zimmer, um sich, zu seinem Sohne zu begeben. Alexander blickte ihm staunend nach; doch auch er mußte sich beeilen, um, was er versprochen, bereit zu' halten. LewinSki trat in daS Zimmer seines Sohnes. ES war noch in der Trauerwoche. Ignaz saß am Fußboden, die Ellenbogen auf die Kniee gestemmt, mit den Händen stützte er das Haupt, feirc Augen waren geschlossen. Im Hereintreten glaubte der Vater, er schlafe, doch die Thür hatte in den Angeln geknarrt, Ignaz.schlug die Augen auf; als er den Vater erblickte, erhob er sich und ging ihm entgegen; inmitten des Zimmers standen beide einander gegenüber, keiner sprach ein Wort, doch LcwinSki's Blick haftete fragend an dem bleichen Angesicht des Sohnes. Dieser neigte

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