Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1884-10-16 · Heft 41-42 (16.10.1884) · p. 660

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 41-42 (16.10.1884)
Article
Zur Schächtfrage
Date
1884-10-16
Page
660 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2932754-2933049-2933090-2958850--16898-2958933
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

660 L'c&cufrfcUjiljfcit, bic Vcbcn^fraft beim (Sintrcicn des > lobe•? ist. Die Vernichtung des Gebens irr einem ge-! [imbcii, noch sehr lebensfähigen Indivibnnm, das Ster- > den dev Thiere unter bem Schlachnnesscr, bleibt daher; immer eine gcunULjamc Xofccbart unter heftigerm. Todcskampse. Es lotnmL alür alles daraus an, bau j dieser Lodeslampf mö1](id)j’t abgekürzt wird, und vor! allen Dingen, das; schnell ein Zustand herbeigcsnhrt wirb, in welchem bas sterbende Fnbivibnnm von dem Todcskampse eben nichts mehr empsindct. Die Er;!- psinbnug mrd das Bewußtsein ans möglichst melde, schnelle nrrb sichere Weise zu vernichten, bas ist eben die Hanplanfgabe beim Schlachten, und diese Aufgabe ist durch das schlachten nach jüdischen Borschristen bis jetzt noch am vollkommensten gelöst. Zunächst ist hervorznheben, daß leine Operation beim schlachten neben der Schnelligkeit zugleich so leicht und so sicher ansgeführt werden kann, als der -Halsschnitt beim Schächten, ein Mißlingen kamt bei der Art der Fesselung der Thiere und Fixirnng des Kopfes, wie auch bei der Einrichtung des Messers gar nicht Vorkommen, und das ist ein sehr großer Vorzug vor allen andern Schlachtmethoden. Neben dieser Sicherheit ist das Schächten jedenfalls auch die am wenigsten qualvolle Tödtnngsart. Der Schnitt selbst ist der eigentlich schmerzhafte Akt, der aber bei der rafdicn und sichern Ausführung mit einem scharfen onftrumcutc nur einen Moment dauert, und ein solcher memeutaner Schmerz ist eben leine Dual. Man kann sich hiervon schon direkt überzeugen. Die betressendcn Thiere rcagircu unmittelbar ans den Schnitt, liegen dann aber gewöhnlich ruhig, als ob das hervor stürzende Blttt ihnen Linderung verschaffte; nur zuweilen straucheln die Thiere mit den Beinen, besonders die Kälber, waS aber weiter nichts ist, als ein Sträuben gegen die Fesselung, denn cs kommt bei den blos gefesselten Thicrcn momentan in ganz gleicher Weise vor, ohne daß ihnen ein Leid gethan ist, während es bei ruhigen, älteren Thieren nach dem Halsschnitte nicht cintritt. Erst gegen Ende der Blutung zeigt sich der sogenannte Todeskantpf (Agonie), ausgedrückt durch krampfhafte Kontraktionen (Konvulsionen) der tontraftilcn Gebilde einzelner Theile oder des ganzen Körpers. Die Konvulsionen im Todeskantpfe kommen allerdings unter dem Einflüsse der Bewegungsnerven imb in den willkürlichen Bcweanngsorganen unter dem Einstusse des Gehirns und Rückenmarkes zu Stande, sie treten aber erst ein, wenn die physiologischen Funk׳ tionen vollständig erlosehen sind, weder Empfindung noch Vorstellung und Bewußtsein besteht, sie sind also Acnßcrnngen des Todeskampfes nach der Entseelung, nachdem das Individuum streng genommen ansgehört hat. als solches zu epistireu. st c des Organ äußert sein '?eben, seine Thätigkeit mir unter gewissen Bedingungen, die man Lebensbedingnngeu nennt; eine absolute Lebensbcdingnng ist bei allen höheren Thieren für alle Organe und ganz absonderlich jür das Geh-ru, den Sitz der Ernpsiudung. des Bewußtseins, des Wohlgefallens und der Onal, das Blut; die normale Funktion eines jeden Organs kann nur bei normaler Zuführung normal beschaffenen Blutes svrtbcsrehcn, verminderter Blutandrang bedingt nicht nur verminderte Ernährung, sondern auch verminderte Funktion in jedem Organe und so and) im Gehirn. Wcnn nun die -Hmiptgefaße, die Earotiden, abgeschnitten sind, so hört in demselben Augenblicke der Blmzuslnß nach dem Gehirn auf,' weil durch die bestehende Anastomose zwischen den Earotiden und der Halswirbelarterie HVrt. vimttBnstw) es anatomisch bedingt ist, daß auch selbst ׳ das Blut der letzteren nicht nach dein Gehirne gelangt, und deshalb eben bluten ja auch die durchschnittenen Earotiden nicht blos ans dem vom Herzen kommenden Ende, sondern auch ans dem;nur Kopfe führenden. Schon durch dies Aushörcn des Blntznflnsses, ganz abgesehen von der gleichzeitigen Entleerung der Venen, die vom Gehirn kommen, wirb es.bedingt, daß vom Augenblicke der Durchschncidnng ab die Gehirnfnnktiou zu schwinden beginnt und bereits verschwunden ist, wenn dieses Organ blutleer geworden, also mit der Verblutung, und mit dem Berschwundensein der Gehirnfunktion hat eben die Empfindung, das Bewußtsein, das Leben des Individuums anfgehörk. Der Halsschnitt beim Schächten ist deshalb auch physiologisch gleich zu betrachten mit dem vollständigen Köpfen. Der Beweis läßt sich experimentell noch direkt führen: läßt man ein kleines Thier, z. V. einen Hund, ziemlich verbluten unb!rillt dann die Blutung, so zeigt derselbe keine Lebenserscheinnngen und nicht eine Spur von Empsindmig, wenn man den Kops hochhält, während er umgekehrt beim Aufheben an den Hinterbcincn sofort wieder auslebt; so kann man ihn eine Zeit lang abwechselnd tobt und lebendig erscheinen lassen. Die Kontraktionen in den kontraktilen Gebilden, die Zuckungen, Konvulsionen, sind also die letzten Altionen nach bereits untergegangenem Leben des Indrvidnnms; inan ist mithin physiologisch vollkommen berechtigt zu dem.Satze, daß bei Verblutungen durch den -Halsschnitt, wie er beim Schächten auögefnhrt wird, der TodcSkamps post mortom kommt. Das anderweitig gebräuchliche Schlachten der größer׳.׳. Wiederkäuer und Pferde durch einen Schlag aus den Kopf ist sicherlich auch eine Tödtungsart, bei welcher die Thiere eben nur den Schlag empfinden, die damit verbundene Gehirnerschütterung hat gewöhnlich die Gehirnfnnktion, Empfindung und Bewußtsein,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.