Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 12 (20.3.1884)
- Article
- Die zweite schwurgerichtliche Verhandlung des Neustettiner Synagogenbrandes
- Date
- 1884-03-20
- Page
- 186 (sequence 2)
- Language
- German
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186 niaitn'S ioflcu an mich denken." — Der Maurermeister Kaske bffiiit tflt die Drohung Buch ho!; an Hk'.dcmann in Betreff der tzi- J(. Lohndissercnz. — Aus den 'Antrag des Verthridigers Rechtsanwalt ) >r. 2cüc wirb dein Zeugen seine frühere ׳Änd. sage verlesen, wonach er gesagt, er sei der Meinung gewesen, Buchholz habe bei seiner drohenden Redensart den Tempelbrand im Äuge gehabt. . ׳Ans Befragen des Vcrtheidigcrs Rechtsanwall Dr. Scllo bemerkt der Beuge, die Heidcmann's seien ihm als ordentliche, friedfertige und keineswegs als religiösfanatische Leute bekannt. — Restaurateur Gugel, der Neffe des Hcidcmann son. erzählt daraus, das; Bnchholz einige Tage nach dem ׳Brande sagte: ״Der Heidemann ist doch recht dumm! Die alte Häckselmaschine kann man doch mit einem Hieb entzweischlagen rmd dann erhält man sie von der Feuervcrsichcrnngs- Gescllschast ersetzt. Daalte Ding ist doch nicht einmal das Verbrennen wcrth!" — Bnchholz: Daist eine Lüge.— Präs.: sich bemcrtc Ihnen, Buchholz, dag Sie sich solcher Aenßernngcn;11 enthalten Huben. Sie stehen mit vcrschtedcncn Zengen im Widerspruch; wie würde cs Ihnen gefallen, wenn Sic Jemand Lügner nennen wolltet — Ackerbürger M ah! ke: Ich sagte einmal zn Bnchholz: ״Wie kommt es, daß Dn noch immer bist bei den Inden?" Bnchhol; antwortete: Das ist wegen de- Tcmpelbrandcs." — Bnchhol; bestreitet die letztere Acußcrnng; er habe nur gesagt: ״Ich muß bei den Inden bleiben, tveil jetzt schlechter Verdienst ist." — Frau B n ch hol;: Kurz vor dein Brande erzählte mir mein Mann, daß er Holz ans dem Heidemannschen Hose habe wegpacken und zwei Bretter ans dem Zinnie brechen müssen. Nach dem Brande sagte mir mein iUanu, er habe den Lvwenbcrg oder den Lrshcim, genau weiß ich danicht mehr, mit einer Petrolenmkannc in die Synagoge gehen gesehen. Ich habe auch selbst gesehen, daß einen Tag vor dem Brande die zwei Bretter hcransgebrochen waren. — Benhcidigcr Rechtsanwalt 1)1׳. Scllo: Hac Ihnen Ihr Mann erzählt, daß er noch etwas anderes Ausfälliges wahrgcnommcn oder in der -Heidemannschen Wohnung gesunden? — Zengin: Nein. — Präs.: Wissen Sie, was eine Züudschnnr ist? — Zeugin: Nein. — Präs.: Haben Sie diese Schnur bei Ihrem Manne einmal gesehen? — Zeugin: Ja, 'die zeigte mir einmal mein i'i'ann mit dem Bemerken: ״Damit werden die Inden wohl den Tempel angesteckt haben." — Präs.: Wann zeigte Ihnen Ihr Mann die Schnur? — Zeugin: Im vergangenen Sommer. — Präs.: Bnchholz, was sagen Sie dazu? Sie hilbcn die Schnur Ihrer Frau schon im vergangenen Sommer gezeigt? — Buchholz: Das ist nicht wahr. — Präs.: Ihre Frau sagt es doch aber! — Bnchholz: Die F-ran irrt sich. — -Präs.: Nun, Frau Bnchholz, bleiben Sic dabei, daß Ihnen Ihr Mann die Schnur schon im vergangenen Sommer gezeigt hat? — Zeugin ,sich nmdrchend): Bnchhol;'. Wann war es rvohl, war es vielleicht erst jetzt? — Präs.: Sic sollen nicht Ihren Mann fragen, sondern das sagen, wa- Sie selbst wissen. Bleiben Sic ja streng bei der Wahrheit, cs könnte Ihnen sonst schlimm gehen. Sic könnten eventuell mit Ihrem Manne in'- Zuchthaus wandern! — Zeugin: Genau weiß ich ja nicht mehr, wann cs war. — Präs.: Sie haben vorhin mit Beslimmtheil gesagt. Ihr Mann hätte Ihnen im Sommer vcrgangcnen Jahres schon die Schnur gezeigt. — Bertheidigcr Rechtsanwalt Dr. Sello: Zeugin, Sie sind doch im Kösliner Prozeß auch ausgesordert worden, alles das zn sagen, was Sie über die Angelegenheit wissen׳, weshalb haben Sic damals über die Schnur nichts gesagt? — Zeugin: Ich hatte das vergessen׳. denn mein Mann halte die Schnur verleg! und erst nach dem Prozeß wiedcrgcfnnden. — Präs.: Zeigte Ihnen Ihr Mann die Schnur, als er sie gefunden, gleich wieder? — Zeugin: Ich glaube, vielleicht war cs auch später. Die Vcrrhcidigcr bedeuten dem Präsidenten, daß Buchholz soeben geäußert: ״Meine Frau wird hier ja förmlich wild gemacht!" — Präs.: Buch- Holz! Sie haben sich aller solchen Redensarten zn enthalten! (Zs wird hier Niemand wild gemacht; wir wollen und müssen hier nur die Wahrheit fcslstetten. Gs ist sehr leicht, Jemanden der Brandsiislung zu bezichtigen, man muß diese Bezichtigung aber auch alsdann beweisen können. — Dienstmädchen Hilgcr bestreitet entschieden, daß sie die Schnur ans dem Heidcmannscheu Spinde gefunden oder eine solche Schnur in der Heidemann'schen Wohnung jemals gesehen habe. — Nentier Sirvent: Ich sah am Tage vor und noch am Vormittage knr; vor dem Brande das Hol; ans dem Heldcmann'schen Hofe mann-hoch ansgcftapelt. Von ans dem Zaune gebrochenen Brettern habe ich nichtwahrgenommen. — Frau Sirvent bestätigt die Bekundungen ihres Gatten. Ich weiß mich schon um deshalb so genau ans das Lorkommniß zu erinnern, da mein damals achtjähriger Sohn während des Brandes den hohen Holzhanfen erkletterte und ich mich deswegen sehr ängstigte. — Frau Büto w schließt sich den Bekundungen der Sirvent'schen Ghelente an. — Präs.: Nun, Bnchholz, wenn die Bekundungen der drei letzten Zeugen richtig sind, dann fallen die ihrigen in sich zusammen. — Bnchhol;: Ich habe die Wahrheit gesagt. — Darauf (8n/4 Uhr Abends) wurde die Verhandlung vertagt. März. Nach Wiedcrerössnnng der Verhandlung werden zunächst einige von dem Staatsanwalt geladene Zeugen vorgeführt. — Vcrlhcidigcr Dr. Scllo erklärte, daß die Vertheidigung, da sie mit dem Thema prolmmlnm, über welches diese Zeugen verhört iverdcn sollen, nicht bekannt sei, eventuell von dem Rechte, die Vertagung der Sache zu beantragen, Gebrauch machen müsse. Da der Staatsanwalt erklärt, die bctr. Zeugen ver« nehmen lassen zu müssen, wird der Vertheidigung zur Berathnng mit den Angeklagten lO Minuten Pause gewährt, woraus, nach-! dem Insrizrath Makower erklärt, daß die Vertheidigung im 'i Interesse der Angcllagtcn leinen Vertagungsanlrag stelle, die! Verhandlung wieder ausgenommen wird. — Der min vcrj nommene Rendant GrivP erklärt, einige Tage nach dem Brande j von dem Polizcidicncr Conrad ein angekohltes, fettige-, klebriges! und nach Petroleum riechendes jüdisches Gebetbuch erhalten zu! haben. — Regiert! ngsrath Benoit bemeikl darauf ans die! Frage eines Geschworenen, daß ein mit Petroleum durchtränktes! Buch vollständig verbrennen müsse. — Handelsmann Äeer j erklärt, daß Steinsctzermeister Beyer kurz nach dem Kösliner l Prozesse geäußert: ״Nun ist cs 'raus mit dem Tcmpelbrande; > ich habe aber gegen die Inden nichts gesagt," woraus Frau l Beyer sagte, daß ihr Mann gar nichts wüßte, sondern von j Bnchhol; zur Aussage verleitet sei. Darauf sei ein Streit zwischen den Beyer'schcn Ghelcntcn entstanden. Beyer will aber nur gesagt haben, daß wenn Buchholz nicht gewesen wäre, er nicht als als Zeuge gekominen sein würde, da er die Sache nicht angewigt Härte. — Bnchhol; erklärt auf Befragen des Vertheidigers Rechtsanwalts Dr. Sello, ob bei Auffindung der Zündschnur außer dem Dienstinädchen Hilgcr noch Jemand zugegen gewesen sei, namentlich ob seine Frau zugegen gewesen sei, daß dies nicht der Fall war. — Ans Antrag des Dr. Scllo wird diese Bekundung prolokollirt. — Schmied Wicnicke: Buchholz habe ihm einmal in der Schmiede die vorliegende Schnur gezeigt, ohne ihm zu sagen, was das für eine Schnur sei. Irgend eine Probe mit der Schnur sei in fcinci* Weise vorgcnomincn worden. — Dasselbe bekundet auch Bnchholz: (5r habe überhaupt niemals probirt, ob die Schnur als Znndschnür rc. zu benutzen sei. — Auch diese letztere Bekundung wird ans Antrag des Vertheidigers Rechtsanwalts Dr. Sello zn Protokoll genommen. — Frau Bnchholz: In unserer Wohnung zeigte einmal mein Mann dem Schmied Wienicke die Schnur mit den Warten: ״Damit iverden die Juden wohl den Tempel angesteckt haben." Wann dagewesen ist, weiß ich nicht. Ich bin bei Auffindung der Zündschnur nicht zugegen gewesen. —