Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1884)
- Article
- Die zweite schwurgerichtliche Verhandlung des Neustettiner Synagogenbrandes
- Date
- 1884-03-27
- Page
- 202 (sequence 2)
- Language
- German
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früfjcr als mannshoch angegeben hatte. -- Frau Schnldrener Van sie rjicbt höchst u übest im in le Ae nste rn Nsie 1!, wie auch der Präsiden! koirstatir:. — Schlachter Angcrmann benimm! sich bei seiner Bei nehmunsi höchst ungebührlich. so das; der Präsiden: ihm mi! Verl,asu׳.ng droh:. Cr will am Vormittage des Brandes die beiden Lrsheim sehr aufgeregt sicsundcn haben. Ans die Frage des Präsidenten, warum er dies erst heule sage, er habe sogar früher vor dein Unte! nichnngsrichlcr behanvtek, Lesheim sc! sehr rnhisi gewesen, bemerk: er, dast er aus Geschästsrücksichren bis henke mit der Wahrheit Tie gleiche Wahrnchinunsi habe auch der verstorbene Barbier Keller gemach!, l^rst als Srubbe;11 ihm gesagt, er mi'rssc als Christ die Wahrhei: sagen, habe er keine Ruhe mehr gehabt. — «rau Goldstand! bezeugt, das; am Lage vor dem kösliner Prozeß Angermanu zu ihr sagte: ,.Ich must nach Köslin fahren, obwohl ich nicht das Mindeste weist." Als nun bald daraus die Aussage Aiigermann's in NeusteNiu durch die Zeitungen bekannt wurde, habe Frau Angcrmarni zu ihr geragt, die Angermann's seien alle ein bischen verrückt. -- Präs.: Nun, Augermanu, was sagen Sie L-.r;n'k — Augermanu: Ich werde doch der Frau ::ich: sagen, was ich weist. — Präs.: Sic sollen mir ans meine «rage antworten. Angermann: Cs ist ja möglich-, aber ich werde Frau Goldslandl verklagen, wie kann die so meine Frau beleidigend — Präs.: Die Zeugin ha: doch aber Ihre Frau in keiner Weise beleidigt. — Huiifinauit Gustav Orba ch: Angermann hat mir selbst einmal erzählt, er habe an Lesbeim Ansfälliges nicht wahrgenomrnen. Ter verstorbene Barbier Keller sagte cininal zu mir: ״Ich begreife gar nicht, dast man den Lesheim der Brandstiftung bezichtigen will׳, ich bin am Bormittage des Brandes;wischen!0 und II Uhr bei ihn: gewesen und habe absolut nichls Ausfälliges an demselben wahrgcnommcn. — Die Sitzung schließt daraus gegen 8 Uhr Abends. <i. Mär;. Zu Beginn der Verhandlung macht der Beiihcidiger Di׳. Sello die ivichlige und für den weiteren Verlaus des Prozesses höchst bedeutsame Mrlthcriirirg, dast der Zeuge Bet; er gestern den I»sti;rath Schennemann ausgesucht und diesem erklär! habe, sein Gewissen dränge ihn,;n bekunden, Maurer Lumbkc habe ihm einmal erzähl!, Buchhol; ljabe einem Arbeiter Tobberstein;ehr! Thalcr geboten, wenn dieser die Synagoge airzünde. Ter daraus vernommene Beyer bcstätigt voll und ganz seine Acnsterung. Buchhol; will natürlich das ihm zur Vast Gelegte nicht gethan haben. Doch ist;n bemerken, dast er nur;ögernd dem Präsidenten auf die an ihn gerichteten Fragen antwortet. — Lchncidergcsellc B c n s r! m e r wist dem Gerichte glaubhaft machen, dast in Folge des Schwenkens seiner Axt ans der Flur des brennenden Herdemann'icherr Hauses die Thür eines dort stehendcu Kleiderspindes, irr rvelchem es gebrannt haben soll, auf fiel. — Präsident und Berlheidiger hegen gerechte ei'wcisel in dieser Behauptung. Von dern Anträge des Veriheidigers Me i bau er, Postsckrciär schmoll in Nerisretnn;n laden, welcher bef 11 nbc 11 werde, dast Bnchhol; einmal in einem Schnapsladen trunken gemacht und alsdann belehrt rvnrdc. was und >vie er vor Gericht bekunden solle, und welcher die brtresscuden Personen tiamhasr tnachen werde; seiner die Mehlhändlcrssran Unger;n laden, welche kur; vor Beginn dieser Verhandlung veranlaßt sei, die unwahre Thatsache a'risznsagcn, dast Frau Lesheim nach der Verurtheilung ihres Mannes in Köslin erklärte, sie werde nunmehr auch die anderen Schuldigen uettueu, wird nur der erste Theil vom Gerichte aus Vorschlag des Staalsanwallcs augeuoiuinen. — Tic Aussagen der Jeu gen Maurer Buhse und Schuhmacher Haak, welche kur; vor Ansbruch des Brandes die Herren Löwe, Lehmann und mehrere Andere gesehen haben!vollen, rvidersvrechen sich beim Kren;» verhör in ganz wesentlichen Punkten, und von der Frau Nacht׳ Wächter Schul; insofern als unrichtig Hingestell!, als diese allerdings die verstorbene Frau Tempeldiener Löwen berg und Kürschner Goldsrandt gart; bestürzt ans dern Lchennerrbcrg stehen, dagegen andere Leute, gan; besonders Vöirc und Lehmann, nicht gesehen habe.— Frau L ch 11 h r > g. .Handelsmann Hain, Frau G x!ן s 11 n der, Schuhmacher B r o d d e und Klempner V o. s e r wollen gehör! haben, dast die fest! im Irrenhanse befindliche Schwägerin des Lesheim >11׳,׳. diesetn im Zorne gesagt: 9111״ u schweige ich nicht länger, ich bringe dich in's Znchthanü." — Drc Berlesnng der früheren gerichilichen Aussage der Frau Leöheim jedoch crgicbl, dast diese ihrcin Schwager wohl einmal gedroht habe, ihn wegen arger Beschimpfung an;1l;eig-.1׳l, von Zuchthaus habe sic jedoch nicht gesprochen, sie wisse auch nicht, dast ihr Schwager jenials etwas Böses begangen habe. — Instizrath Bk a k o rv c r benrerkt, dast den Geschworenen hier in öfscnrlicher Sitzung je ein Cxenrptar des ״Tenischen Tageblatts״ und der ״Neuen deutschen Votks;eitnng" ans Berlin iiberfa.11 bt worden, in denen die Vcrhandlitiig bezüglich der Angeklagten iin rrngünstigsten Lichte dargesielkt wird, und alle Schlagwortrr roth unterstrichen sind. — Der Präsident ist davon überzeugt, daß die Geschworenen sich durch Zeiuurgsschrcibereicn in keiner Weise beirren lassen. — Tie Aussagen der folgenden Zeugen sind ohne besonderes Interesse; sie stimmen mit den Aussagen früherer Belasinngszengen in Betreff des Frühgoltesdienstes, Petroleumkannen re. überein. — Berlheidiger Rechtsanwalt Ur. Sello theil: mit: Cs gehe ihm die Mittheilurrg zu, dast Lehrer Hübner und Kauflnairn Bessert dem Beyer über die von ihm gclhniien Crilhüllnngen Vorstellring gcrnacht. Da Beyer erklärt, er herbe noch weitere Cnlhüllrrngcn zu nrachcn, so beantrage er, denselber: observiren;11 lassen. — Der Gerichtshof entspricht diesem Anträge. — Kriminal-Komniissnr Höft: Bnchhol; theilte mir mit, er stehe deshalb angenblillüch von seiner Forderung gegen Heiden!,nur, die sich ans HG J(. belaufe, ab, bis die Verhandlung in Korritz beendet sein werde, damit er nicht als besangen gelte. — Buchhol; bestätigt das. — Kriminal.Kommissar Höst bc» künde! im Weiteren: Crn Pollzeidiener in Lceilftetlin machte mir die Ncitrheilung, dast der Wagenschmicrer Gärtner etwas Wichtiges;rr sagen habe. Ich bestellte den Letzteren; derselbe therllc mir mit:!4 Tage nach dem Kösliner Prozeß, und zwar am zweiten Freitage nach demselben, am 'J. November 1S8:3, sei er als Wagenschmrerer nnd Hütss-Weichensteller in der vierten Wageullasse von Nenstetlin nach Köslin gefahren Aus dem Kiest, einer Station hinter Nenstetlin, seien Frau Lesheim und Frarr Heidemann eingcstiegen. Die Crsterc habe ihm gesagt: ״Ich fahre jetzt nach Köslin, nm meinen unglücklichen Mann zu befreien; ich werde dem Staatsanwalt sagen, daß mein Manu durch Gcidgeschenle znr Brandstiftung verleitet worden ist." Gärtner erklärte mir im Weiteren ans mein Befragen: Cr könne sich nicht irren, denn diese Frauen seien rhm genau bekannt. Ich bestellte nun die Letzteren arich zu mir und lonsrouline sie mit Gärtner. Gärtner entsprach tneiner Auffordc» rnng, seine Bekundung den Frauen in's Gesicht zr! sagen. Als die Frauen ihn: jedoch erwiderten. dast er lüge, und ich ihn eindrmglichst verwarnte, begann er an allen Gliedern;u zittern und sagte, er irre sich. Ich stellte nun fest, daß ans dem Kietz Billets vierter Klasse nur bis Lamenthirr oder Gramen; vcrtauft werden, und daß in den letzteren Orten an diesem Tage solche Billets überhaupi nicht verkauft nutrdcn. — Ans weilereS Befragen bclrrndet der Ke-rnurissar: Cr habe absolut nichls er« mittel!׳ können, ivas die Angeklagten irgendwie belasten könnte. Den wirklichen Thätcr habe er allerdings auch nicht zu ermitteln vermocht. Cr habe sich überzeugt, daß die Thorarorlen sämmllich verbrannt und die iestigeu Thorarolle!: :Heils neu angeichasst, theils von anderen jüdischen Genieinden nach dem Brande geschenkt worden seien. — Fran Nr rr rr k und Kaufmann Neppen bekriuden übereinstimmend, dast etwa 5 ן ן! ן Minute,׳. vor Ausbruch des Feuers Leo Lesheim .^:vesen, um für