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Jeschurun · 1884-04-09 · Heft 15-16 (9.4.1884) · p. 230

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 15-16 (9.4.1884)
Article
Ein uralt Peßachlied
Date
1884-04-09
Page
230 (sequence 3)
Language
German
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230 wollen. Dahin ist aller Göttcrglaubcn, dahin alle Heldenkrnst. dahin alle Mannestrcnc, alles, bisher in Bade! Werth gehabt, wird nichtig vor dem Eroberer. 'Ader ושע אריות; der Jude Daniel allein destand. er, der in jener schwachmüthigcn, genußsüchtigen | Zeit den Heldenmut h gcsunden, sich vor den Vöwcn jener Grube nicht zu fürchten; mir ihm desianden seine treuen (Genossen; und das Volk Israel, das verachtete, blieb fest und nnerschüucrt, überdauerte den Glauben, die Götter und das Reich Babels. פותר בעתותי לילה Daniel deutete die Schreckcnsgcsichlcr jener finsteren Zeit. Wie seine Deutung dem Rebnkadnezar die Thorheil seinem Stolzes gezeigt hatte, so verkündete sein Wort dem Belsazar die Richtigkeit des leeren Genusses, er zeigte durch seinen Todcsmnth der Welt den hohen Werth der Uneigcnnützigkcit und des Opsersinncs, den Abraham zuerst bekundet hakte. §0 bietet Daniel und das Bild Israel, wie es in der Berbannnng Vicht um sich zu breiten und zur Erleuchtung der Völker, wie zu seiner eigenen Erhaltung zu wirken hat. Der persische Eroberer wird zun! göttlichen Werkzeuge, Israel zur Freiheit zu führen, und er bietet den Gefangenen den Morgcnstrahl der Königsgunst. Bis: Du so vorschnell, Volk des Ewigen, dich diesem Vichtc hinzngebcn? Blendet dich der ungewohnte Schein? Wähnst du. eS sei für immer vorüber mit dem Hasse? Du wirfst dich deiner Zeit in die Arme und vergissest, das: der Tag sich bald in Dunkelheit verwandeln kann? Siehst du nicht die unheimliche (Gestalt des Amaletitcn? ,שנאה נבור אגני Ha man, der Agagit, bewahrt g׳׳tren den allen Haß, ונתב ספרים בללה er schreibt die verderbliehen Briese in der Peßachnacht, den freudigen Erinnerungen Israels zum Trotze; uin Israel ans dem Wege zur Freiheit zu hindern und cs ganz zu ver- Nichten. Da erwacht Israel ans seinen! Traume, rafft sich empor aus der Dunkelheit, die cs umfängt, da. בנדד שנת?1'יה, als sie selbst den gesctzesrreucn Sinn in sich wachrufen, als der nächtliche Taumel flicht, •עוררת נצהך עלי da erweckte der ewige Richter auch seine Macht gegen ihn; die opserntürhige Thal des Juden Mordcchai ward anerkannt, der stolze Dränger cmlarvtl Ein warnendes Bild für Israel, die vorübergehende Tageshelle nicht für die messianischc Zeit auzusehen, den ewigen Strahl des GoNcswortes nichl hinzugeben für den trügerischen, eitelen Glanz einer Zcitlaunc. ' Hat uns der Dichter mit Windeseile durch die Geschichte Israels geführt, so werden wir ihn wohl begreifen, wenn er in! Rainen seines Volkes ansrnst: ״ פורה תדרך לשומר סח סלילהEinst!rittst du die Kelter für das Volk, welches wachend dasteht, wie weit cs wohl sein mag in der Rächt." Israel sah feine Dränger dastehen in der Fülle ihrer Macht und murrte dennoch nicht und verlor nicht den Math. An! Peßach blickte eS rückwärts in die wechsetvollcn Ereignisse der Vorzeit, an! Peßach fand es den Mulh, hiuanszuschauen in die kommenden Tage. Ja, wie ein שלמר מה מלילה steht Israel da, wenn das Dnnkel der Verfolgnng sich noch so schwarz um die Söhne Jakobs breitet, und wenn Jahrhunderte vergehen ohne Bchtstrahl von außen her — Israel gicbt die Hoffnung nicht auf. Wie der Wächter, der schon viele Tage und viele Rächte an sich hat vornbergehen sehen und die Gesetze des Tages und der Rächt wohl kennt, steht cs da, laut verkündet cs die -Stunden, die schon vorübergegangen sind von der unendlich scheinenden Rächt. Und wenn das Wort ertönt: אחא בקר ונס לילה Der Morgen kommt heran, aber cs naht!nieder die Rächt; wenn dies Gesetz des ewigen Wechsels gcschichtsicher Erscheinungen ausgesprochen wird, und während dieses ewigen Wechsels nur Israel nnerjchütlcrt dasteht, so darf in uns die Hoffnung aufstcigen und zur Gewißheit werden, קרב יום, daß du herankontmen lassest den Tag אשר הוא לא יום ולא ללה. der weder Tag noch Rächt ist. Indern Israel selbst wandelbar ist in seinem Wesen, sich abkehrt von dem ewigen Vichtc und ihn! sich wieder zuwcudet, wechselte auch fein Schicksal, und der Tageshclle folglc finstere ׳Rocht. Wenn uns der Ewige zur Festigkeit bringen wird, werden uns die anderen Völker darin folgen, und cs wird das Steigen und Sinken ans Erden sein Ende haben. דם הודע ״Du, Erhabener, wirst es der Welt znm Bewußtsein bringen,״ כי לך היום אף לך דלילה ״daß für dich und deine Zwecke der stete Wechsel von Tag und Rächt vor sich gegangen ist," indem du die Menschheit zur Festigkeit vor dir zu bringen gesucht hast. שומרים הפקד לעירך בל דרום וני‘ הלילה Wächter wirst du daun Tag und Rächt stehen haben vor deiner Stadt, damit deren Thore nie geschlossen werden, der Haß sich nicht von Rcncin unter die Erdenbcwohncr dränge, daß die Tage des Messias ans Zion nicht wieder verscheucht werden. Dann תאור נאור דרום השנת לילה wird die Finsterniß, die Israel heute nmgiebt, den! Hellen Tageslichte weichen, der Ewige selbst wird unser stetes Vicht sein, nie wird die Dunkelheit wiedcrkonunen, und wir werden rufen: ויהי בחצי הלילה einst nun* die finstere Mitternacht. So belauschen wir in diesem Vicde den Geist des gcsanrmtcn Israels, und Alle nlüssen cs mit uns cnierkennen, cs ist der Gottesgcist des reinsten und schönsten Mensche,uhnrns, der sich in diesen cchtjüdischcn Klängen j aussvricht. Es ist uns, als stände Israel ans dem! Warttharmc und blicke spähend in das Dnnkel der! Zeit hinaus, ob in der Ferne der Morgen nicht anj bricht. Dem Vichtc führt uns unser Pfad zu, und nur j ewiges Gottes!icht kann das Streben Israels bleiben.! Ob in der Jctztzcit die vorzeitlichen Schatten austanchen,

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