Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 13-14 (26.3.1885)
- Article
- Der Antisemitismus des Philosophen
- Date
- 1885-03-26
- Page
- 198 (sequence 4)
- Language
- German
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198 Der Wahn wird schwinden und die Erkcnntniß der \ Wahrheit einzichcn in des Menschen Brust, — der Haß; wird schwinden und die Vielte zur Herrschaft gelangen j — der Krieg wird anfhörcn und einiger Friede die Menschheit beglücken. Tann wird auch ״die Inden-! frage" ihre endliche Lösung gefunden haben.- Nihilismus und IttdeuLlium. Bon Friedrich Noll. :liechte t׳orl׳el,allen.) ^.ForksctzttNlj... Um die Lippen des Grciies zuckte es schmerzlich. ״Und Du wähnst das Heil der Gesamiittheil ZN fördern'?" ״Ich habe ihm mein Leben geweiht — ich habe ihm das Leben meiner thcnrcn Mutter geopfert und ich sollte nun, Dir gehorchend, der Sache, der ich Treue geschworen, treulos den Nucken wenden'? — unmöglich!" ״Thörichtcr, verblendeter Knabe, der Du wähnst, man könne durch Verbrechen Heil erzielen, der —" ״Und bin ich's etwa allein, der dieses glaubt?" fiel Ignaz ein, ,,die grossen Männer thcilcn meinen Glauben " ״Die größten Männer —" Lewinski zuckte verächtlich die Achseln, ״darüber inill ich nicht mit Dir rechten. Doch Verbrechen bleibt Verbrechen, und könnte selbst das Heil der Well daraus entstehen. Und wenn ich, um den Darbenden zu speisen, dem Millionär nur einen Rubel raube, so habe ich doch einen gemeinen Diebstahl begangen. Ilnd Da! wolltest Blut vergießen! — Blut! — wolltest'׳einen Mord auf Dein Gewissen laden!" Das Antlitz des jungen Mannes war erdfahl geworden. ״Den Vernrthciltcn tobten heißt nicht morden." ״Wer hat verurtheilt? welcher Richter? nach welchem Gesetz?" . . Ignaz murmelte einige unverständliche Worte. ״Ich verstehe Dich nicht, doch gleichviel. Ich -wiederhole jedoch nochmals, daß ich Dir verbiete. Dich nach P.... zu begeben, und ich werde mir Deinen Gehorsam zu erzwingen wissen." Uni die Lippen des jungen Mannes zuckle es, doch er schwicg. Der Barer fuhr fort. ״Du schweigst, doch ich weiß, daß Du in diesem Moment nur darauf sinnst, wie Du am raschesten P.... erreichen kannst. — Daß Du beabsichtigst, so wie ich Dein Zimmer verlasse, mein HanS zu verlassen. — Darum thcile ich Dir' mit, daß ich morgen in denersten Tagesstunden zur Polizei gehen werde, um Anzeige zu erstatten von dem geplanten Attentat, das am 9. in P.... stattfinden soll; auch die Namen der Schuldigen werde ich angcbcn, Eherkow, Steppanowski —" Ignaz stieß einen Schrei ans und hob stehend die Hände. ״Nein, mein Later, nein, Du wirst das nicht thnn! — Du wirst Deinen Sohn nicht zum Bcrräther machen wollen, zum ehrlosen Berräthcr!" Lewinski zuckte die Achseln. ״Ich werde thnn, was mir die Pflicht gebietet: würde ich mich doch sonst zum Mitschuldigen jenes Verbrechens machen, das ich verhindern konnte." ״Und weißt Du, daß Du Deinen Sohn töbteft, wenn Du jene Anzeige erstattest? man wird mich für den Berräthcr halten und den Perräther trifft der Tod." ״Und glaubst Du, daß Du leben würdest, nachbem Du jenen Mord vollbracht? die meisten Attentäter ereilt der Arm der weltlichen Gerechtigkeit. Und weitans glücklicher jene, die schon hicnieden ihren Frevel büßen, deren Blut das Blut, das sie vergossen, sühnt, als jene, die nach vollbrachtem Mord ihr Leben retten, die dem Arm der irdischen Gerechtigkeit entgehen, um erst im Jenseits ihre Strafe zu empfangen. — Und ihr Leben hicnieden — welch ein Leben! — Du hast noch keinen Mord vollbracht, du hast ihn nur geplant und hast in Deinen Träumen doch schon das Blut gesehen, das Du vergießen-.wolltest, hast das Aechzcn der Verwundeten, der Sterbenden gehört, hast die verstnmmeltcn Leichen gesehen —" Ein Schaudern machte die Gestalt des jungen Mannes erbeben, er schlug die Hände vor's Gesicht und ächzte laut. ״Ich weiß das alles," murmelte er; ״ich weiß, daß ich keine ruhige Stunde mehr haben werde, ich weiß, daß jene Schatten mich verfolgen werden so wie ich die Augen schließe — aber ich habe gleich den Andern geschworen, die That zu vollbringen das Loos-ist ans niich gefallen, .ich wäre ehrlos, wollte ich dem übernommenen Aufträge mich entziehen — ehrlos und verloren. —" ״Ehrlos? — in den Angen Ehrloser ehrlos sein, heißt noch nicht ehrlos. — Und verloren wärest Du, wenn Du icuc Schrcckenslhat vollbracht. Doppelt, dreifach, zehnfach viclle׳cht — kannst Du doch nicht einmal berechnen, mit wie vielen Morden Du Deine Seele belasten würdest. Und Du glaubst, ich würde Dich gewähren lassen?" Ignaz hatte noch immer das Antlitz verhüllt, seine jugendlich kräftige Gestalt erbebte, plötzlich stürzte er zu Boden und umklammerte die Knie seines Vaters und flehte in den verzweiflungsvollstcn Ausdrücken, er möge ihn nicht, zun! Bcrräther werden lassen an den Genossen. Doch der Vater blieb fest. ״Und ich werde'Dir dennoch nicht gehorchen!" rief der junge Mann aufspringend, ״willst Du ver-