Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1884)
- Article
- Israels Trost
- Date
- 1884-07-31
- Page
- 482 (sequence 2)
- Language
- German
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482 wagt Israel noch zu hoffen nach einer tausendjährigen Enttäuschung und Trost *u schöpfen, wo jede Phase der Geschichte ihm eine neue Bürde, schwerer als die früher getragene, auflastct? Weil ihm längst vorausverkündigt ist, waS ihn treffen wird in der Flucht der Zeiten, weil ihm enthüllt worden das endliche Ziel der Geschichte, weil es den Weg kennt. der aus den verschlungenen Pfaden des Labyrinths, in welchem sich mit ihm die gesammte Menschheit bewegt, zur Erlösung und Freiheit geleitet. Gott, der Wächter Israels und der Menschheit, so tönt es durch die finstere Nacht, hat cs längst ausgesprocheui schon lange harret der Morgen, Ihr müsset nur wollen — so wollet denn — kehret zurück und kounnt! Die Erlösung Israels kann in jedem Augenblicke hcreinbrechen; die Nacht des Leids endet, sobald es ernstlich will. Kehret zu mir zurück! ruft ihm der Wächter zu, kehret zurück in Wahrheit und Ernst, zurück zu eurem Gotte und zu der Treite gegen sein Gebot, zurück zu dcut Gehorsant, den ihr ihm zugeschworen am flammenden Horeb, zurück zu der Begcisleruug, in welcher ihr ihn! zugejubelt am Gestade des SchilsmecrS: Du mein Gott, — ich Dein Tempel, die Stätte, wo Dir allein der Altar sich erhebt.- Dieser Ruf seines Wächters ist der trostbrütgcnde Begleiter seines Leids. Er sagt ihm, dag Gott seiner warte in unendlicher Batersehusucht; daß cs nur des ernsten Willens bedürfe, niu den lichten Morgen herauf- Zufuhren durch die Nückkehr zum allliebenden Vater der Menschheit. Die Menschen, die verblendeten Thoren, haben den Weg zu des Vaters Haus sich selbst vcrsperrt. Sic haben das Hohe hinabgestürzt und sich selbst eingebildete Größen geschaffen, vor denen sic anbetend in die Knie gesunken. כל גיא ינשא וכל דד ונגעה ישפלו והיה העקב למישור והרכסים לבקעה. Die künstlichen Scheidewände, die die Menschheit zwischen sich und ihrem Gotte wahncrsüllt errichtet, müssen deseitigt werden, ״jedes Thal sich erheben, jeder Berg und Hügel hiuabgestürzt werden, das Krumme muß eben, das Knorrige zur Fläche werden", dann 'ונגלה כבוד ד, dann schwindet das Dunkel vor der Sonne mächtigem Glanze, ״die Herrlichkeit Gottes wird sichtbar, alles Fleisch schaut dann, daß Gottes Mund gesprochen," daß die Finsterniß, der Jammer und das Unheil im Mcnscheukrcisc nur das Produkt des Irrwahns gewesen, daß die Menschheit nur zu ihrem Gotte zurückzukehren habe, so gestalte die Erde sich wiederum zum Paradies, zu einem Garten der Wonne, in welchem die glückliche Menschheit um ihren Vater sich schaart. Längst ist dieses Wort gesprochen. Es begleitete Israel von der Wüste in das eigene Land, von Palästina über die Trümmer Jerusalems und Zions hinaus in alle Richtungen der Windrose, und es führt Israel einst wieder zurück zum Jordanlande: ,.Wenn ihr Verderbuiß üben — und 11)1111 werdet, was tu den Augen Gottes schlecht ist — so bestelle ich heute Himmel und Erde wider euch zu Zeugen, daß' verloren, rasch verloren ihr gehen werdet von dem Lande weg, wohin ihr jetzt den Jordan überschreitet, cs in Besitz zu nehmen", spricht Moses. ,.Ihr werdet nicht längere Zeit darin bleiben — Gott wird euch unter die Nationen hin zerstreuen, und ihr tverdct in geringer Anzahl bleiben unter den Völkern, wohin Gott cnd) führen wird. — Von dort werdet ihr Gott suchen und du wirst ihn׳ finden; denn du wirst ihn suchen mit deinem ganzen Herzen und deiner ganzen Seele. In dieser dir werdenden Bedrängniß, und wenn dich erst alle diese Bestimmnngen erreicht haben, am Ende der Tage, wirst du zu Gott zurückkehren und auf seine Stimme hören; denn ein barmherziger Gott ist Gott dein Gott; er wird dich nicht los lassen und dich nicht zu Grunde gehen lassen, und wird den Bund deiner Väter nicht vergessen, den er ihnen geschworen." (Deuteronomium 4, 25—31.) So ist dem jüdischen Slautme sein Geschick enthüllt worden vor seinem Eintritt in ein selbstständiges Volksleben, unb cs hat sich erfüllt nach dieser Voraus- Verkündigung bis zu diesem Augenblick. Offenen Auges wandelt die anscheinend elendeste aller Nationen durch die Jahrhunderte, trotz allen Ungemachs heiter, ungcachtet aller Gefahren sicher, — zufriedener und glücklicher als seine Feinde und Neider — den Blick gerichtet auf das endliche Ziel, welches aus der Höhe winkt. Er empfindet den Haß und die Mißgunst und die Verachtung seiner Brüder tief und schmerzlich, sein Herz krümmt sich unter den Qualen, die die feindlichen Brüder ihm ungerecht bereiten, in seinem Busen aber lebt die Hoffnung, daß doch einst die Zeit kommen werde, wo die die Menschheit gefangen haltende Nacht des Wahns schwinden, wo auch für die Nacht seines trüben Geschicks der lichte Morgen anbrecheu werde. O, daß wir endlich Alle, Alle ernstlichst wollten! Daß wir Alle den Nus unseres Gottes vernehmen, der durch die traurigen Ereignisse zu uns redet. Daß wir aufgeben den Stolz und Eigendünkel, den Starrsinn und Kleinmuth, die uns von Gott entfernen, die uns unserem heiligen Bcrnse entfremden, die uns ungehorsam sein lassen dem Gesetze, dessen Erkenntniß und Erfüllung unsere einzige Weisheit und Einsicht ist, auch in den Augen unserer Mitbrüdcr, welche im Hinblick aus diese Treue und diesen Gehorsam und das in dieser Treue und diesem Gehorsam bewährte Leben doch zur Anerkennung gebracht werden: רק עם הכם וגבה הגד ״ הגדול הזהes ist doch eine weise und einsichtsvolle Nation dieses große Volk!" Wir sollten doch endlich in die Arme unseres