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Jeschurun · 1884-04-09 · Heft 15-16 (9.4.1884) · p. 229

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 15-16 (9.4.1884)
Article
Ein uralt Peßachlied
Date
1884-04-09
Page
229 (sequence 2)
Language
German
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229 Acghptcr das fremde Volk, das ihnen vickleicht zn sehr vertraute, mit den Fesseln des Sklavcnthnins umgeben. Der Sanne ihrer Gunst, welche durch die von Joseph geleisteten Dienste hervorgernsen war, folgt allmählich die Abenddämmerung, nach und nach ziehen sich die Ketten fester, cs wird bnnfclc Tracht mit die Söhne jener rüstigen Tagcslämpser: durch Jahrhunderte der Knechtschaft scheint dieselbe endlich zum Rechte zu werden, das Gesetz der Freiheit scheint durch die lange Dauer verloren zu sein. Jubelt ihr, Freunde der Nacht, da8 der Strahl des Rechtes nun nicht mehr durch die Finstcrniß dringen kann, weil die Nacht zu ihrem Höhenpunkte gelangt ist? Wißt ihr nicht, das;, nachdem die Mitternacht vorüber, ihr euch dem Morgen nähert, ob ihr wollt, oder nicht? Seht ihr die beiden nnerschntterlichen Gottesbotcn mit der lästigen Freiheits- Mahnung dem Pharao sich nähern? Wehrt ihr euch vor dem herein brechen den dichte, und euer Trotz soll euch schützen vor dem Gotte der Freiheit, der in seinen Strafen selbst euch mit den Waffen des Recht cd naht? זרע בכורי פתרוס מחצת בחצי הלילה היל:! לא מצאי ״ בקוסם בלילהDu ftrccftcft die Kinder von Patros, die Erstgeborenen, nieder um Mitternacht, sie fanden ihre Kraft nicht, da sic aufstanden in der Nacht." Gerade um Mitternacht mußte die Strafe sie treffen, weil sic selbst die )lacht des Unrechts liebten, wcil sie sich gewehrt hatten vor dem Morgcnlichte der besseren Zeit; weil ihre Kraft ihr Recht und ihr Stolz gewesen, mußten sie endlich die Zerstörbarkeit der Macht erkennen; mußten einseheu, daß das )?echt des Tages sich intmcr wieder und wieder sein Gebiet erringt, während das Dunkel der rohen Gewalt sich immer mehr zurnckzichcn muß. Auf den Schwingen des kühnsten Dichtergeisics führt uns unser Sänger nun hinweg über die Zeit des Wüstenznges, der Eroberung Kanaans, und er singt: טיסה נגיד הרשה סליה בבבבי לילה; und er läßt uns jenes Kampfes mit Sifera gedenken, da der Held von Ehazor, nachdem er ans den! Schlachtselde unterlegen, sinken muß vor der Hand eines Weibes. Da war den! Sonnenstrahl der Freiheit und des Glückes wiederum das Dunkel des Elends gefolgt, fremde Böller hatten gewalnhätig über das Gottesvolk zu herrschen begonnen. Hatte doch Israel sich abgewandt von der Sonne der Thora, hatte es doch seinen Geist von der Täuschung des GvtzenrhnmS nmnachten lassen — was Wunder, daß seine Söhne der Macht der Völker anheimgesallen sind? Wenn Israel abläßl von seiner Thora, so wirst es die Waffe hinweg, die es allein zu führen versteht und mit der cs Andern überlegen ist: aber nie wird cs den Wettkampf cingchcn können mir dem gesetzlosen Machtstreben eines Jüdin, da nmß cs unterliegen. Aber Debora, die ״Mutter Israels", die Erzieherin des Volkes, erhob sich, sic saß zn Gericht über das Go'.tesvolk, sie einte dessen -Stämme von Raum bis Navhtali durch die Vchre; so gckräsiigt, nenbcstrahll durch das Gesetz, standen sie mnlhig aus gegen Sisera, sic wagten es, ihn beim Scheine der sonst von ihnen verehrten Sterne zn bekämpfen, und im Angesichte derselben ward Siscra's ))?acht gebrochen; sein Sturz in der Hütte Jaets mußte den! Volke die Nichtigkeit der äußeren Stärke und rohen Gewalt zeigen. Und zur Zeit des gesetzeslreucir Hiskia, als das Vicht des heiligen Wortes, von gottbcgeistcrten Schern verbreitet, tagcshell strahlte, •— da konnte auch der Glückshiinmcl Israels nicht verdunkelt werden. יעץ סהרה Wohl versuchte der lästernde Sanherib ׳wiederum Nacht über Inda zn breiten, die Nacht des Elends durch seine Heeresmacht, die )?acht der Gesetzlosigkeit durch die Bersührnngskünste seiner Unterhändler, aber הובישה פגריו בלילה der Ewige machte seine Starken zu Reichen, sic sanken in der Nacht. Der Feind mußte erkennen, daß, weitn es hell ist in Israel, man das Volk des Ewigen vergebens in Nacht stürzen tvill ----- Israels Verfolger kämpfen für das Vergängliche, und von ihren! Streben bleiben nur ihre?eichen, — Israel strebt für daS ewige Vicht, und sein Wirken kann nie vergehen. Weiter führt uns der Dichter ans seinem Fittige ans den Zeiten der Selbstständigkeit Israels nach Babel. Nacht hat das Gottesvolk nmjangen, wcil sein Sinn umnachtet gewesen, und ans dem Dunkel der Bcrbannnng soll es sich cmporhcben zur klaren Gotteserkemttniß ברע בל Es kam die Zeit, daß Bclns sank, וסצבו, das Fußgestcll, ohne welches der Götze nicht zur Höhe gelangt wäre, stürzte eben!nit ihm. Der Götze siel mit den! Volle, von welchem seine Verehrung abhing, und eben das Fnßgestell der trügerischen Gottheit, das Volk, was den trotzen erhoben, mußte mit ihn! sinken. In jener stürniischen Zeit, als Staaten sanken und Götzen stürzten, als Verwirrung und )lacht die Völker umgab, הזרת הלילה הסד לא da ward nur dem Daniel, dem )Ranne des göttlichen Wohlgefallens, das Geheimnis; kund, so daß er klar schaute in der Nacht. Ja, Israel stand damals ruhigen, sicheren Blickes mitten in den Stürrnen der Zeit, der Thron des stolzen Babel ward schwankend, die Götzen der herrlichen Stadt wurden machtlos, משתכר בבלי קדש und der schwächliche Belsazar berauschte sich im Angesichte des Feindes ans den heiligen Bechern des Gottestcmpcls. Er wähnte, die Zeit sei hcrangekoinmen, aller Götter zu spotten und auch des Ewigen. Da zeigte sich's, wohin, die sinstcre Selbstsucht das einseitige Streben nach Macht führt, der Enke! des Heldenmüthigen Nebukadnezar verzehrt seine Kräfte in thörichrer Genußsucht — er fällt durch das Schwert der Seinen, welch-׳ die Zeiten der )?acht mit ihn! nicht theilen

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