Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 12 (20.3.1884)
- Article
- Winke für die religiöse Erziehung
- Date
- 1884-03-20
- Page
- 178 (sequence 2)
- Language
- German
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178 Ihre kleinen in Weiterer Lust sich tummetn und tu j vei^eitber .(סיnnlofigteit der Umgebung iiichl gedenken, ן welcher der laute Jubel unb der fröhliche Varm höchst j unbequem ist. oder wenn sie in köstlicher Naivität bei! ihren Spielen der schuldigen Rücksicht aus die Be׳-! kleidung vergessen nud Ihnen mit beschmutzten und;errisieuen Gewändern unter die Augen treten, pflegen Sie sie dann auch mit freundlichem Lächeln zu empfangen'? So viel ich weiß, lassen Sie sich daun von einer viel strengeren Erziehungsmethode leiten, als ich, und sparen in solchen Fällen weder ernste Rügen noch empsiudliche Strafen." ,,il'ie können Sie solche Vergleiche ziehen!" sagte die Andere. ״Man muh doch die Kinder frühzeitig an Sittsamkeit und Ordnung gewöhnen, ich würde mir stets Vorwürfe zu machen haben, wollte ich es verabsäumen, meine Kleinen zu einem gesitteten Benehmen anzuhalten. Sie hätten mich darob in ihrem Alter noch anznklagen׳ denn jung gewohnt, alt gethan. Für meine mütterliche Strenge, die sie jetzt allerdings manchmal recht schmerzlich trifft, werden sie mir aber ewig dankbar sein. — Sind Sie nicht auch meiner Ansicht?" Diese Frage richtete sie an mich, der ich die Ehre hatte, die beiden Damen zu begleiten. ״Sie handeln genug sehr verständig, wenn Sie Ihre Kleinen von früher.Kindheit an daran gewöhnen, dasjenige zu beachten, was sie in reiferer Jugend zu bethätigen haben," erwiderte ich. ״Ich glaube auch nicht, daß unsere Freundin Ihnen hieraus einen Vorwurf zu machen gedachte; sie hat in dieser Be- Ziehung lediglich augedeutet, daß die non Ihnen für diesen Zweck in Anwendung gebrachten rigorosen Mittel ihrer Ansicht nach nicht so oft, oder nicht in solchem Mast erforderlich wären, oder vielleicht, daß sie solche überhaupt für entbehrlich halte. Ein Weiteres hat sie nach dieser Seite hin um so weniger aussprechen wollen, als sie ja gerade in diesem Augenblicke ihrem .Kleinen eine Mahnung ertheilte, welche von Ihnen als zu streng bezeichnet worden ist." ״So ist es," meinte die Dante. ״Ich suche, im Gegensatz zn unserer Frenttdin, die Kinder auf den Weg des Guten durch ernstes Erntahnen, freundliche Vorstellung und ruhige Eutschiedettheit;u führen, und cS gelingt mir dieses jedenfalls auch ebenso gut, wie anderen Müttern, welche in Deftigkeit und durch den stets drohenden Mahner von der Rückseite des Spiegels her, für welchen in meiner .Kinderstube kein Platz ist, die Erziehung leiten." Unser Gespräch wurde durch einen lauten Schrei der voranwandelnden Kinder unterbrochen. Die beiden Kleinen der ״ansgeklärtcn" Dame waren über die gepflückten Blumen in Streit geralhen, welcher zu Thätlichfeiten geführt harte, in Folge davon die Kämpfenden ans das vom vorausgegangenen Regen aufgewühlte Erdreich gefallen waren und mit zerrissenen und über und über beschmutzten Gewändern sich von demselben erhoben. Die Mutter war eiligst zur Stelle. Sie nahm ihre Kinder bei der Haitd, mu sie nach Hause zu führen. ״Man schämt sich, mit euch auszugehen, ihr ungezogenen Kinder," sagte sie zu den Weinenden. ״Wartet nur bis wir zu Hause sind; ich werde mit euch ein so ernstes Wort sprechen, daß ihr es sobald nicht vergessen sollt." Ich setzte meinen Spaziergang fort, während die Damen sich der Stadt znwendeten. Warum ich dieses unbedeutenden BegegnisseS hier Erwähnung thne? Weil cs mich in mein Thema einführt und, anS dem Leben gegriffen, besser als eine weitjchwcisige Abhandlung dasselbe beleuchtet. Wir suchen von. frühester Kindheit an unsere Kleiuett an Sittsamkeit, Ordnung und andere Tngenden zu gewählten; der Eltern aufmerksamste Sorge ist der Heranbilduitg und Hebung der Kinder für die Pflichten gewidmet, welche ihrer später harren; sie wehren dem jugendlichen Ueberntuth und zügeln die kindliche Laune; sie gebieten und verbieten und erzwingen für ihre Bcfehle Gehorsam; sie scheuen hierbei nicht vor Härte zurück. Mancher zärtliche Vater, manche weichherzige Mutter besinnt sich keinen Augenblick, um dem kleinen Liebling einen verhältuißmäßig großen Schmerz znzufügen, wenn eS gilt, der in des KindeS Natur wohl begründeten Leichtfertigkeit Zügel anzulegen, weil sie sich sagen, daß gerade in dieser Zügelung die ihnen obliegende Erziehnltgsanfgabe ihre Lösung sinde. Dieselbe Mutter aber, welche wegen eines zu lauten LärmenS, wegett eines Risses oder einer Befleckung des FeiertagkleidcS n. s. w. zürnend und strafend einschreitet, findet cS höchst grausam und hart, wenn eine Andere ihrem SöHuchen die Beobachtung deS SabbathgebotS, so weit solches in seine kindliche Sphäre eingreift, möglichst früh cinzuschärfen sucht. Ich weiß freilich sehr wohl, daß die vorhin erwähnte Dame, falls nufere Unterhaltung nicht plötzlich abgebrochen worden wäre, ihrer Freundin gewiß entgegengehalten hätte, welch bedeutender Unterschied zwischen deit Verboten und Geboten zur Erzielung eines gesitteten Betragens und einer sorgfältigen Ordnung und dem Sabbalhgcfetze obwalte. Während der kindliche Verstand die Zweckmäßigkeit des Verbots des lauten LärmenS, des Gebots der Rciucrhaltung der Kleider n. s. m. bcgreisen fömte und demgemäß selbst auch die Zweckntäßigfeit und Gerechtigkeit einer Bestrafung für deren Nichtbeachtnng cinznsehcn int Stande sei, vermöge er hingegen absolut nicht zu verstehen, warum die Mutter das Brechen einer Blume am Sabbath n. s. w. verbiete. Das Kind ertrage deshalb jene Beengung seines