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Jeschurun · 1884-10-16 · Heft 41-42 (16.10.1884) · p. 661

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 41-42 (16.10.1884)
Article
Zur Schächtfrage
Date
1884-10-16
Page
661 (sequence 3)
Language
German
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661 schon vernichtet; wenn aber der Schlag nicht voll! ständig gelingt oder wohl gar gänzlich mißlingt, so j daß mehrere Schläge erfolgen müssen, ehe Betäubung; eintritt, oder letztere wohl gar nicht durch die Er- ׳: schntternng, sondern erst später durch Verblutung mittel fl des Bruststiches herbcigeführ! wird, dann ist diese Tödtungsart wirklich so schrecklich, wie sie eben aussieht. und eine furchtbare Thierguälerei. Dieser Todtschlag ist nie so sicher, als der Halsschnin, der (Geübteste kann einen Fehlschlag thun. Eine noch andere Tödtungsart ist der Genickstich, das Nicken. Der Laie wird hierdurch am meisten befriedigt; die Thiere brechen im Momente des Einstichs in das verlängerte Mark zusammen und können keinerlei Bewegungen urschen. Dennoch ist diese Tödtungsart die verabschennngswürdigste von allen, die größte Thiergnälerei, die von Staatswegen mit der größten Strenge unterdrückt werden sollte. Nach dem Stiche sind die Thiere zwar gelähmt und das Athmen steht sofort still, das Herz aber schlägt fort; 6, 12 Minuten bis zu ',4 Stunde habe ich den allmählich kleiner werdenden Puts bei Pferden verfolgen können. Die Zirkulation dauert also noch fort und damit auch das Gehirnleben, trotz der Verletzung des verlängerten Markes. Erst wenn die Hhperkarbonisation des Blutes, die mit dent Still- [taube des Athmens sieh zu bilden beginnt, einen gewissen Grad erreicht hat und die Btntzirkntalion nachläßt, erst dann beginnt das Absterben des Gehirns: bis dahin haben die Thiere den!virklichen Todeskampf, den sie aber bei der Lähmung des Nückenmarkes nicht nach außen kund geben können. Die genickten Thiere sterben eigentlich an einer langsam erfolgenden Ersticknng unter den größten Qualen. Hannover, den 8. Januar 1867. Gerl a ch, Professor und Direktor der Königlichen Thierarzneischnle. MWe An!u!1>u1liktkr in JmmI!!!. Es sind in letzter Zeit manche Berichte an die Oefsentlichkeit getreten, welche geeignet sind, die nnglücklichen Glaubensgenossen, deren trauriges Geschick auch das härteste Herz rühren möchte, in mancher Hinsicht zu verdächtigen, als ob sie an demselben selbst Schuld trügen. Diesem ungerechtfertigtem Gebahreu tritt der Zt! Philadelphia erscheinende ״The Jewisch Record" durch die folgende Mittheilung in seiner Nr. 485 vom 19. September entgegen. Er schreibt: Am Vorgängenen Montag Vormittag langte der Dampfer ״Lord Gongh" mit etwa vierzig russischen und rumänischen Inden an. Da deren Anknust vorher angemcldet worden war, so begaben sich die Herren Simon Muhr, I. Jndelsohn und Alfred T. JoneS auf den ״Lord Gough", um sich der nen Angetangien anzunehmen. Auch die Herren M. H. Dickisson, Präsident des ״State Board of Eharities", I. S. Nodgers, staatlicher AnS- Wanderungs-Inspektor nnb S. Schcneman, Sekretär, waren zugegen. Die Beainten stellten fest, daß die Ankömmlinge sich mit jeder Klasse Emigranten messen könnten, da sie meisteMheils jung, wvhlgekleidet und stark zu sein schienen und mit hinreichenden Mitteln versehen waren, um die Befürchtung, daß sic der össcntlichcn Wolzlthätigkeit zur Last fallen könnten, ausznschließen. Die wenigen Familien sahen auch respektabel ans; die Kinder waren sauber gekleidet und besonders frisch und gesund, einige von ihnen hatten schon Hanthicrnngen gelernt. Mit Ausnahme von zwei Familien und einen: allein reisenden Knaben dursten Alle sofort ans Land gehen, nachdem die Staatsbeamten sie untersucht hatten, und inner-halb einer erstaunlich kurzen Zeit hatten sich Freunde gefunden, welche ihrer harrten, um ihnen behülstich zu sein. Einige gingen nach Baltimore, Andere nach New-Hork und nach dem Westen. Die zwei beanstandeten Familien waren verdächtigt, zu den so unbarmherzig von New-Iork znrnckgesandten Emigramen zu gehören und wurden deshalb als nicht!andnngsfähig betrachtet, den von Washington cmpsangetreu Weisungen gentüß, welche ans falschen Vorstellnngen NewGjorker Parteien beruhten. Aber die Regierungsbeamlen dieser Stadt waren Männer, welche sich nicht von Lornrtheilen leiten ließen, sondern vor Gesetz und Recht und nach ihrem eigenen Urthei! handeln wollten. Die New-Uorker Beamten, namentlich Stepheuson, schimpflichen Andenkens, hatten entschieden, daß eS genüge, ein russischer oder rumänischer Jude zu sein, um ihn als arm zu stempeln. Herr Nodgers dagegen sagte, er verstände unter ״Armer" einen solchen, welcher völlig hnlfloS und unfähig zu arbeiten sei, oder welcher kein Gewerbe oder keinen Berns habe, wodurch er sich seinen Lebensunterhalt verdienen könne, und er fügte hinzu, das; er unter den jüngsten jüdischen Answanderer!! einen solchen nicht gefunden habe. Nachdem die übrigen Passagiere abgefertigt waren, wurden die beiden ״verdächtigen" Familien durch Herrn Muhr ausgesragt, und alle Anwesenden gaben alsbald zu, daß diese keine ״Armen" wären. Abraham Nadel, welcher seine Frau und sechs Kinder bei sich hat, ist ein Schneider und leugnete anss Entschiedenste, jemals früher!rach diesem Lande verschijst worden zu sein. Es unterliegt keinem Zweifel, daß diese Versicherung völlig korrekt ist. Er sagte, daß er seine Reise selbst bezahlt habe, und auf Befragen, ob er noch Geld habe, zog er seine Brief-

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