Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1884-10-02 · Heft 40-41 (2.10.1884) · p. 627

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 40-41 (2.10.1884)
Article
Die Feste des Tischri
Date
1884-10-02
Page
627 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2932754-2933049-2933089-2958730--16795-2958795
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

alle unsere Pulse entgegen. Wir umfassen sie mit unseren Armen, wir drücken sie an unser Herz, wir erneuern au jedem Simchath-Thora den LiebeSbund mit ihr und wir tragen sie, gehobenen Hauptes, frcu&c׳־■ strahlenden AugcS, durch die Reihen der Nationen, durch die Jahrtausende der Geschichte. Die Tage der Feste verrauschen, das alltägliche Leben beginnt — die Festesgcdcmken aber geleiten uns durch alle Momente des Jahres. S־alo!1i0uif1ije Sjmchmislzkit. Von Samson Raphael Hirsch. (Fortsetzung.) XXI. Heiterkeit. Hingczogene Erwartung macht das Herz krank. Ein Baum des Lebens ist ein gekommener Wunsch. (13, 12.) Augenlicht erfreut das Herz, Gute Nachricht bringt Mark den Knochen. (15,30.) Kaltes Wasser aus einen müden Leib, Und gute Nachricht aus fernem Laude. (25,25.) Leibliches Leben gewöhnt ein wildes Herz, Knochenfraß ist Neid. (14, 30.) Vergnügtes Herz macht das Gesicht heiter, Durch Herzens-Vetrübniß wird der Geist geschlagen. (15, 13.) Ein vergnügtes Herz hält hübsch aufrecht, Ein niedergeschlagener Geist entmarkt die Glieder. (17, 22.) Der Geist des Menschen ist auch sein Kranken- Pfleger, Wcun aber der Geist geschlagen ist, wer hebt ihn wieder?! (18, 14.) Heiterkeit des Geistes und Gcmüthcs ist ein nicht hoch genug zu preisender Schatz. Sic erhält die Gesundheit, fördert die Genesung und Hilst uns Widerwärtigkciten mit größerer Leichtigkeit zu ertragen. Wie sehr die Stimmung des Geistes und GcmütheS einen Einfluß auf den Körper übt, das fühlt Jeder an der abschwächenden Wirkung einer unbcsriedigtcn Sehnsucht, und der erfrischenden Kräftigung, die die Erfüllung eines Wunsches und eine gute Nachricht bringt, zumal wtnn sic unerwartet aus der Ferne kommt. Ganz besonders rühmt daher unsere Spruchwcisheit ein mildes, neidloses Herz, das dem Ncbcnmenschcn gern Gutes gönnt, und meint. Nichts nage so an unserer Gesundheit als Neid. Hat doch der Neidische ununterbrochen Gelegenheit zur Unzufriedenheit. Die meisten Menschen, mit denen er zusammcnkommt, werden Etwas haben, das ihm fehlt und dessen Besitz ihm wünschenSwerth erscheint, und Ein Versagtes entwcrthet dcnt Neidischen Alles, was er hat. Ein mißvergnügtes, unzufriedenes Her; erschlafft die Glieder und lähmt die Thätigkcit, während Munterkcit den Blick hell macht und den Leib anfrichtet. Die schlimmste Krankheit, meint unsere Spruch- Weisheit, sei Geistes- und Gemüthsleiden. Zur Heilung körperlicher Leiden trägt der Geist außerordentlich viel bei, er ist ganz eigentlich der Krankenpfleger, wenn der Körper krank ist. Wenn nun aber der Geist selbst erkrankt ist, wer richtet den kranken Geist wieder auf! Denn nicht der Körper trägt den Geist, sondern der Geist trägt den Körper. * Rühme dich nicht dcö morgenden Tages, Denn du weißt nicht, was der Tag gebiert. (27, 1.) Wer seine Vergehen verdeckt, kommet nicht weiter, Wer gesteht und büßt, dem wird Erbarmen. Der Mensch kommt zum Ziel, der immer fürchtet, Wer sein Herz verhärtet, Mt in 11»,glück. (28, 13. 14.) Des Menschen Angst schasst Verderben, Wer auf Gott vertrant, dem wird Siegeskrast. - (29,25.) Hast du dich schwach gezeigt am Tage der Noth, war die eigentliche Noth dein Kraft- Mangel. (24, 10.) So gewiß aber ein heiteres Genntth der köstlichste Schatz ist, so'ist doch diese Heiterkeit sehr von jenem Leichtsinn zu unterscheiden, der überhaupt das Leben leicht nimmt, dessen Sinn nichts Ernstes kennt, der nur in dem gegenwärtigen Augenblick lebt und weder der Zukunft noch überhaupt der Folgen seiner Handhingen denkt. Nicht in solchem leichten Sinn wurzelt die Heiterkeit, deren Besitzer unsere Sprnchweisheit glücklich preist, sondern in glücklicher, Gott zugcwandter Stimmung des Menschen-Innern, der aber in dieser Gott zngcwandten Richtung sich dcS Lebens mit seinem ganzen Ernst und mit den schwersten Vollbringungen freut und das heiter lohnende Bewußtsein sich zu bewahren und zu genießen weiß, vor Gott im Kreise der Mitgenosscn und an ihnen die von Gott zugewiesenen Ausgaben treu und wacker zu lösen. Ein solcher heiterer Mensch weiß, daß auf Erden nichts dauernder ist, als der Wechsel, und kein Mensch weiß, was ihm der morgcnde Tag bringen werde. Aber diese Ungewißheit der Zukunft trübt ihm die Heiterkeit keines gegenwärtigen Augenblicks, er weiß, was ihm auch der morgende Tag bringen werde, Eines wird er ihm sicher bringen: neue Pflicht und neuen Beistand von Oben in Lösung dieser Pflicht. Selbst das größte Ucbel, das Bewußtsein, Unrecht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.