Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1884)
- Article
- Das jüdische Kriegerdenkmal
- Date
- 1884-05-15
- Page
- 307 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2932754-2933049-2933069-2957045--15605-2957094- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
307 Druck und Elend, was an Jammer und Entsagung, was an Grau'!! und Qual und Marter nur den schwachen -^taubgeborenen schrecken kann zn Schuld und Abfall—: winkte drohend ans der anderen. Sic lockt nicht der Reiz der Erde, sic schreckt nicht der Erde Schrecken. Führt' ihr Weg sie in den Abgrund, ihürmten Felsen sich entgegen: Abgrundtiefen, Felsenklippcn, was seid ihr für unsere Hctdensöhne, was für unsere Hcldcntöchtcr, die, Seraph gleich, vor GottcS Throne, ans ihren Gott den Blick, das Ang' auf ihre Pflicht, nichts anderes wollen, als erfüllen, wozu ihr Herr sie sandte, als vollbringen das Wort ihres starken gestaltenden Hortes!" — Das ist das jüdische Kriegerdenkmal, das alljährsich neu sich erbaut in unseren Herzen, und unseren Hcldcnsöhncn und unseren Hcldentöchtcrn hienicdige Unsterblichkeit sichert. Denn nicht auf ihre Bergangenheit, sondern auf unsere eigenste Gegenwart lenkt cs unseren Blick. Die hehren Gestalten Derer, die für die Thora sich geopfert, lehren uns ja bei der Wiederkehr des TborafcstcS den ganzen Ernst, aber auch die ganze Glückseligkeit, die die Aufgabe, Träger der Thora zn sein, dem jüdischen Sohn und der jüdischen Tochter bringt. Ein vernichtender Protest aber sind sic gegen jene Jämmerlichkeit, die mit Guirlandcn und Kränzen das Fest der Thora zu feiern wagt, die sic im Sieben mit Fügen tritt, und die nicht davor zurückschrickt, an eben diesem Thorafcste jugendliche Sprossen des Abraham- Hauses festlich geschmückt, angeblich als Söhne und Töchter, dieser Thora znznsühreii, die sie planmäßig zum Abfall von derselben erzogen hat. Zu Denen aber, für die diese Thora sich als עץ החיים bewährt hat, dringt's in solcher Stunde huldigenden Rückblicks und prüfender Einkehr weit her über die Lande, wie ferner Schojarton. Er kommt vom Gottesbcrge, ruft: ״Tochter!" und ruft: ״Sohn!" Da sinken alle Bande, das Her; wird frei und rein — der Bater ruft die Kinder, die jauchzen: ״Wir sind Dein!" Pulle für die rrligiöff Erfüll 1!!lg. V. Des verständigen Erziehers Sorge wird darauf gerichtet sein, daß der Zögling nicht gedankenlos sich der Ausübung der religiösen Pflichten widme. Sind ja dieselben vielfach für den Zweck ihres allerhöchsten Gebieters keineswegs mit dem Momente ihrer Erfüllung erschöpft, sondern wollen die Läuterung unseres Wesens, die Erleuchtung unseres Geistes, die Regelung unserer That bewirken. Es würde die gedankenlos geübte religiöse Handlung demgemäß nicht die zweckentsprechende Bethätignng unseres Gehorsams mvolvircn, da sie nicht im Stande wäre, jene Läulcrnng, Erleuchtung und Regelung an uns zu vollziehen. Wenn wir unsere Kinder z. B. nur daran gewöhne Hütten, Zizirh und Tesiliin anzulegen, die Werlverbote des Sabbaths nicht außer Acht zn lassen, Mazza zu genießen, Schosar zu hören, Lulab zn nehmen u. \. w., aber cs unterlassen haben würden, ihren Sinn zu!necken für die mit diesen Ucbnngen und Bcobachlungeu verknüpfte Bedeutung derselben, wie sollten dann Zinth sie mahnen, der Gesetze Gottes eingedenk 511 sein, Tcsillin ihnen einprägen, Hand und Geist in Seinen Dienst zn stellen, Sabbathwerkverbot ihnen die Gottes- Herrschaft über die Welt zum Bewußtsein bringen, Mazza sie Gott als den Erlöser und Besreier erkennen lehren, Schosar ihr Inneres erschüttern, Lulab sie die Freude vor Gott finden lassen? Und doch ist dieses der mit der Pflichterfüllung ausgesprochener Maßen vcrbnndcue. Zweck des Gesetzgebers, welcher durch dieselbe bestimmte Begriffe lind Wahrheiten in uns wecken uild zum Ancrkcnntuiß bringen will. Für den Erzichnngszwcck aber kommt noch ein anderes Moment hinzu, um uns zn warnen, uns auf das gedanken- und verständnißlose Gewöhnen unserer Kleinen an gewisse religiöse Handlungen zu beschränken. So wenig wie die allgemeine Erziehung ihr Ziel darin erblicken kann, lediglich den kleinen Menschen während seiner Unmündigkeit und Unselbstständigkeit au die Beobachtnng des allgemeinen Moratgesetzes zn gewöhnen, uub ein Genüge darin zn finden, daß das Kind nicht lügt und stiehlt, seine Begierden im Zaum hält, gehorsam und verträglich ist: so wenig Eltern sich in den! stvlzeir Gedanken wiegen dürfen, daß sie es verstehen, eine solche Autorität ihrem Kinde gegenüber auszuüben, 11111 jeden Versuch einer Auflehnung gegen dieselbe im Keime zn ersticken, aber achselzuckend gestehen müssen, ob auch ihr der elterlichen Zucht demnächst entwachsendes Kind ein Lügner, Betrüger, ansjchweiseud, hartnäckig und ungefügig sein iverde,. das sei nicht ihre Sache, dafür könnten sic nicht bürgen und Hütten.nicht zn bürgen, ihre Erziehungspflicht brauche in ihrer Wirksamkeit nicht über den Zeitraum der Erziehung hinansznrcichcn, — so wenig kann cs dem religiösen Erzichnngszweck genügen, wenn das Kind nur für die Periode der nnmittel-- baren erziehlichen Einwirkung der religiösen Pflicht sich anbcgucme. Und doch begegnet man so häufig einer gegentheiligen Ansicht. ״Wir thun das Unsrige. wir halten unser Kind zn einem religiösen Leben an, von uns sieht es keine Verletzung des Religionsgcsctzes, wir nöthigcn cs durch Güte und Strenge, uns auch hierin zu gehorchen; was es später thun wird, ob es dainr nicht sich über Manches oder Vieles hinwegsetzen wird, dafür übernehmen wir keine Bürgschaft, das hat cs