Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 13-14 (26.3.1885)
- Article
- Licht und Finsterniß
- Date
- 1885-03-26
- Page
- 195 (sequence 3)
- Language
- German
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195 tun; Dl! sonst am Sabbath und Festtag kein Kiddnsch ' machst, heute Abend aber vier Mal den Legen über j den Wein sprichst? — Ma n!schlaue. Eltern/daß 01)1* : heute so peinlich gewissenhaft das (besetz beobachtet, da! Ihr doch sonst so aufgeklärt seid, am Sabbath;u! arbeiten und auch mich arbeiten;11 lassen. 11. s. w. 11. s. w. Diese und noch tausendfache Fragen dämmern in des Kindes Gemnth auf. — täuscht euch darob nicht, ihr Eltern, — cs ahnt den Zwiespalt eures Wesens, cs weiß, daß ihr dem Gesetze die Treue brechet, dem ihr heute anscheinend so ernsten Gehorsam leistet, aber vor der Flnth der auf es cinslnrmenden Fragen verschließt cs den Mund und ist der שאינו יודע לשאול. Ober cs ist es, weil cr in der Aufklärung" noch vorangeschrittener ist als ihr. Zn euch hat in eurer Kindheit das Beispiel des Elternhauses und die Unterweisung eines braven Lehrers so eindringlich gesprochen, daß ihr des Eindruckes auch heute noch nicht euch envchren könnt, und dieser nicht ganz zu verlöschende Eindruck legt sich hemmend auf die Entwickelung eurer ״Aufklärung". Es aber ist glücklicher. Zn ihm spricht nicht das Beispiel des Elternhauses, die Unterweisung findet keinen Eingang bei ihm — weil es nichts gesehen und gehört hat von Israels Vicht und Lehre, weil kein Strahl davon jemals sein Inneres erleuchtete, weil dort einige Narbt weilt und ewiger Winter herrscht. Das Eisgcivächs eurer gepriesenen Aufklärung ivnchert üppig in der Eiswnste seines Gcniülhs. Ihr habt den Acker seines Geistes bestellt mit mannigfaltigster Aussaat, aber das Herz, das jüdischc Herz ist öde und leer. Das Abrahamscrbc der אמונה habt ihr ihm nicht überliefert, das Kleinod der Thora ihm treulos vorenthaltcn. Es ist bewandert in allen Literaturen, in jedem Wissenszweige, in jeglicher Kunst, — aber das Gottcsbnch ist ihm ein ספר התום, ein verschlossenes Buch, cs hat keine Ahnung von dem Herrlichen des Judcuthums, sein GUs! hat sich niemals erhoben an den Worten unserer Propheten, ist niemals eingedrungcn in unser vom רוח הקודש durchwehtes heiliges Lchristthum. Der junge Gymnasiast, die junge Modedame lächelt spöttisch ob der veralteten Zeremonien, die ihr noch übt, und dün-kt sich in der vollendeteren Aufklärung erhaben über euch. Euer Kind ist der שאינו יודע לשאול, cs fragt nicht, weil ihm nichts fragwürdig erscheint, weil es das Heiligthnm seiner Ahnen als werthlosc Antiquität verachtet. Und dennoch והגדת לבנך: als Pflicht dem שאינו יודע לשאול gegenüber! Erschreckt ihr, Eltern, ob der furchtbaren Verödung eurer Kinder, die durch euer Verschulden kalt und thciinahmslos auch;11 dem stehen, waö euch noch heilig gilt, waS ihr zu retten vermeinet als Religion, als Indenthnm, aus dem Strom der Zeit, und fürchtet ihr, daß eure Kinder oder Enkel auch den letzten Rest ' eures Indenthnms über Bord werfen könnten — fällt; euch am Sederabend die Schuld schwer auf's Herz,! die ihr gegen sie tragt und möchtet ihr sie retten vor! den endlichen Konsequenzen curci Erziehung, eures! Beispiels — io ermannt euch;11 dem festen Entschlüsse, in Wahrheit und Ernst ihnen diese Rettung zu bringen und sprechet: seht, um dieser Handlungen willen hat sich Gott unser in Mizraim.angenommen und hat uns die Freiheit geschenkt, daß wir fortan die heiligen Symbole ausüben und zu unserem Geiste und Herzen sprechen lassen, damit wir die freien Diener Gottes, Verkünder seiner Offenbarung, Priester seiner Lehre, Herolde seiner Herrschaft sein, daß in unserem Geiste, unserem Herzen, unseren Häusern das Licht seines Gesctzes weithin leuchte, wie sinsier und düster es auch draußen sei.- ויהי בחצי הלילה — Ist es wiederum stacht um uns und in uns?? - Warten wir dcS Lichts, dann wandelt sich wiederum wie einst ״die Knechtschaft zur Freiheit", ״der Kummer zur Wonne", ״die Trauer zum Feste": die finstere Nacht bricht sich dann, die Nacht der Verdumpfung, des Abfalls, der Untreue, und cs leuchtet über uns der Helle Strahl der Thora, das Licht der Erkenntniß. ׳Wir tragen wiederum die Leuchte der Nationen voran, und mit uns wandeln unsere Kinder im Lichte der ivahren Aufklärung, geachtet und geliebt von der Brudernicuschheit: und cs erfüllen sich die Verheißungen ונודע בגרם זרעם וצאצאיהם בתוך העמים, בל ראיהם יכירום בי הם זרע ברך ד׳ und —.לא עתה יבוש יעקב per A!1t!st!1!'!tis1M!j dkg WlosoM».! Schluß.! Von hier ab läßt Hart mann selbst das Feigenblatt philosophischen Gcbahrcns, welches den nackten Antisemitismus nothdün'tig verhüllen sollte, fallen und gicbt sich völlig rückhaltlos den nngezügelsten anti׳ semitischen Gelüsten hin. Man sieht es der Schrift an, mit welchem Behagen sic, des trockenen Tons müde, den Tatar des Philosophen gänzlich abstrcift und der Mephistophelesnatur keinerlei Schranken cntgegcnstcllcnd im wilden Neigen mit den Genossen die Orgien einer antisemitischen Walpurgisnacht durchkostet. Da haben sie sich alle eingestellt die Brüder und Schwestern zur fröhlichen Lust, und von dem Gipfel des Blocksbergs schallt der baechanalische Jubel des Antisemitensabbaths hinab in die Thäler. Da fehlt kein einziges Böcklein und kein einziger Besen, mit welchen sich die anti-