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Jeschurun · 1884-07-24 · Heft 30 (24.7.1884) · p. 467

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 30 (24.7.1884)
Article
Der alte Irrthum und der neue Wahn
Date
1884-07-24
Page
467 (sequence 3)
Language
German
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467 prächtigen Hauses gesperrt, zu welchem wir uns zu ge- 1 wissen Zeiten begeben, um ihm dorr unsere Auswartuug! zu machen — unser Leben aber weiß nichts von ihm?'?! Ach, wir sind tief gesunken. Wir begreifen noch j immer m,S nicht, und nicht den Berus, für welchen! Gott unser Vater uns erziehen will. Gott spricht zu uns durch die schmerzcnsvollen Ereignisse der Gegenwart, aber wir vernehmen nicht seine Stimme. Wir bauen Ihm noch immer Tempel, aber unser Hans ist kein Tempel des gottdicnenden Gehorsams, wir singen ihn: Ehoräle, aber unser Schaffen und Empfinden ist nicht Ihm geweiht, wir feiern Ihm in den Synagogen Feste, aber versagen Ihm die Hutdignng durch die Einstellung unseres Werks nach Seinem Gebote. Wir haben uns einen neuen ״Glauben" und eine neue ״Gottesvcrchrung" gemacht, die nicht das von Ihm geforderte Bekenntnis; zum Inhalte haben, und wir wollen Ihn zwingen, die Religion unserer Mache anziicrkenncn als die Ihm gebührende, indem wir uns ״religiös״ und ״Gemeinde des Herrn" nennen. Und wir haben uns Pjasseu bestellt, die uns ״mtscre religiöse Ueberzengung" als Judenthum lehren und predigen sollen und den Abfall und die GesetzcShöhnnng als ״wahres, aufgeklärtes Jndenthnm" zu verherrlichet! haben, llnd diese Männer, die wir Rabbiner und Prediger nennen, sie lassen sich zu solch argem Frevel herbei und lullen unser Gewissen ein, und predigen die Lüge und lehren den Trug, und wandeln uns voran auf der abschüssigen Bahn dcö Verraths und Treu.׳ bruchs. Und Derer, die sich rein erhalten in dieser Entartling und sich treu beivühren in dieser Zeit des Abfalls, sind nur wenige — auf sic aber stützt sich die Hoffnung der Hcilcsznkunst Israels und der Menschheit. Sie sind cs, die um Zion trauern, die am nennten Aw klagen, — den Anderen ist diese Trauer und Klage fremd, sie haben kein Verständnis; dafür. Erstorben ist ihr Gefühl für Zion, erstorben die Einpfindung für die Mission Israels, erstorben die Viebe für die Thora, erstorben die Treue für das Gottesgcfetz- Sie bedürfen nicht des Trostes, sie hegen keine Hoffnung. —- Die Mehrheit des Volks, seine Angesehenen uub Großen, hatten sich Gott und seinem Gesetze entfremdet, und darmn siel 3c1*ufalcm und Zion, und Israel wandcrte iu's Exil. — Nur ein ״ שריד במעטeine geringe Minderheit" war nur noch geblieben, die Ihn! die Treue bewahrt, diese Minderheit konnte den Untergang des Staats nicht anfhaltcu, aber sic nahm das Gottesgcsctz mit hinaus in die lange Wanderschaft, und ihre diesem Gesetze gezollte Treue bewirkte die Er- Haltung des Iakobsstammcs. — Die heutige Minorität vermag das Ende des Gatnth nicht hcrbcizuführcu, aber sie rettet die Seele Israels, sic bewahrt den Geist des Volks vor ganzlichcr Versumpfung, sie hält das Gottcsbanner hoch empor und trägt es der Menschheit voran, bis sich alle Völker um cs sammeln und zusammen finden ״auf dem Berge des HauseS Gottes." In dieser festen Zuversicht wurzelt die Hoffnung und der Trost des במעט TTw, das am neunten Aw sich zur Erde setzet, dessen Thränen rinnen um ZionS Fall, dessen Seufzer gelten dem alten Irrthum und dem neuen Wahn, dessen Klage hinanstönt in die Nacht, in das Düster'der Zeiten, bang und traurig: unsere Väter, die heimgegangen, haben gefehlt — auch wir tragen die Last ihrer Sünden . die Freude unseres Herzens ist verstummt — in Trauer hat sich verkehrt unser Reigen — die Krone uuftreS Hauptes liegt zu Baden - ׳ weh uns, nur haben gesündigt!-— Will ft für immer Du unser vergessen — Dich für die Dauer unser entziehen?? — — - השיבנו אליך ונשובה הדש ימינו בקדם. ZINN Vrrstimkülj kr itfiicfleu pljufc kr Momt. (Fortsetzung.) Sprechen wir eS doch endlich einmal klar anö: die Krankheit unserer Zeit in dein jüdischen Gemein- und Einzelwesen ist eben die ״Differenz" der Anschaun gcn in Betreff dcS Iu dent hu m8 bei Denjenigen, wclche als Lehrer und Rabbiner unter uns wirken. Die einheitliche Gottesgcmeme hat sich in zwei große Lager geschieden. Die Einen bekennen sich zu dein alten einzigen Judcnthnmc, welches die Anerkennung des schriftlichen und mündlichen GesetzeS als Offenbarung Gottes an Moses zur ewigen Verpflichtung und Irenen unverbrüchlichen Danachachtnng für jeden von einer jüdischen Mutter Geborenen oderfreiwillig in den Verband des Indmthnms Eintretcuden proklamirt. Sie erkennen die heute in unseren Händen sich befindlichen Urkunden in Bibel und Talmud als die wahre Erkenntnißgnclle für dieses Gesetz an. Das in nuferen Händen sich bcsindcndc Prophetcnwort gilt ihnen buchstäblich als Gottcswort. Die Anordnungen unserer Weisen sind ihnen nach dem Aussprüche GvttcS gültige und verbindliche Vorschriften, denen sie willig Gehorsam zollen. Auch diejenigen Observanzen, welche als frommer Usus gepflegt werden, sind ihnen geheiligter Brauch und vor willkürlicher Abänderung geschützt. Kurz, ihnen ist Jndenthnm das auf תורה שבכתב und גזרות ותקנוה של רבנן ,הורה שבעל פה und מנהג של ותיקין basirende Jndenthnm saus phrase. Die

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