Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1884)
- Article
- Israels Trost
- Date
- 1884-07-31
- Page
- 483 (sequence 3)
- Language
- German
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483 Vaters eilen, sollten uns abwenden von allem Fremden, welches eitel und nichtig ist, uns sollte doch endlich die Erfahrung die felsenfeste ttcbcrzeugnug in unserem Herzen begründen: ״ ני ד׳ הוא האלודי׳ אין עוד מלבדוdaß Gott allein Gott ist, Nichts sonst außer Ihm" und sollten in dem unentwegten Gehorsam und der vollendeten Unterordnung unseres ganzen Seins unter Sein Gesetz allen Menschenfamilien voraulcuchteu. Dann erfüllt sich unsere Hoffnung, dann bewährt sich unser Trost — dann haben wir unsere Galuth- Mission unter den Nationen erfüllt — daun kehren wir heim zum Paterhause, und die Brudermenschheit folgt uns. 31111t UerUiiithi! -cr ucttcflcit Msk der Monn. (Fortsetzung.) Getreu der auSgegcbencn Parole ״Ausschluß jedes religiösen Difserenzpunktes von der Diskussion" bczeichnet die mit der Ausarbeitung von Vorschlägen für die Mittel zur Hebung deö religiösen Sinnes und zur Förderung deö Religionsunterrichts betraute Kommission ihre Aufgabe in der Beschränkung ihrer diesbezüglichen Anträge ״einzig und allein auf das Gebiet des öffentlichen GemcindclcbcnS" und will unter diesem Gesichtspunkte dieselben nebst den Erklärungen und Motiviruugeu von den Herren Kollegen geprüft sehen. Sie hat sich auch deshalb, nach ihrer Versicherung, ״dcS HinübergreifeuS auf das streitige Gebiet des kultuclleu Lebens gänzlich enthalten." Diese Erklärung der Kommission, d. i. der Herren Baeck-Lissa, Fcilchenfcld-Schwcrin, Hahn-Stolp, Gronemann - Hannover, Salfcld- Mainz, Vogclstein - Stettin, Ziemlich-Nürnberg, kann keinen anderen Sinn haben, als den folgenden. Die Kommission spricht zu ihrem Auftraggeber, welchem sic, beiläufig bemerkt, in noch weiterer durchaus ungehöriger Paraphrase nicht ״Vcrsammlung deutscher Rabbiner", auch nicht mehr ״Persammlung der deutschen Rabbiner", sondern ״die allgemeine Versammlung der Rabbiner Deutsch- Lands" nennt, also: Ihr habt uns beauftragt, Mittel zur Hebung des religiösen Sinns und zur Förderung des Religionsunterrichts anzugeben, zugleich uns aber gesagt, daß jeder religiöse Disferenzpuukt sowohl von eurer, wie von unserer Diskussion ausgeschlossen bleiben solle. Wir haben uns deshalb bemüht, ein Gebiet ausfindig zu machen, wo die Mittel, welche wir euch zur Hebung des religiösen Sinnes und zur Förderung des Religionsunterrichts Vorschlägen wollen, gar keinem Streitpunkte begegnen können. Nun aber haben wir uns sagen müssen, daß auf dem Gebiete des kultuellcn Lebens ein Streit entbrannt ist, wir mußten dieses demnach meiden. Wir sind aber so glücklich gewesen, eine Insel in dem hochwogcnden Strome des Lebens zu entdecken, wo heiterer Friede und stille Eintracht walten. Dorthin haben wir uns geflüchtet. Hier, unter den Palmen einer von keinem Laute eines Streits gestörten Ruhe haben wir uns der uuS aufgetragcncn Arbeit gewidmet. Wir laden euch zu uns in den Hain seligen Friedens, wo daö Wort Streit ein unbekannter Begriff ist, — in ״das Gebiet des öffentlichen GemcindelebenS." Also, auf dem Gebiete des kultuellcn Lebens grimmiger Streit, auf dem Gebiete des öffentlichen Gemeindclcbcns ungetrübter Friede, — das die Erfahrung der von der allgemeinen Versammlung der Rabbiner Deutschlands sich bevollmächtigt wähnenden Herren! Wir werden uns später eine geneigte Erklärung über die Begriffe ״kultuelleS Leben" und ״öffentliches Gemein beleben" erbitten. Zunächst aber möchten wir den Herren die Frage vorlegcn, ob ihnen, die sich als die erkorensten der Erkorenen des deutschen NabbinatS gcrircn, von einem seit einem halben Jahrhunderte in deutschen Gemeinden geführten Kampfe, der das össentliche Gemciudclcbeu zur Wahlstatt hat, gar nichts bekauut geworden ist? Wissen sie gar nichts davon, daß z. B. über die Gestaltung des GcmeiudcgottcSdicnsteS gestritten worden ist, daß über Orgel, gemischten Chor, deutsche Liturgie, Ausmerzung von Theilen der überkommcuen GotteSdicnstordnung u. s. w. u. s. w. die Ansichten in den Gemeinden sich schroff gegenüberstanden? Und da sollte das ״Gebiet des öffentlichen GemeindelcbenS" ein neutrales sein, wohin sich der KricgSpfad nicht erstreckt hat?? Das gerade Gegcntheil entspricht der historischen Wahrheit und den thatsächlichcn Zuständen. Der Streit in den Gemeinden ist auf dem Gebiete des öffentlichen GcmeindclebenS entbrannt. Wer dieses zu leugnen sich unterfängt, muß völlig außer jedem Konnex mildem deutschen Gcmcindclcbcn weiten, sich auf den eigenen engen Raum beschränkend, in welchem entweder die Reform die ausschließliche Herrschaft bereits so umfassend auSgeübt, daß kein orthodoxer Laut in die- Harmonie des ucologischcn Konzerts in den Hallen des öffentlichen GemeiudclcbeuS cindringcn kann, oder wo noch kein reformistisches Gelüste sich zu äußern gewagt hat. Er muß weder sehen noch hören, was außerhalb dieses seines Kreises vorgeht, er muß keine Knude erhalten von den sich andcrSwo vollziehenden Begebenheilen auf dem Gebiete des öffentlichen GemeindclebcnS. Wir gestehen, daß uns eine solche Uukenntniß der Ereignisse der Gegenwart und der jüngsten Vergangenheit