Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 40-41 (2.10.1884)
- Article
- Die Feste des Tischri
- Date
- 1884-10-02
- Page
- 626 (sequence 2)
- Language
- German
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626 Wanderung unseres Erdendaseins unS fest und sicher erbauen, vertrauend der Liebcswaltnng unseres Vater, der טציז ס; החרבים, dessen Auge in unsere Hütte dringt, — wo wir den reinen, ungetrübten, heiteren Lebensgenuß lernen mit allem, was Gottes Liebe uns an Erdengütern beut, ob reiche Fülle oder kärgliche Dascinsfristuug, im Umkreise der Thora, ihr, dem ausgesprochenen Gotteswillcn, uns weihend mit unserm Streben nach irdischem -Besitz und solchen genießend in ihrem Geiste. In dem Mussapl,׳-Opfer findet diese höchste, des Menschen einzig würdige Freude ihren bedeutungsvollsten Ausdruck in dem doppelten נסבים, welche dem Snckothfcstc eigeuthümlich sind;ניפוך ,-,יי und ניסוך חסים, der Weihe nicht nur der freudig gehobencn Stunden nuserrS Lebens, sondern aller Momente unseres alltäglichen Daseins und der Erlangung der heitersten, secligsren Wonne mit jedem Wassertrnnkc, den Gottes Gnade uns spendet. In ,שפחת ביר ד״שואבה gipfelte die höchste, nationale Freude des gottbegeisterten Volks, welches in Jerusalem-Zion sich nm seinen Herrn, König und Vater schaarte. ״Nicht der Gedanke an besondere von Gott erfliegende Freuden- Momente, erst das Bewußtsein, daß jeder tägliche unser hicniediges Sein fristende Wassertropfen uns als Bote von Gottes Gnaden zu der freudigen Begeisterung befcligender Gottes-Nähe hebt, erst das gewährt die Seligkeit jedes AthemzugcS vor Gott."*) Wenn also Nosch Haschana, Jom Kippur und Suckoth während der ersten drei Wochen des neu degonnenen Zeitabschnitts alle die erhebenden, mahnenden, kräftigenden, läuternden, tröstenden, beseligenden Gedanken und Gefühle in unseren Herzen geweckt und zur Klarheit gebracht haben, und mir uns anschicken, mit demselben unser Jahreswerk zu beginnen, ״uns zu unseren Zelten zu wenden," cm Jeglicher die gewohnte Arbeit wieder aufzunchmen, welche durch seine besondere Stellung im nienschcngesellschaftlichcn Verkehr bedingt wird, dann grüßt uns noch einmal der Fcstesrus am Schcmini Azcreth und will עצרת unS werden, will alle Momente der Festwoche unS zur bleibenden Aneignung, ״zum bewahrenden Ausainmensasscn" werden lassen. Wie in den, Akkord des Nosch-Haschana- Schofar beim Eintritt in das Jahr bereits sie alle zum Ausdruck gebracht wurden, also sollen sie, bevor wir in das gewohnte Geleise des Lebens wieder eintreten, durch dieses Schlußfest zusammengefaßt, uns mitgegcbcn werden für alle Augenblicke deS kommenden Jahrs. Daö Mussaph-Opfer des Schcmini-Azcrcth entspricht oem des Nosch Haschana. Der Ernst des Nosch Ha,chana und Jom Kippur, welcher uns erkennen ließ, daß Gott allein unser Schöpfer, König und Richter *) Hirsch's Pentateuch-Äommentar IV. S. 445. und wir seine zum unverbrüchlichen Gehorsam verpflichteten Geschöpfe und^Diencr seien. Das aus. dieser ernsten Erkenntniß entspringende und in ihr wurzelnde freudig erhebende Bewußtsein, daß dieser allmächtige, allgertchte König und Richter der einzige Spender unseres Heils sei, daß er uns gewährt, was uns gebricht, und Wohlgefallen hat an der Freude seiner Menschen, daß wir ihm allein vertrauen und in ihm allein unsere ganze Zuversicht setzen sollen, seines machtigen Schutzes gewiß, so wir als treue Untcrthanen, gehorsame Diener, liebende Kinder nnS erweisen — diese crnstfreudigc Erkenntniß soll durch Schemini- Azereth in uns gefestigt werden. Dazu haben wir von ihm die Kraft des Geistes empfangen, dafür hat Er uns gehoben über alle geschaffene Wesen und dafür hat Er uns — Israel — der Offenbarung Seines GesetzeS gewürdigt, welches wir allen Menschen vorantragen sollen. An den! Geist der Thora soll sich unser Geist erlaben, ihn sotten wir pflegen, in ihn uns versenken, auS ihm die höchste, unvergängliche Freude schöpfen. Der Zionstcmpel liegt in Trümmern, die heilige Stätte, wo unseren Vätern diese freudige Begeisterung ward, wo sie in der שמחת בית השואבת der seligsten Wonne theilhaftig wurden. Die Thora, das Gottesgesctz, aber haben wir uns gerettet, den Vorn, welchem diese Wonne entquillt; und darum schwand nicht die Freude ans der jüdischen Brust und die Helle Freude aus den Hütten der gehetzten, unterdrückten und verachteten Jakobsfamilie, darum vollzog sich das jüdische Leben in Gottesfurcht, GotteSliebe, Gottvcrtrauen und der reinen Freude vor Gottes Angesicht. In stolzer Freude kann Israel in die Mitte der Völker treten und es kühn anSsprcchen: Kein glücklicherer Kreis als der meinige, kein seligeres Hochgefühl als das meinige, kein heitereres Dasein als dameinige; man kann unS mit Füßen treten, die Schale des bittersten, lieblosesten Hohns über uns ergießen, man kann uns Hetzen gleich dem Wild, man kann unsere Hütten einäschern und unsere Habe rauben, man kann uns morden und martern — die Gottesfurcht, die Gottesliebe, das Gottvertrauen und die Freude vor Gott kann man nicht aus unserm Herzen bannen; wir sind trotzdem und alledem der glücklichste, heiterste Menschenverein. Sollen wir der Weisheit unserer Väter nicht danken, welche den zweiten Tag des Schemini-Azereth, den ׳ט של גליות\ gerade für dies Israel in der Diaspora zu einem dieser höchsten, geistigsten, göttlichsten Freude geweihten Tage gestaltet? Unser Simchath-Thora ist ein Abglanz der begeisterten Freude, welche im Zionstempcl zum Ausdruck kam. Wir sind der Thora vermahlt, und in ewig jugendlicher Liebe schlagen ihr