Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 40-41 (2.10.1884)
- Article
- Israel und die Myrthe
- Date
- 1884-10-02
- Page
- 634 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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634 fest znsammengeslochten, cinhülleud um den Stamm gelegt, Ihr des WachSthumS würdig seid, wie ich, die Mhrthc!*',2? ".ענף דן ענף עץ ענות הי:< דט־ עבות תלתא טרפי בקינא ״Wie bilde! sich aber," untersucht der Talmud weiter, ״eine solche cinhüllcnde und schützende Blättcrdcckc? Wenn immer drei Blätter aus einem Stand herauswachsen." Wenn sich rings um dm Zweig innncr die Blätter, auS gleichen! Grunde erwachsen, cinhülleud legen, und nicht eines höher oder niedriger steht als das andere, daun sind Zweige und Stamm geschützt. Hat nicht auch unser Stamrn drei Blätter allezeit zu fordern, die ihm umliegen sollen, hat nicht auch cr zu verlangen, daß diese drei Blätter auS einem Stand erstehen, verbietet nicht auch cr, daß eines sich höher stelle als das andere, ist nicht auch cr nur nachhaltig geschützt, wenn die Blattdrcihcit und Gleichheit sich um und an ihn sämnegt? WaS schützt den Stamm? die StammeStugcnd; und die Tugend des Israelsstammes? בני ישראל ביישנים רחמנים ונוטלי הבדים. Scham ha st!gleit. Barmherzigfei! und Lieb cSt HÜtigkcit. Und wer begriffe nicht leicht, daß gerade diese drei Tugenden den Stamm schützen und die Blätter zusammcnknotcn? Die Schamhaftigkeit behütet uns vor einer gewaltsaincn Trennung von den Brüdern und einem dafür innigeren Anschluß an Fremde; Fremde werden uns nie mit solcher Liebe ausnehmcn, Fremde werden uns Kränkung nicht ersparen, Fremde werden unS oft beschämen, und der Schamhafte wird solcher Kränlang und Beschämung aus dem Wege gehen und nicht zu Anderen eilen, sondern bei den Brüdern bleiben. Aber cr könnte bei den Brüden; bleiben und brauchte darunr doch noch nicht sich Eins mit ihnen zu fühlen; weil Fremde ihn absloßen, muß cr von den Brüdern noch nicht angczogcn sein, wenn cr lieber bei den Brüdern bleibt, bleibt cr auch mit Liebe? ob er bleibt? cr ist ja barmherzig, cr hat ja ein warmes Her; für seine StammcSgenossen, und cs Lhnt ihm ja wehe, wenn diese leiden, und er ist doch nur froh, wenn sic sich freuen, cr merkt sich ja und merkt sich, gern als Bruder unter den Brüdern, als gleiches Blatt in gleicher Blätter Menge; — doch immer ist der Zweifler noch nicht befriedigt und immer noch kann cr die richtige Gewähr nicht siudcn, daß wir in Einheit und Zusammenwirken stets zusamnmMcibcn, da zeigen wir ihm ein Drittes, und cr schleicht beschämt von dannen und ruft wohl wider seinen Willen preisend: ״D, Israel, Du ewig fester, von Deinen Söhnen wohl geschützter Stamm," wir zeigen ihm die LiebestHÜtigkcit, daß wir nicht nur Liebe fühlen, nein, auch Liebe thnn und handeln, Jeder für den Andern und Alle für das Ganze können, und ״׳ענף עץ עבות״ ruft er taut hinaus, ״Du dicht unbeblüttcrte Myrthe, drei Blätter halte dich zusammen in einem Stand, und wohlgcschützt und wohlgedcckt wird immer Dein Hol; frisch und sastig bleiben, drei Blätter: Scham- Hastigkeit, Barmherzigkeit und LicbeSthütigleit תלתא טרפי בחד קינא, Du Myrthe, wie Dein Sinnbild, die Myrrhe unter den Pflanzen, in lauer Würze duftet, so duftest auch Du durch Deine Tugenden in wohliger Lieblichkeit und schützest durch dem Vlnmcnodem friedlich Deine Wege.דרכיה דרבי נועם ובל נתיבותיה שלום ״ ענף עץ עבות תרי והד לההוא הדם שוטה קרו ליה. Dicht und gleichmäßig bedeckte Zweige, hören wir weiter im Talmud, wenn aber zwei Blätter in einer Höhe stehen und eines niedriger, so nennt man das eine ״närrische Myrthe." Wenn nicht alle drei Blätter, gleich entwachsen und gleich gerichtet, sich um den Zweig legen, wenn eines sich vordrängt, oder eines sich zurückzicht, so ist das eine närrische Myrthe, die gleichsam unbcdachtsam und eigenmächtig sich ihres Schutzes und ihrer Decke entäußert. Was meint dieser symbolische Ausspruch? — Er meint, daß auch wir wohl Narren würden, wenn wir die Stellung unserer drei Tugenden verändern, wenn wir deren Gleichmäßigkeit und gleichen Rang stören wollten. So wie die Befähigung zu diesen Tugen-׳ den nicht auS dem Blut des Einzelnen stammt, sondern ans dein Saatkorn gewachsen ist, das die jüdische An- und Anferziehung in die Jahrhunderte gestreut hat, wie der Besitz dieser Tugenden nicht von selbst gekommen und nicht ans unS selbst ohne Anderer Zuthun sich entwickelt, so dürfen wir ans uns selbst auch nicht das Wesen dieser Tugenden bestimmen, nach eigenem Behagen sic versetzen und an ihnen deuteln wollen. Diejenigen, die sic unS gegeben, müssen unS auch sagen, in welcher Weise sich die Tugend bekunde, und nur dann kann auS der Tugend auch ein Schutzmantcl für uns werden. Was ist denn die Signatur eines ׳שוטה, eines Narren? שוטה מאבד מה 4שנותני; לו ein Narr wirft weg, was Andere ihm geben, was sie ihm geben zu seinem Nutzen, und greift dafür ohne Besinnen und Erwägen nach dem, waS wenig oder gar nicht ihm frommt. Wir haben durch unsere Lehre und Lehrer Pflichten mannigfacher Art erhalten; wäre eS nicht thöricht, wenn wir dieselben mißachteten und nach eigenem Ermessen unS neue bildeten? wäre es nicht thöricht, und müßte die Tugend nicht ihre Schutzkrast verlieren? So lange Keiner nach Belieben die Tugenden rangirt und ihre BcthätigungSwcise sich selbst bestimmt, so lange Alle nach einer Form sie üben, so lange wird die Tugend gegenseitig schützen und den Frieden befördern; das, was dem Einen Tugend ist, das erkennt ja auch der-Andere dafür. Wenn aber