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Jeschurun · 1884-07-24 · Heft 30 (24.7.1884) · p. 466

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 30 (24.7.1884)
Article
Der alte Irrthum und der neue Wahn
Date
1884-07-24
Page
466 (sequence 2)
Language
German
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l Deuter cm. 8. 5, r,). Erziehen wollte Gott nnS für daS > hehre Pricsteramt im Kreise der Menschheit, der wir, voranwandclnd, den Weg yim GotteSrciche zeigen sollten in der unbedingten Treue gegen Gott, in seiner Ancrkcnnung alo Herrn und Bat er durch die Bethätigung eines unvcrdrüchlichcn Gehorsams gegen sein Gebot. Wir sollten ihn erkennen in dem Walten ans Erden, in seiner Allmacht, Allgüte linb Allgcgcnwart, und sollten nichts Heiligeres, Erhebenderes und Beglückendered wissen, als ihn! in kindlicher stiebe zu gehorchen, und seiner Leitung uns anznvertrancn in der nnerschütterlichen Zuversicht eines Kindes, das sich an deS Vaters Hand führt. In die innigste Beziehung sollten wir zu Gott treten: er unser Bater, wir seine Söhne; für den höchsten Beruf und die crhabendste Stellung hatte er uns erkoren: Priester dcS GotteSrcichS, Herold des Gottesworts. Wir aber haben nnS gegen unseren Bater und König ausgelchnt. haben das Band, welches uns mit ihm verknüpfte, zerrissen, haben ihm den Gehorsam versagt, haben ihm die Treue gebrochen, haben unsere Aufgabe nicht begriffen, unsere hohe Stellung verkannt, ישראל לא ידע ענזי לא התכוק• Israel hatte seine innige Beziehung zu Gott nicht verstanden, und sich als Gottesvolk nicht begriffen. Und weil dem also war, tveil Israel kein ממלכת כחגים, weil seine Glieder sich nicht als Kinder und Priester GottcS fühlten, darum bildeten sic ein גוי הטא, ein leichtfertiges, Gottes Gesetz nicht zur Richtschnur seiner Handlungen nehmendes Bolksgauze, statt des גוי קדוש, deS heiligen, aus dem göttlichen Sittengcsctze beruhenden und diesem ausschließlich sich weihenden Staatskörpers, für welchen Gott es bestimmt hatte. Und darum war Israel krank und siech, darum trug cs den TodcSkeim seines Staates in seinem Busen, trotzdem, noch hundertundfünfzig Jahre lang der.Königsthron in Jerusalem und der Tempel ans Zion stand, trotzdem noch ein EhiSkia und ein Ioschija dem Usija in der Negierung folgen sollten: ״euer Vanb verödet, eure Städte gehen in Feuer auf, in eurer Gegenwart zehren Fremde von eurem Acker - das Land ist schon öde, als hätten cS die Fremden schon verwüstet!" ״ ונותרת כת טיקUnd es bleibt nur die Tochter ZionS übrig, wie eine Hütte im Weinberge, wie eine Nachthcrberge im Kürbisfeld — aber sic ist wie eine belagerte Stadt." Rettung ans dem drohenden Untergänge, Genesung von der den ganzen Organismus durchwühlcndcn Krankheit — ״vom Fußballen bis zum Haupte ist schon nichts Gesundes mehr" — könnte von Zion, von der GottcSstättc ans Juda und Jerusalem, dem Volke und Staate, werden, denn Zion war ja die Schutz gewährende Hütte im Weinberge GottcS, die Nachthcrberge, in welcher dem Ermatteten Ruhe und Erquickung winken. In dem GcsctzeSheiligthume hätte Israel sich verjüngen können, wenn eS den dort sprudelnden Quell der Erkennt»iß GottcS und Seines Gebots hinübcrgclcitet hätte in die Sphären deS Einzel- und Volkslebens, wenn es nicht den symbolischen Gottesdienst im Tempel an die Stelle des wirklichen Gott dienenden und der Erfüllung seines Gebots ausschließlich geweihten Lebens gesetzt hätte, wenn eS in dem durch den Tempel rcpräscntirten Gesetze nicht eine lästige Beschränkung der freien Entwickelang des Volks- und StaatSIebenS erblickt und in ihm den Feind betrachtet haben würde, gegen den cS sich zu schützen galt, den man einznengcn habe in seine Mauern, daß er nicht zur Herrschaft gelange im Kreise der Menschen. So ward Zion zu einer belagerten Stadt, belagert von dem eigenen Volke. Im Tempel beugte es sich vor dem Gesetze und brachte Weiheopfer dar, der Tempel aber ward zum Gesängniß der Thora, der man keinen Zutritt gestattete in dem schaffenden, genießenden Leben außerhalb dcS TcmpclranmS und dieses 1md) eigener Willkür gestaltete. Und nur ein winziger Kreis war übrig geblieben, der Gott und seinem Gesetze die Treue und den Gehorsam bewahrte, und in diesen kleinen Kreis flüchtete sich die Hoffnung, daß Israel nicht gänzlich dem Untergange geweiht werden würde, daß Staat und Tempel wohl der Vernichtung auheimfallcn könnten, daß Israel aber seinem heiligen Bernsc erhalten bleiben werde für und für. לדידי הותיר לנו שריד כמעט. Hätte Gottes Gnade uns nicht einen winzigen sich von der allgemeinen Bcrderbniß absondernden Kreis bewahrt, so würden wir der vollständigen Entartung Sedom gleich verfallen, und das Amora vernichtende Geschick hätte and) nnS getroffen, und wir waren von der Erde verschwunden. So das Gottcswort an das Israel IeschajahS, hnndertnndsnnfüg Jahre vor dem Untergänge deS jüdisehen Staats und des heiligen Tempels. — — — Und wir, die spätgcborcncn Enkel Derer, die eS aus dem Munde des Propheten vernommen, könnten wir nnS diese Mahnung vor die Seele führen, ohne nnS von derselben getroffen zu fühlen? Zeigen wir nnS als echte Söhne der göttlichen Erziehung? Haben wir endlich Gehorsam und Vertrauen gegen Ihn, unfern Bater und König, gelernt? Ist nnS das Verständnis; unserer Ausgabe, der hohen Stellung, die Er nnS angewiesen, gekommen, so daß wir ihr gerecht werden in heiliger Begeisterung? Sind wir endlich daS גוי קדוש geworden, das sich ganz der Erfüllung dcS göttlichen Willens hingehende Volk? Weilt das GottcShciligthum in unserer Mitte, umgeben von einem McnschcnkreiS, der seinen Geist in sich aufnehrnen will, sich ausschließlich von ihm bestimmen zu lassen entschlossen ist in allen Beziehungen, im. Handel und Wandel, im Denken und Fühlen, iln Streben und Genießen? Haben wir nicht auch Gott und sein Gesetz in den Raum eines

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