Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1885)
- Article
- Die Halbschekel-Spende
- Date
- 1885-02-12
- Page
- 98 (sequence 2)
- Language
- German
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98 Existenz ist wcrth- und bedeutungslos, — Jeder gehört! zu den mit der Lösung der dem israelitischen Volke! zngctheilten Aufgabe ״Beauftragten," und in einen!! Jeden wird die Nation rcpräseutirt. Jeder erkenne! seinen Werth und begreife seine Stellung. Er fühle ' sich als ein werthvolleö Glied der Gesammtheit, welche 1 auch ihn als solches anzne! kennen habe. Diese Würdigung des JndividmnnS, dieses in jeden! Einzelnen gepflegte Bewußtsein seiner Vollbcrechtigung im kreise der Genossen, diese Selbstachtung! und dieses Selbstgefühl einerseits, dann aber auch die j in nicht minderer Kräftigkeit bei jeden! Einzelnen gej weckte und stets wache Erkeuntniß, daß nur ans dem innigen Anschluß an die Gesannnthcir der unschätzbare Wcrth seiner Einzelcxistenz rcsultirc, daß des Einzelnen Persönlichkeit schwach und vergänglich sei, so sic sich nicht mit den Genossen zum gcmeinsa!nen Wirken vereine, so sic isolirt und außer jeglichem Zusammenhange mit der Gesammtheit nur dem Sonderintcresse ihrer selbst lebe — daS ist die allererste Bedingung für den Ban und die Erhaltung des HeiligthumS, für die Lösung der israelitischen Aufgabe, für die Lösung des der Gcsannnlmcnjchheit zugetheilien göttlichen Berufs. Die Gcsainmlheit verachte in dem Gefühle ihrer Macht den Einzelnen nicht; sic vergesse nimmer, daß sie nur die Summe der Einzelnen sei. Der Einzelne entziehe sich der Gesamnitheit nicht; er vergesse nimmer, daß nur in dem Auschluß an die Gesammtheit seine Existenz Wcrth und Bedeutung gewinne. Dieser Anschluß an die Gesantmtheit, dieses Sichselbst-zählcn zu dem großen Ganzen, wird aber nur durch die volle Hingebung in Gesinnung und That vollzogen. Wer gezählt werden will, der hat zu leisten; nur die Leistung verleiht ihm Wcrth und Bedeutung; זה יתנו כל העבד על הפרדים. Wer von der Gesamnttheit nur empfangen will, wer vermeint, sich tragen lassen zu können von dem großen Ganzen ohne selbst Träger, ohne rüstiger und treuer Mitarbeiter an dem Gcsammtwirkcn zu sein, der wird nicht mitgezählt, der verweigert ״die Sühne seiner Person,"!vclchc nur zum thätigen Schaffen und Wirken i!n Dienste des HeiligthumS berufen ist, dessen Eristen; ist wcrth- und bedeutungslos, der geht unter in seinem cugherzigcn nur sich selbst kennenden und daS eigene kleine Ich zum Ziele setzenden egoistischen Streben. '״ תרמת דeine Gotteshebe", eine Gott geweihte Leistung sei eines Jeglichen Wirken. Die von Gott gewollten Ziele erstreben, Gottes Willen verwirklichen, die Heilignng alles Irdischen für die Ewigkeit, die Förderung der Gotterkenntniß, die Gestaltung aller!nenschcngesellschaftlichen Verhältnisse nach dem Gebote der göltlichen Gerechtigkeit und Liebe, die Erhebung der Erde zu Gott, — eine ״Gotteshebe", das sei die Bedeutung alles nteuschlichen Schaffens. Nicht nur einmal im Leben, nicht nur in einem gehobenen Augenblicke von Begeisterung ergriffen einmal eine reine Gott geweihte Thar vol'lsnhren und daran sich ein Genüge sein zu lassen — das ist nicht die Meinung des Gottes wort es. Bon drei תרומות ist bei der Schekülimlehre die Nedc. ES genügt nicht, daß daS Heiligthun! ans der reinen begcisterungsvollen Leistung eines jeden Einzelnen einmal errichtet, dann aber der Pflege und Hut der Priester und Leviten übertragen wird, der Einzelne aber sich von ihn! ab-, und seinem Sou der streben zuwendet, und somit die Erhaltung und Förderung des HeiligthmnS den Priestern und Tcmpelbeamten überlassen bleiben würde. So nicht; באהד באדר משמיעץ על השקלים An jedem ersten Adar ging der Aufruf durch das ganze Land, in allen Städten, daß Jeder seine ״Gotteshebe" leiste für den Ausdruck der Hingebung der Gesaimntheit an das Gottesgesctz, damit im Monat der Erlösung, der Befreiung, der nationalen Wiedergebnrt, diese Hingebung durch eine neue ״GotteShebe" von jedem Einzelnen anf'S Neue bethätigt werde. Und nicht nur diese תרומת הלשכה, sondern auch בדק הבית, die Erhaltung des HeiligthumS, sollte durch die nnanSgcsctzte Hingebung des Einzelnen getragen werden. Die von der Gesamnttheit zu lösende Aufgabe, der heilige Berns Israels, die hohe Bestimmung der Menschheit wartet auf die Arbeit eines Jeden. Es giebt keine Stellvertretung für diesen Gottesdienst, der das ganze Leben erfüllt, zur Leistung der 'תדמת ד ist Jeglicher verpflichtet, wer sie weigert, entzieht seinem Dasein die Bcrechtigung ,ויקר פדיון נפשו והדל לעולם ״den! ist die Auslösung seiner Seele zu theuer und sie hört ans in der Ewigkeit," der fällt der Vcrnichtung anheirn. Wenn aber daS Bewußtsein des eigenen Werths und das Hochgefühl der wackern Arbeit für die höchsten Ziele die Brust schwellt, dann ist der Mensch nur allzu geneigt, seine Leistung zu überschätzen und seiner Person eine höhere Bedeutung bcizumessen, als ihr gebührt. DaS Selbstbewnßtsein artet in Selbst-׳ übcrhebnng ans. Er erachtet sich für die Säule, auf welcher das Gesainmtwohl beruht, als den starken Quader, der den! Heiligthumc zur sichern Basis dient; und!nitleidig oder verächtlich schaut er auö seiner vermeintlichen Höhe ans die geringe Leistung der Genossen hernieder, die armselig und gering gegen׳ seine glänzende erscheint. Das" ist nicht die 'ächte תדמה לדי, das nicht der Schekel, der als HeiligthumSspende von Gott gefordert wird. מחצית השקל בשקל ״ הקדש׳die Hälfte eines Schekels im Gewichte des Heiligchnms" ist die reine ״GottcShebe", ist die Leistung, welche ein Jeder leisten soll und Jeder leisten kann; ״der Reiche nicht mehr und der Arme nicht weniger