Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 13-14 (26.3.1885)
- Article
- Licht und Finsterniß
- Date
- 1885-03-26
- Page
- 194 (sequence 2)
- Language
- German
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104 erkoren und ihm, auch dem blödesten Augen sichtbar, seinen besonderen Lehnt? und seinen besonderen Beistand verlieben hätte. Wad Abraham begonnen, das ward von Jizchak und 3afob und dessen Löhnen, den '1 שבטי, den L kämmen des Priestervolks der Menschheit fortgesetzt, welche den venu Ahn gewiesenen ״Weg Gottes" wandelten und die Fackel der (>KNtcserlenn:niß den Bö!kern vorantrugen. Aber eine trübe Zeit war hereingebrochcn, ״Joseph und alle seine Brüder und das ganze (Geschlecht waren heimgcgangen", eine neue Herrschaft war erstanden, welche von ihnen nichts wissen wollte, ein neuer mächtiger König, der auch von Gott nichts wissen wollte. Zum Varia wurde das ״Bol! der Löhne Israels" erniedrigt, in das Lklavenjoch geschmiedet. Der kaum zum Durchbruch gelangte Lichtstrahl sollte erstickt werden. Das dem Ahn in dem ברית בין הבתרים vor Jahrhunderten enthüllte furchtbare (beschick erfüllte sich an ben Cm kein. Die kaum aufgegangcuc Lonne war wieder zu Nüstc gegangen, ein dichter Nebelschleier lagerte über der Welt, und vor Allem über den Lprößliugen Jakobs düsteres, schwarzes (Gewölk und verzehrendes Feuer. In diesen Jahrhunderten der Pein und des Elends schien auch das Vicht im Kreise der ״Löhne Israels״ dem Vcrlöschen nahe. Es bedurfte des unmittelbaren Eingreifens Gottes, um in diesen (Geächteten und Geknechten, unter der unbarmherzigen cgyptischcn Knute sich Windenden es iticht ersterben zu lassen. Gott hörte den Leuszer und den Angstschrei der Mißhandelten. אמר ה קבי׳ ה אביהם פעי1 עמי בחצי הרילה ונו׳ Gott schaute ans des Ahns Wirken hin, welcher in der Erkenniniß Gottes unter seinem Beistände den ersten Vichtstrahl wiederum in den Kreis der Menschheit getragen und die Nacht des Irrwahns zertheilt hatte, und Er trat für die Enkel ein, als die Nacht ihren Höhepunkt erreicht, בכבודו ובעצמו. Die Zwingburg fiel, die Kerkermanern öffneten sich, die Fessel ward gelöst י zur Freiheit und Letbstsländigkeit zogen die .. Löhne Israels" hinaus aus der cghplischen Ltlaverei ובני ישראל יוצאים ביר רמה, den! Hellen Lichte entgegen, das ihnen von dem Gipfel des Linai entgegenstrahlte, dem Vicble, das nicht nur ihnen lcud)tctc und ihren Geis! erhellte, das die Welt mit seinem Glanze erfüllt und endlich jenen ״wolkenlosen Tag" erstehen lassen wird, dem keine Nacht wiederum folgt. — Bis zu diesem großen Tage voller Vicht aber wechseln auf Erden noch immer Helle und Finsterniß — ist es heute licht oder düster, umfängt uns der wärmende, leuchtende Strahl oder die kalten, dunkeln Nebel der Nacht?'? בננר ד׳ בנים דברה תורה. Die verschiedenartigste Gestaltung der Zeiten und Mcnschelikaraktere hatte Gott in's Auge gefaßt, als er zum Träger seines Lichts den israelitischen Ltamm bestellte. Ganz verlöschen wird cs nimmer, selbst wenn einer Zeit der Karakter des שאינו יודע לשאול anfgedrückt wäre. In meinen Analekten habe ich die ד' בנים einer ausführlichen Erörterung unterzogen. Hier will ich mich nur mit dem vierten, dem 1ימאי"׳ beschäftigen. In der Thora finden sich vier Entgegnungen und nur drei Fragesteller. Unsere Weisen nahnten deswegen mit voller Berechtigung an, daß eine der Antworten erfolgte, obgleich kein Fragender vorhanden. Ach, eS gicbt Zeiten, in welchen man nicht zu fragen versteht, weil des heiligen Vichts im Kreise seiner Träger nicht überall mit dem heiligen Eifer einer treuen Sorgfalt gewartet wird, weil cs bei Manchen fast gänzlich erloschen und bei Bielen nur noch schwach und matt dämmert. Ehedem, als unsere Großväter und Urgroßväter noch hicnieden weilten, da gab eS keine Kreise in Israel, welche als 1שאי"׳ zu bezeichnen gewesen wären. DaS Licht der Thora leuchtete hell in den Gemeinden und Häusern, in dem Kerzen des ärmsten Hansirers sowohl, welcher jahraus jahrein mit seinem schweren Bündel auf dem Nacken von Dorf zu Dorf wandernd das vollste Maß deS Hohnes und der Verachtung cinheimste, wie in dem Geiste der Meister und Jünger der Wissenschaft. Alle Momente des Lebens waren D011 diesem Lichte durchdrungen, keiner war zu unbedeutend, als daß eS zu ihm nicht einen Strahl entsendete. Da lernte auch die hcraurcifendc Generation die verständige Frage, und schon den: eben znm Bewußtsein gelangenden Kinde drängte sich die Frage auf מה נשתנה, nach der Bedentung der frommen Uebnngen, die es im Elternhanse wahrnahm. Aber es konnte als הבם fragen. In den besonders ansgezeichneteit Seihen!omcntcn des JahreS trat ihm nicht etwas ganz Fremdartiges entgegen, sondern nur das Besondere. So hatte es ain Lederabend nur die vier Fragen zu stellen, welche in der הנדה ausgezeichnet sind. Was aber Hütte in unserer sich ״aufgeklärt" dunsenden Zeit das .Kind eines ״aufgeklärten" Eltern-, paarcs nicht Alles am Leder zu fragen! Zählt ja der Leder noch vielfach zu denjenigen religiösen Handlangen, welche auch vor der ״Aufklärung" Gnade ge> fundeu und von den ״Aufgeklärten" geübt werden. Ma nischtane? würde ein solches Kind verwundert fragen. Warum, Vater, vollziehst Du heute Abend die Händewaschnng zwei Mal, da Du doch sonst über- Haupt niemals vor der Mahlzeit solches zu thun pflegst? — Ma nischtane, Mutter, daß Du heute Abend gebetet hast, während ich Dich sonst niemals beten sah? — Ma nischtane, Vater, daß Du heute Abend mit bedecktem Haupte zu Tisch gehst, da Du sonst immer baarhänptig Dich zum Mahle setzest? — Ma nischtam,