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Jeschurun · 1885-03-26 · Heft 13-14 (26.3.1885) · p. 196

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 13-14 (26.3.1885)
Article
Der Antisemitismus des Philosophen
Date
1885-03-26
Page
196 (sequence 2)
Language
German
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semitischen Güster 11ץי »crgnügcn pflegen, Mephistopheles tanzt mit allen in ungebrochener Lust. Da ist der ״jüdische Gymnasiast", der ״jüdische Großstädter", der ״jüdische Parvenü", der ״jüdische Mediziner", der ״jüdische Stadtverordnete", der ״jüdische Journalist", der ״jüdische Großgrundbesitzer", der ״jüdische Geldaristokrat", der ״jüdische Betrüger", der ״jüdische Wucherer", der ״jüdische Banlcrottcur", die ״jüdische Schmarotzcrbrnl" und wie die Teufel und Hexen großen und lleincu Kalibers sonst heißen, mit welchen ein rcgclrechter A.nliscmitensabbath nach bekannten Mustern geseien werden muß. wäre ein thörichtcs Beginnen, woll-e man versuchen, in diesem tollen Spektakel zu Worte zu kommen. Hier hat der nüchterne Verstand zur Seite zu treten; die Leidenschaft will rasen — mag sie sich in unbändiger Luft tttmnteln. An Trunkenheit und Wahnwitz verschwendet man keine Worte, dem Trunkenen und Irren zürnt man auch nicht, für ihn hat man nur ein mitleidiges Bedauern. Hier nur einige Proben aus diesem Reiche umnachleten Geistes. Der ״unreelle ausbeuteudc Geschäftsmann" nennt sich das- Tableau. Immer heran, meine Herrschaften, — ruft der Erklärer — hier schauen Sie ihn in doppclter Gestalt. Da haben Sic den Christen, er ist unreell und unsolide, deshalb mißachtet, ״aber er wird doch nur als ein verirrter Bruder angesehen, der zwar bei seinen Lebzeiten das Eiuzelintercsse über das Gesannntinleresse stellt, der aber darum doch nicht hindern kann, daß der von ihm in seine Hände gespielte Theil des Nationalvermögens demselben nach seinem Tode wieder znfließt und der nationalen Arbeit und dem nationalen Kulturprozeß wieder dienstbar wird." Bewundern Sic die Gerechtigkeit des deutschen Volks, dessen Weisheit und Liebe. Der von einem Christen Betrogene und Ansgcbentctc weiß, daß nach dem Tode des Betrügers das ihm, dem Geschädigten, geraubte Gut in den großen Nationalsäckcl znrückflicßcn wird und darum läßt er sich willig betrügen und ansbemcn und liebt in den Räuber den Bruder. Erhabenes, großes Schauspiel! '— Daneben aber schauen Sie, meine Herrschaften, den jüdischen Betrüger und Ansbcuter. ״Weil nach dessen Tode der von ihm in seine Hände gespielte Theil des Nationalvermögens in jüdischen Händen und damit den Interessen des Indenthnms dienstbar bleibt," darum ״gilt er dem deutschen Volke nicht als ein einzelner verirrter Bruder." Ergötzen Sic sich wiederum an der Weisheit und Gerechtigkeit des deutschen Volks, meine Herrschaften! — — Hier haben Sie dir Fortsetzung von dem ausbentenden unreellen Inden. Das deutsche Volk, schauen Sic gefälligst, wendet ihn! seinen gerechten Haß zu. Aber blicken Sic hier zur Seite, da sehen Sic die Inden un! den jüdischen Ausbeuter und Betrüger. ״Gerade wegen der Ansbcntnngsthäligkeit müssen sie ihn loben und ehren, insofern derjelbc durch diese Thätigkeit den Sonderinteressen des Indenthurns dient." Ja, wenn er Inden ansbentcn würde, dann wäre cs etwas Anderes. Das aber wird ״aus das Sorgfältigste vermieden." Denn schauen Sie nur gmigst hier ein drittes Bild ״der jüdische Bankerotteur." Cs thnt ihm wehe, daß auch Slammesgenossen durch ihn geschädigt werden und deshalb ״bevorzugt er die jüdischen Gläubiger vor Eintritt des Konkurses"; das sehen Sie hier in der Vogelperspektive. Sie müssen sich nur den rechten Standpunkt zur Betrachtung des Bildes wählen! — Hub hier haben Sie die Moral, meine Herrschäften, bitte im Chorus zu singen die Inden hassen die Völker, weil sie sich von ihnen ansbentcn lassen, die Völker hassen mit Recht die Inden, weil sie von ihnen ausgcbentct werden! — — ״Dies alles sind ganz selbstverständliche logische Konsequenzen aus dem Vorhandensein eines jüdischen Gemeinsinns und dem Mangel eines nationalen Gemcinsinns," ruft Hartmann, der sich mit einem Male wieder erinnert, daß er das Dekorum seines Philosophenmantcls zu wahren hat. Ist es nicht traurig, solchen Gallimathias als deutsche Philosophie vorgetragen hören zu müssen? Noch trauriger aber ist es, daß die Hartmanisische Schrift sich nicht scheut, mit der Perspektive ans eine förmliche Iudenhctze als den sprecht ׳Ruprecht dem ungezogenen Indcnvolke zu drohen. Denn so und nicht anders können wir die Warnung verstehen: ״wenn man den Juden mit einem Blick zeigen könnte, auf wie nnierhöhltem Boden sie im deutschen Volke stehen, sie würden über ihre Lage erschrecken und in sich gehen, um die Versöhnung mit dem deutschen VolkSbewnßtsein zu suchen und K a t a st r o p h c n v o r z n b e n g e n, w e l ch e a u ch den b c st e h e n d e n 9k e ch 1 s z u st a n d s ch w erlich n u ־׳ c r s ch üttert l a s s en könnte 11." Und nachdem Herr Hartmann die Inden durch diese zarte freundschaftliche Mahnung genügend vorbereitet hat, richtet er an sie das folgende Ultimatissimnin: a. sic haben anzneiken׳ neu, daß die Abneigung des Volks gegen sie bis zu einem gewissen Grade berechtigt ist, 1-. sie haben die schlechten Cigenschaslen ihres Stammtypns abznschicifcn und zu veredeln, <.׳. sic haben die scheidenden Unterschiede ihrer religiösen Sitten abznlcgcn, 11־. desgleichen die Ucbcrhcbung ihres Skammesbewußtseins, 0. sie haben ihren Gemein sinn ganz in dem Nationalgefühl . der Wirthsvölker ansgehen zu lassen, t. sie haben sich die gesellschaftliche Bildung dieser Wirthsvölker an-;!!eignen, ir. sie haben für die Art ihres Vermögenscrwerbs Verzeihung zu erlangen zu suchen, indem sie die ansbenten.de Beschäftigung d. i. den Handel ans- > geben, kl. sic haben nicht in zu großer Zahl beisammen

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