Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1884)
- Article
- Das jüdische Kriegerdenkmal
- Date
- 1884-05-15
- Page
- 306 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2932754-2933049-2933069-2957045--15604-2957093- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ohne Unter sch!cd des Alters und des Geschlechtes, und sie leimt!einerlei Ausnahme und!einerlei BefreinngSgrnnd. Und darum har sic nicht nur ihre Heldensöhne, die freudig in den Tod gingen bei der Vertheidignng 11)1*00 lhenerslen Gutes; der Grifse! ihrer Geschichte hat auch zu verzeichnen ungezählte Reihen j von Tausenden von Heldcntochtcrn, von Vätern und j LNüuern, von .Unabcn und Mädchen, von Greisen und j t^rcisinnen, die nuithig und freudig mit dem Tode besiegelten, wofür sie im ^cbcn gestrebt und gerungen, gelämpst und gesiegt. Süß ist der Tod in der todenden Schlacht, leicht und kurz der Todcskampf auf dem Belte der Ehre. Ihnen aber war der Tod entgegengetreten in seiner schrecklichsten Gestalt, und auch den Marlertod Hoden sie defiegt. -- Und ehrfurchtsvoll zu ihnen anfdlickend, den im Tode ewig Lebendigen, hat j ihr Voll seinen Heldensöhnen und Töchtern auch ein Kriegerdenkmal gestiftet, herrlicher als nuS Marmor und Gold, dauernder als aus Granit und Bronze. Tenn dieses Krieger-, dieses Siegcrdcnknial, mehr Jahr- Hunderte sind verstrichen seit seiner Errichtung als Jahre seit der Erbauung der modernen aus Stein und Metall- oder noch immer sammelt eS alljährlich um sich in Bewunderung und Ehrfurcht die spätgedorcnen Geschlechter. Und sic, zu deren Ehre cs errichtet, sind lebendig unter den Lebendigen und gegenwärtig in jeder Gegenwart, und wecken die Schlummernden und degeistern die Wachen, und spornen die Erschlaffenden und stärken die Schwachen, und beleben die Kraft und entflammen den Mnlh, ein leuchtendes Vorbild den :Uten, ein tellchteltdeS Vorbild den Jungen. *Aber wo ist die Stätte dieses herrlichen Denknt als. das in seiner Wirkling ja alle Wunderwerke der bildenden Kntist weit hinter sich läßt'? Welcher Künstler hat cs geschaffen und aus welchen! Stoffe ist es geformt'? Seine Stätte? Wohin ans lvciter Erde in Ost und West, in Süd und Nord Israels Söhne und Töchter der flüchtige Wandcrfnß getragen, überall, wo sie treu das heilige Batercrbe bewahren und ihm die Häuser bauen und ihm ihr Leben weihen, dort wird's geschaut in Herrlichkeit, an der Newa wie am Arno, am Rheinstrom wie am Hudson. Denn alljährlich, wenn der große Tag wicderkchrt, an welchem dieser Nation die Manila oharta verliehen worden, die ihr seit Jahrtausenden nicht nur zugesichcrt, sondern gewährt hat Unsterblichkeit inmitten dem GrabeSgcschick dahinsinkendcr Völker, Freiheit und Selbstständigkeit in Tyrannensesseln und unter den Ausschreitungen zngclloser Wiilknrhcrrschaft, Seelenfrieden und GeinütheSruhe und Lebcnshciterkeit auch uulcr jahrhnndertlanger Verfolgung und Bedrohung: da baut es sich alljährlich ans in Geist und Herz und Brust aller Söhne und Töchter ZionS das Ehrcndenkmat aller Derer, die für diese Magna Charta alles geopfert, was sonst dem Leben Werth und Bedeutung verleiht, die in Berthcidigung dieses höchsten Nationalgutes freudig ihr Leben gelassen. Und cs erhebt sich strahlend, riesengewaltig, j hinnnclanstrebend, bcglänzt in ewigem Morgenstrahle j von jener Sonne, die auf Sinai leuchtet. Und mit j unverwclklichcin Lorbeer geschmückt, erstehen sie Alle in Jugendfrische und Vollkraft des Lebens, und als Tribut der Huldigung legt jeder jüdische Sohn und jede jüdische Tochter einen Kranz zu ihren Füßen nieder, . gewunden aus SaugeSblüthcn des königlichen Sängers. Und diese Blnthcn hauchen 'ncn wundersamen Duft, der Hauch, er wird zum Sange, der Saug zur Melodie, die Melodie zun! Worte, nur leis, zuerst ganz leise, dann schwillt eS mählich an, wird laut, dann immer lauter, die leise Todtcnklage wird Helles Sicgcsjanchzcn, und jede Brtlst wird Harfe, und jeder Pnlsschlag Ton, und jetzt tönt'S durch die Welten in mücht'gcr Harmonie als hehre Siegeshymnc: "הנאהבים sie wußten sich geliebt, durch Sturm und Wetterwolke ein liebend Batcrangc aus sie stets niederschaucnd." Und deshalb: "הנעימים בהייהם vollbrachten sie's, zu bannen aus ihrem Leben alles Herbe, und frei von Haß und Selbstsucht, als Eltern und als Kinder, als Brüder und als Schwestern, als Freunde und als Bürger als Menschen unter Menschen, nur Segen bringend, nimmer Segen suchend, des Menschthum Palme zu erringen. Ihr Hans — ein GotteSteinpel, ihr Thun ein EngclStvirken, ihr Leben — eine Hymne!" Und darum auch: "במותם לא נבררו, war ihr Tod nur ihres Lebens Krönung Nicht trennte sie der Tod von dem, was sie im Leben waren, wie sie gelebt, so wußten sie zu sterben: im Leben Sieger, Sieger auch im Tode. Wie jeder Athemzng und' jeder Pnlsschlag Gott gcweiht und seinem Worte: sie gaben ruhig, heiter, freudig des BlnteS letzten Tropfen hin und hauchten froh die Heldenseelc ans, treu ihrem Gotte, treu — sich selbst!" — Denn: "מנשרים קלו ומאריות גברו, wenn voll Ehrfurcht wir den Blick erheben, empor zu ihrem Heldenlcben, 1 o, was ist Adlerschwniigkrast, was ist Löwenstärke zu ihres Geistes und GemülhcS, zu ihrer Seele Schwung- 1 kraft, zu ihres Willens Stärke?! Was den irdischen - staubgeboreuen Menschen nur hinabzuziehen vermag zum - Staube: Freude, Reize, Güter und Genüsse, Ehre, Macht und Glückesstellung, Menschenlob und Menschen- ) beifall — winkte lockend auf der einen Seite. Was ) I an Leid und Hohn und Schande, was an Mühsal,