Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1885)
- Article
- Die Halbschekel-Spende
- Date
- 1885-02-12
- Page
- 99 (sequence 3)
- Language
- German
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als die Hälfte eines Schekels." Es überschätze Niemand seine Leistung, es verachte Niemand eines Andern treues Wirken. Des geistig Begabtesten, des Mächtigsten, des 9tciri)ficu Leistung ist stets nur ein Beitrag, und, wenn in reiner Absicht und in voller Hingebung gespendet, ein werthvvllcr Beitrag zum Heiligthum, — aber auch des Blödesten, Ohnmächtigsten, Schwächsten Leistung ist ein Beitrag und, )venu in reiner Absicht und in voller Hingebung gespendet, ein gleich werthvvllcr Beitrag Zum Hciligthum. Beide Leistungen vereint bilden erst einen ganzen Schekel auf der Waage des Heiligthnms, der Eine hat nicht mehr, der Andere nicht minder geleistet. Mehr als einen halben Schekel kann kein Sterblicher leisten, weniger soll er nicht leisten. Gott fordert die ganze, treue Hingebung vom Menschen, und wenn er im vollsten Ausmaße geleistet, was er mit den ihm von Gott verliehenen Mitteln vermochte, dann hat er das Scinige gethan, und die Summe seines ganzen Wirkens bildet einen vollwichtigen halben Schekel — nicht mehr, nicht minder. Aller Wirken ist ans der heiligen Waage der göttlichcn Gerechtigkeit gleichwertig, wie verschieden auch immer die äußeren Bedingungen waren, unter welchen dieses Wirken in die Erscheinung getreten. Der geistig beschränkteste Bettelmann, wenn er geleistet was er vermochte, steht an sittlicher Größe und Bedeutung nicht hinter dem mit allen Gaben des Geistes und der irdischen Glücksgüter Gesegneten zurück, und seine Leistung wiegt einen vollen Halbschekcl nach dem Gewichte deö Heiligthnms. Ja, des Ersteren Werth ist bedeutender als des Letzteren, wenn dieser nicht ganz und nngctheilt sein ganzes Wesen und Streben als '1!? תרמה Gott geweiht hätte. Nicht ertönt heute am ersten Adar der Ruf im heiligen Lande zur Schekelspcndc. Der Boden, auf welchem sich ein Volksleben gestalten sollte, welches in allen seinen Beziehungen durch die volle Weihe aller seiner Glieder eine einzige תרמת ד׳ bilden sollte, liegt öde, und öde und in Trümmern liegt das בית גנון ונשא, das GotteSheiligthnm, welchen: die Sehnsucht unseres Herzens gehört — aber die Schcka!imlehre wird immer ans'S Nene in unserer Mitte verkündet. Daß sie endlich von uns Allen beherzigt werde, daß wir Alle unseren Halbschekel dem Gottesheiligthume zuwenden, in ernster Hingebung und nimmer verrauschender heiliger Begeisterung. Dann wird auch endlich das heiße Flehen Israels Erhörnng sindcn: אור פניך עלינו אדון נשא, ושקל אשא בבית בבון ונשא כונננו, הודינו, ענננו, רצנו, ברבנו בשלום אל דם ונשא. Die ..T11M״ der SlhrWilhrn oder Moses und Nabbi Akiba. Versuch über eine r ä t h s e l h a f t e A g a d a. Bon Ludwig H. Nosenthal, Prediger zu Köthen. (Fortsetzung.) ״Ein Mann, der einst anfstchen unb in jedem Striche der Thora die Andeutung vieler Halachot sehen wird, Akiba ben Joseph ist sein Name, zwingt mich dazu," diese göttliche Antwort wird ihm zu Thcil. Nicht die hier geschriebenen Worte allein machen mein Gesetz aus, nicht in dem Sinne allein, wie sie Dir jetzt erscheinen, wirst Du sic immer betrachten dürfen. Die mündliche Lehre begleitet diese Schrift, auch sie wird Dir zu Theil werden; aber bis zum Auftreten Akiba ben Josephs wird man einen großen Theil dieser Massora und ihrer Halachot als etwas von der Schrift völlig Losgelöstes betrachten. Diese Buchstaben tragen jedoch die mündliche Ueberlieferung in sich, ans ihnen können die Halachot zum großen Theile gefolgert ' werden, unsichtbar schweben sie über den Schriftworten, oder sie sind gleich dem Golde in der Erdtiefc inmitten dieser Schristzcichcn verborgen. Jener Akiba ben Joseph wird hcranSfinden, wo ich das ungeschriebene Gesetz angedeutet, und viele Halachot werden sich aus dem Schriftwortc wie durch Zanbergewalt cmporhcben; das längst Ausgcnbte wir dso ein neues Licht erhalten, und die Tiefe des heiligen Wortes wird mit Erstaunen erkannt werden. Wundern wir uns nun, wenn Moses diesen Mann kennen lernen wollte? Werden wir es begreifen, daß er mehrere Reihen sich zurückbewegen mußte, um zu Akiba ben Joseph zu gelangen? Die kommenden Geschlechter wurden ihm gezeigt, die Zeitalter, die den Akiba von ihm trennten, die er geistig im Voraus durchschreiten mußte, um zu Akiba zu gelangen? Wenn wir bedenken, daß die Reihenfolge der Menschengeschlechter im göttlichen Weltplane geordnet ist, gerade wie in einem Zuge die zum Auftreten bestimmten Reihen hinter einander stehen, um nach einander am Schauplatze vorüber zu ziehen, so wird uns klar werden, was dies Zn cückgehen MoseS zu bedeuten hat, daß er einen Blick thun mußte in die Geschlechter, welche in spätester Zukunft die Erde wirkend betreten sollten. לא היה יודע מה הם אומרים תשש בהו Ob er nun nicht verstand, was für eine Lehre in jenem Beth Hainidrasch der Zukunft verbreitet werden würde, als die Worte Akiba's und seiner Schüler ihm räthselhaft blieben, da schwand seine Kraft. Ist das mein geschriebeneS Gesetz? so. fragte er sich, betreffen die Lehren jene mir übergebene Schrift? Oder hat die Reihe