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Jeschurun · 1885-03-26 · Heft 13-14 (26.3.1885) · p. 197

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 13-14 (26.3.1885)
Article
Der Antisemitismus des Philosophen
Date
1885-03-26
Page
197 (sequence 3)
Language
German
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197 zu wohnen, i. sie haben sich in gleichmäßigen Verhältuissen verschiedenen produktiven Thäligkeircn ansschließlich zu widmen, -k. sie haben sich jeder politischen Tbäugkcit ganz zu enthalten, jedenfalls aber!. sich aus die bestehenden Fraktionen zu vertheileu. Das ist die Harlmanusche Lösung der Judenfrage. Das wagt Hartman» als deutscher Philosoph — er betont diese seine Eigenschaft ganz ausdrücklich — im neunzehnten Jahrhundert auspisprechcn! Da wäre denn doch die ״Lösung der Jndenfrage" nach der Manier der von Wodka inspirirten Kazapten humaner und cmpfehlenswerthcr. Diese mit dem Studium dieser interessanten Frage cifrigst bemühten Philosophen der russischen Steppen kamen nut Hartmann zu demselben Resultate der Vernichtung der Indern Aber sie waren nicht so grausam, von den Juden das Anerkennlniß dieser ״logischen Konsequenz" und die Sclbstvcrachtuug zu verlangen. Sic waren einsichtig genug, um das Unstatthafte eines solchen Geständnisses zu würdigen und sühltcn zu edel, um die Juden zum Selbstmord aufzusordern. In großmüthiger Gesinnung unterzogen sic sich selbst des mühsamen Geschäfts, die Juden todt zu schlagen. Hartmanu aber verlangt von den Juden zunächst das Geständnis; der Berechtigung des Antisemitismus und sodann deren Selbstmord. Denn dieses und nichts Anderes ist der buchstäbliche Inhalt seines Ultimatums. Erkennt die Rothweudigkcit eures Untergangs vor den Augen der Welt an irird vollzieht denselben au euch — weigert ihr euch dessen, so brechen über euch ״Katasiropheu" herein. Ihr habt also gar keine andere Wahl, als zwischen Vcruichtetwerdcn oder Selbst- Vernichtung. ׳Run wahrhaftig, so viel Dankbarkeit dürfen wir wohl von euch erwarten, daß ihr das Letztere wühlen werdet, um uns, euren Herren Wirthen, die uuangenehnte Nothwendigkeit und Mühe zu ersparen, euch zu vernichten. In der Thal, die Lösung der Judeufragc nach Kazaptischcm Rezepte ist für die Juden annehmbarer. Sie haben dieses bewiesen. Als in vergangenen Jahr- Hunderten fanatisirtc Horden in die friedlichen Judengassen einbrachen und vollständig nach Hartmaun'schcr Methode an die Juden das Ultimatum richteten: hört freiwillig auf, Juden zu sein, oder wir machen eurem Dasein ein gewaltsames Ende, da zogen die Inden den Tod von' Mördcrhand vor, und mit den! sauten Bekcnutniß ihres Jndenthnms ans der ersterbenden Zunge ließen sic sich erwürgen, erschlagen, rädern und ver׳ brennen — Männer, Weiber, Greise, Kinder. — Die heutigen jüdischen Deutschen sind keineswegs ein so entartctcr Stamm geworden, daß sic der elenden Riederlrächiigkeit fähig sein könnten, das Hartrnauwsche Üttimatum anzunehmen. Es lebt noch so viel Selbstachtnttg nud Manncsmnth in ihnen, diese Hartmannschcn Punktotionen zu zerreißen und dem antisemitischen Uutcrhäudlcr vor die Füße zn wcrsen: bestelle deinem Herrn, der Jude sei nicht nichtswürdig genug, um sich solcher schmachvoller Aufforderung zu fügen; — er rücke nur immer heran mit seinen Söldlingen und mehle uns nieder, — der Jude stirbt, aber er prostituirt sich nicht. — — Wir scheiden von dem Hartinann'schen Werke, nachdem wir gezeigt haben, wie dasselbe jeder Wissenschaftlichen Basis ermangelt und zu der nicht eben geringen Zahl der ganz gewöhnlichen Jndcnhch-Pamphleten gehört. Hartmann hat den wenig rühmlichen Kunstgriff angcwendct, sich willkürlich Thaisachen zu konstrniren, die gar nicht vorhanden sind, um ans denselben Schlüsse zn ziehen, welche er zur Befriedigung seiner antiscmitischcn Gelüste gebraucht. Wir haben seinem Gebäude den Grund entzogen, indem wir dargethan, daß ein Kamps;wischen Inden und Richtjndcn nicht vorhanden ist, da wohl die Inden von antisemitischen Deutschen angcscindct werden, aber der jüdische Stamm keine Feindseligkeit gegen die übrigen deutschen Stämme hegt und bethätigt, — daß die Antisemiten nicht identisch sind mit dein deutschen Volke, — daß die Bcschuldigung einer geplanten jüdischen Weltherrschaft und Unterjochung aller nichljüdischen Stämme seitens der Inden ein leeres Hirngespinst, eine bodenlose, ungeheuerliche Unwahrheit sei, — daß die Bezeichnung der jüdischen Deutschen als Gastoolk aus deutscher Erde von der Geschichte Lügen gestraft werde, ----- daß der jüdische Stamm sowohl durch seine Vergangenheit wie seine (Gegenwart berechtigt sei, sich' zu den edelsten Geschlechtern der Menschheit zu zählen, — daß ein Konflikt des jüdischen Slammesbcwnßtseins mit dem deutschen Nationalgefühl nicht cristirc. Von dem Hartmann'schcn Werke bleibt nichts übrig, als der rohe, blöde Antiscnlitismns seines Verfassers, 'welchen wir ebenso wenig fürchten, wie die Stöcke Esche und Marr'sche Gegnerschast. Das ״naive" Volk, wie Hartmann in stolzer Selbstüberhebung spricht, ist vorurthcilsfreier, ver-!!üuftiger und edler als Diejenigen, die sich zu seinen Stimmführern aufwersen möchten. Sollte cs aber, was Gott gnädig verhüten möge, sich dennoch zur Herbeiführung von Hartmann'schcn ״Katastrophen" verführen lassen, so wüßte der jüdische Stamm auch diese zn bestehen. Das bezeugt seine Geschichte. Die Erziehung des Menschengeschlechts wird nicht nach Hartmann'schen Theorien geleitet, der von ihm geleugnete allmächtige Gott lenkt sic nach seinem Weishcitsplan. Nicht gegenseitig? Vernichtung und Untrrjochung der Nationen ist deren Aufgabe, sondern brüderlichc Vereinigung unter Anerkennung des Alle» gemeinsanren Herrn und Paters.ist das Ziel der Geschichte.

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