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Jeschurun · 1884-10-02 · Heft 40-41 (2.10.1884) · p. 633

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 40-41 (2.10.1884)
Article
Israel und die Myrthe
Date
1884-10-02
Page
633 (sequence 1)
Language
German
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M 40 u. 4L Jeschurnn. 633 Israel and die Myrthe- .Zum Suckoth-Feste. Von Rabbuier Dr. Jacobson in Schrimm. 9htr einige ütagc noch, und taufenbc von Gott dienenden Jisraclshünden werden, von Feiergefühl dewcgt, die duftige Myrthe in heiliger Zeremonie jauchzend gen Himmel schwingen, um damit, wie mit jeder Weihehandtung, die Gottannäherung zu erstreben. Mitleidig werden Viele lächeln über die Bcobachtung solcher alten Gebräuche, und ohne tiefere Bedeutung wird ihnen der ganze Akt der ״Vier Arten- Schwinge" erscheinen. WaS mögen sie nun erst sagen über die peinlichen Einzelforderungen für jede der vier Arten, tute die Tradition sic uns aufzählt, ohne deren Erfüllung die ganze Handlung wcrthloS wird und ihren Karakter als ,מצוד, als eine in Rücksicht auf einen einen Besehler geschehende Thal verliert? Aber mögen sie nur versuchen, mit Ohr und Herz zu erhaschen, was die Myrthe würzig unb lieblich zu ihnen hinan athmet, mögen sie nur prüfen, mit Denken und Empfinden ergreifen, was der Hadaß sie wohl Schönes lehrt, wozu er weckt, worüber er beruhigt, wozu er mahnt, womit er tröstet, und ihr Lächeln wird schwinden, und bewundernd werden sie stehen vor der jüdischen Antike. Die wunderbaren Linien der jüdischen Antike, wie im Hadaß sic sich uns darbietct, dem Blicke gelausig zu machen, soll die Aufgabe der folgenden Zeilen sein. Wir lesen im Talmud:ת״ר ענף עץ עבות שענפיו הופץ את עצו ואיזהו הוי אומר זה הדם ובו׳ אמר אביי דרביה דרבי נועם וליבא רבא אמר והאמת והשלום ״ .אהבו וליכאWas bedeutet der SchriftauSdruck: Zweig vom Holz der Flechte? Das bedeutet eine Pstanzenart, an der die Blätter sicchtenartig die Zweige, und die Zweige wieder den Baum umhüllen, und eine solche Art ist die Myrthe, und nur die Myrthe kauu gemeint sein; beim wenn auch andere Arten ähnliche Merkmale anfweisen, so fehlt ihnen doch das Haupt- Merkmal, das unser Gesetz jedem Gebot aufprägt, eS fehlt ihnen die Weise der Lieblichkeit, und es vermählt sich nicht mit ihnen Wahrheit und Frieden." ענפיו הופץ את עצו. Die Blätter sollen die Zweige und so die Zweige als Blättcrmcuge den (Stamm bedecken. Wo das eine Blatt aufhört, soll schon das andere beginnen, wo das eine nicht mehr schützend enthüllt, bald das zweite zum Decken bereit sein. Kein Thcilchen darf am Zweige zum Vorschein kommen, kein Plätzchen am Stammholzc sichtbar sein, au das sich nicht ein Blatt schirmend und bedeckend anschmiegt, daß Alles, was au und gegen den Stamm will, erst an die schützenden Blätter hinan muß und nur durch diese hindurch den Stamm erreiche» kann. Wer ahnt nicht schon den Sinn des Bildes, wer steht nicht gerührt vor öem Symbol unserer gottgeheiligten Gcsetzcshaudlung? ענפיו הופץ אה עצו. Die einzelnen Blätter sollen die Zweige und den Stamm bedecken und verdecken! Wir sind Alle Blätter, und unsere Blatter bilden Zweige an dem einem Stamme unseres Volles. Da giebt es aber manche Blätter, die sich abbiegen von dem Zweige und dem Stamme, die nicht mehr ganz zur Blatlgemeinschaft sich zählen wollen, die nicht mehr voll sich schützend um das Holz legen, die nicht weiter ihren Rücken Hinhalten, daß jeder Angriff, der dem Stamm gilt, sie erst treffe, und der Stamm als ganzer gewahrt und unversehrt bleibe, da giebt eS Blätter, die nicht inehr stolz sich aufrichten und um den Zweig sich klanunern, daß Jeder erkenne, sie gehören zu dem Stamme, sondern die verschämt und heimlich weg und ab sich wenden, als ob sie kaum eine Faser sie noch mit dem Holze verbinde, zu dem sie doch nun einmal gehören und zu dem sie gern gehören sollen; da giebt eö Juden, die nicht mehr עבות, mit den Brüdern zusammcngeslochten sich erkennen, die nicht mehr zur Schntzwchr des ganzen JakobshauseS sich berufen glauben, die nur an sich allein, aber an die Gesammtheit wenig denken, die, wenn sie selbst nur nicht geschlagen werden, Nichts von den! empfinden, was gegen den alten Stamm peitscht, die feige, muthloS nicht den Stamm, nur sich selbst schützen, die kein Mitgefühl, kein Mitschmerz und keine Mitfreude mit den Anderen verbindet; — solche giebt eS, und leider in großer Zahl; aber eö soll sie nicht geben; ״Schande über Euch," ruft die Myrthe ihnen zu, ״die Ihr so feige, so egoistisch, so selbstbedacht die Brüder verlasset, Nichts fühlet. Nichts empfindet, wenn Ihr nur selbst nicht geschlagen werdet, Blöße sehen könnet an dein altem Stamme, Blöße, schutzlos freigegeben den! Angriff, und Euch nicht schirmend und deckend um sic leget und grausam die Flechtknoten lockert und zerreißet, die mit den anderen Blättern Euch vereinigen, Schande über Euch; sehet doch in der Myrthe Euer Bild, die als Schntzwchr ihres Stammes sich erkennen, die Blätter stehen aufrecht und dürfen frei und freudig in allem Schmerz und Leid nach oben schauen, die aber solches nicht begreifen und weg sich flüchten, d i c Blätter find nach unten umgeknickt und blicken in allem vermeintlichen Glück und Freudenschein beschämt und verachte! zu Boden; —־ darum, Ihr Blätter des duftigen JakobSbaumeS, lernt von mir, der duftigen Myrthe, wie nur im Zusammenbleiben Euer Ziel sei, wie allein in gegenseitigem Schätzen Eure Aufgabe liege, und wie nur, eng und

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